AuslandserfahrungIn vielen Studiengängen gehört das eine oder andere Auslandssemester fast schon zum guten Ton. Dort können Sie nicht nur Ihre Fremdsprachenkenntnisse aufpolieren und durch die richtige Kurswahl wichtige Impulse für Ihre Karriere setzen, Sie haben außerdem Gelegenheit, internationale Kontakte zu knüpfen, fremde Kulturen kennenzulernen und ganz viel zu erleben. Damit sich Ihre Abenteuer im fremden Land aber auf angenehme Dinge beschränken, sollten Sie Ihren Aufenthalt gut vorbereiten.

Dafür benötigen Sie allerdings Zeit – und das nicht zu knapp. Wenn Sie beispielweise ein Visum fürs Gastland benötigen oder verschiedene Impfungen nachweisen müssen, sollten Sie locker ein paar Monate Vorlauf einplanen.

Da kommt es Ihnen wahrscheinlich gerade recht, dass es Studienabschnitte gibt, die Sie zur Vorbereitung des Auslandsaufenthalts nutzen können, weil Sie ohnehin vor Ort sein müssen – das ist in der Regel beispielsweise im ersten Master-Semester der Fall.

Die Grundlage ist aber selbstverständlich die Auswahl der richtigen Hochschule. Dabei sollten Sie vor allem diese Kriterien beachten:

Impulse im Ausland gesucht

In erster Linie kommt es natürlich darauf an, welche Impulse der Auslandsaufenthalt für Ihr Studium oder Ihren Berufseinstieg setzen soll – und welche Ziele Sie sonst noch damit verfolgen.

  • Was versprechen Sie sich vom Auslandsaufenthalt? Wollen Sie bei einem bestimmen Prof studieren, eine renommierte Uni im Lebenslauf stehen haben, eine Sprache lernen – oder einfach eine gute Zeit verbringen? Das ist bereits die entscheidende Frage, weil sie unterschiedliche Richtungen vorgibt.
  • Was bietet die Hochschule in Ihrem Fachgebiet? Egal, ob Sie nur ein Semester lang oder gleich fürs ganze Studium ins Ausland gehen, sollten Sie unbedingt darauf achten, dass die Uni eine gute Reputation in Ihrem Fachgebiet hat.
  • Welche Lehrveranstaltungen werden wann angeboten? Die Hochschule Ihrer Wahl kann noch so renommiert sein: Wenn die passenden Lehrveranstaltungen während Ihres Aufenthalts nicht angeboten werden oder in dieser Zeit kein Einstieg möglich ist, bringt Ihnen das Auslandssemester herzlich wenig.
  • Wie ist es um das Betreuungsverhältnis bestellt? Im Gastland haben Sie in jedem Fall einen deutlich höheren Unterstützungsbedarf als hierzulande, und das nicht nur in Studiendingen. Wichtig ist also, dass Sie bereits vor der Abreise kompetente Ansprechpartner vor Ort kennen, die auch wirklich Zeit für Sie haben.

Informationen zu diesen Themen finden Sie zunächst beim Auslandsbeauftragten Ihrer Fakultät und dem Akademischen Auslandsamt oder Foreign Office Ihrer Hochschule. Weitere Ansprechpartner sind der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Kulturinstitute des Gastlands und natürlich die Hochschulen, die für Ihren Aufenthalt in Frage kommen.

Formale Kriterien

Weil die Formalitäten große Hindernisse darstellen können, sollten Sie sich rechtzeitig mit ihnen auseinandersetzen. Gerade Staaten außerhalb Europas sind groß darin, bürokratische Hürden aufzubauen, um eine Einreise zu erschweren. Weil außerdem die Mühlen anderswo noch langsamer mahlen, kann es gut sein, dass Sie ein paar Monate auf Ihr Visum warten müssen.

  • Welche Zulassungsvoraussetzungen bestehen? Selbstredend knüpfen auch ausländische Unis Bedingungen an den Besuch von Lehrveranstaltungen oder das Ablegen von Prüfungen. Die sollten Sie kennen, denn schließlich bringt es nichts, wenn Sie erst vor Ort feststellen, dass Sie an Ihren Wunsch-Kursen gar nicht teilnehmen dürfen.
  • Wie ist das Studienjahr aufgeteilt? Wenn das Studium in Ihrem Gastland in Trimester unterteilt ist oder die Semesterferien im Sommer und Winter liegen, müssen Sie vielleicht zwei Semester aufwenden, um einen Studienabschnitt an der Hochschule Ihrer Wahl zu absolvieren. Überlegen Sie sich also, ob Ihnen die Auslandserfahrung das wert ist – und wie Sie die Zwischenzeit sinnvoll nutzen können.
  • Werden Ihre Prüfungsleistungen anerkannt? Wenn das Auslandsstudium Sie weiterbringen soll, müssen Sie unbedingt vorher abklären, ob die Prüfungsleitungen an Ihrer Heimat-Uni zählen. Falls Ihre Hochschule ein Austauschprogramm mit einer Partner-Uni anbietet, sind Sie im Regelfall auf der sicheren Seite.
  • Was für Studien- und Abschlussmöglichkeiten gibt es? Wenn Sie komplett im Ausland studieren möchten statt nur ein, zwei Semester dort zu verbringen, müssen Sie unbedingt eruieren, ob Ihre Studienabschlüsse in dem Land anerkannt werden, in dem Sie später arbeiten wollen. Das gilt auch und gerade für Aufbau-Diplome, die in vielen Ländern für einen Bruchteil der Kosten in Deutschland zu haben sind.

