Ein Rabe sitzt träge auf einem Baum und tut den ganzen Tag lang nichts. Da kommt ein kleiner Hase vorbei und sieht den Raben. „Sag mal“, staunt er, „kann ich mich nicht auch so hinsetzen und den ganzen Tag lang nichts tun?“ „Aber natürlich“, antwortet der Rabe. Also setzt sich der kleine Hase auf den Boden unter dem Ast, auf dem der Rabe hockt, und ruht sich aus. Es dauert nicht lange, da schleicht sich von hinten ein Fuchs heran, fängt den kleinen Hasen und frisst ihn auf.

Und die Moral von der Geschichte:

Um herumzusitzen und nichts zu tun, muss man – wenn überhaupt – schon sehr weit oben sitzen! Besser aber man engagiert sich durchgängig.

Tatsächlich ist es sogar so, dass Müßiggang unglücklich macht. Das hat Christopher K. Hsee von der Universität von Chicago schon vor einiger Zeit herausgefunden. Man könnte es auch ein modernes Trägheitsgesetz nennen: Zusammen mit seinem Kollegen Adelle X. Yang sowie Liangyan Wang von der Shanghai Jiaotong Universität untersuchte das Trio, warum Menschen in der modernen Gesellschaft ständig so beschäftigt sind und selbst in ihrer Freizeit noch aktiv bleiben oder gar weiterarbeiten. Seine These: “Wir alle haben enorme Energie in uns und wollen Trägheit vermeiden.”

Aktiv zu bleiben, macht glücklicher

Also suchten sich die Wissenschaftler ein paar Probanden auf dem Campus und ließen diese Fragebögen ausfüllen. Zum Schein. Nachdem die die Listen bearbeitet hatten, konnten die Studenten 15 Minuten Pause machen, bevor sie den nächsten Fragebogen ausfüllen sollten. Dabei standen die Teilnehmer jedoch vor der Wahl: Entweder, sie würden ihre Bögen in einem nahegelegenen Büro abgeben und die restliche Zeit einfach faul rumstehen und abwarten – oder sie gingen zu einem entfernten Büro, wobei sie der Fußmarsch hin und zurück in etwa 15 Minuten beschäftigen würde. So oder so: In beiden Fällen erhielten die Probanden bei der Abgabe einen Schokoriegel.

Was glauben Sie passierte?

Genau! Während die Wissenschaftler mittels der Fragebögen den Zufriedenheitsgrad und die Glücksgefühle ihrer Probanden untersuchten, bemerkten sie zugleich: Wer aktiv blieb, war hinterher glücklicher als die faulen Rumsteher. Mehr noch: Wenn den Teilnehmern in beiden Fällen die gleichen Schokoriegel angeboten wurden, entschieden sich mehr Studenten für das nahegelegene Büro. Bekamen sie aber unterschiedliche Süßigkeiten offeriert, schlenderten mehr von ihnen ins entfernte Büro – weil sie die Strecke so für sich besser rechtfertigen konnten, vermuten Hsee und seine Kollegen.