Ansprechpartner für diese Fragen sind wiederum die Fachberater an Ihrer Uni und Fakultät, aber auch der DAAD. Über die Anerkennung ausländischer Abschlüsse können Sie sich beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) informieren.

Rahmenbedingungen

Wahrscheinlich wollen Sie sich während des Auslandsstudiums nicht nur an der Hochschule bewegen, oder? Das setzt allerdings voraus, dass Sie auch den Erwartungen des Umfelds Rechnung tragen. Weil es dabei unter anderem um ihre Sicherheit geht, sollten Sie diesen Aspekt nicht als lästige Pflicht abtun.

  • Beherrschen Sie die Landessprache? An der Hochschule selbst werden Sie zwar vermutlich mit Englisch durchkommen, spätestens im lokalen Supermarkt könnten Sie aber ebenso gut Klingonisch sprechen. Die meisten Hochschulen setzen deswegen gute Kenntnisse der Landesssprache als Aufnahmekriterium voraus. Weil für deren Erwerb ein Ferienkurs selten ausreicht, sollten Sie rechtzeitig mit dem Lernen beginnen. Noch besser ist, wenn Sie an einem Austauschprogramm teilnehmen, da hierbei auch Informationen zur Landeskunde vermittelt werden und Sie somit auch wissen, worauf Sie im Gastland achten müssen.
  • Welche Einreisebedingungen bestehen? In vielen Ländern außerhalb Europas benötigen Sie ein Einreisevisum. Oft müssen Sie auch nachweisen, gegen bestimmte Krankheiten geimpft zu sein. Andere Voraussetzungen sind etwa, dass Sie genügend Geld besitzen, um für die Dauer Ihres Aufenthalts die Lebenshaltungskosten bestreiten zu können, oder dass Sie im Besitz eines gültigen Rückflugtickets sind.
  • Wie sehen die Kosten und Finanzierungsoptionen aus? Studieren im Ausland ist in der Regel teurer als zu Hause – dafür ist Jobben meist deutlich schwieriger. Wenn Sie Bafög beziehen, ist das kein Problem: Schließlich können Sie diese Leistung ins Ausland mitnehmen. Eine andere Möglichkeit sind Stipendien, mit denen Sie beispielsweise auch die Studiengebühren bezahlen können. Wenn Sie mit dem ERASMUS-Programm im Ausland studieren, fallen erst gar keine Gebühren an – dafür sind Sie allerdings auf Europa beschränkt.
  • Wo können Sie wohnen? In vielen Ländern der Welt wohnen Studenten zu Hause, bis sie den Abschluss in der Tasche haben. Als Alternativen existieren allenfalls Wohnheime, WGs sind in vielen Ländern unbekannt.
  • Welche Arbeitsmöglichkeiten bestehen vor Ort? Jobben ist eine Art der Studienfinanzierung – allerdings nur, wenn sie erlaubt ist. In den meisten Ländern benötigen Sie neben der Aufenthalts- auch eine Arbeitserlaubnis, falls Sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen wollen. Selbst wenn Sie diese Genehmigung erhalten, bedeutet das aber noch lange nicht, dass ein entsprechender Arbeitsmarkt existiert und Jobben neben dem Studium möglich ist.
  • Sind Sie krankenversichert? In vielen Ländern der Welt gibt es auch – oder gerade – für privilegierte Ausländer ärztliche Leistungen nur gegen Barzahlung. Klären Sie bitte, ob Ihre Krankenkasse für Behandlungen im Gastland aufkommt oder ob Sie eine Zusatzversicherung abschließen müssen – und erkundigen Sie sich, wie viel Bargeld Sie für Notfälle dabei haben müssen.

Guten Rat zu diesen Fragen finden Sie – neben den oben genannten Informationsquellen – auch bei Ihrer Krankenversicherung, dem Auswärtigen Amt (AA) und den Botschaften der Länder, die Sie besuchen wollen.