Haarausfall ist ein typisch männliches Problem und bislang sah es so aus, als hätte es im Job nur Nachteile: Glatzenträgern wird auf der Arbeit zum Beispiel weniger Kreativität zugetraut, fanden Saarbrücker Wissenschaftler heraus. Und Bewerber mit Halbglatze oder Glatze auf ihren Bewerbungsfotos wurden deutlich seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Zudem stuften die Testpersonen sie als weniger karriereorientiert ein. Als Reaktion darauf wählen viele Männer eine sogenannte Klappfrisur – und kämmen ihr (Rest-)Haar über die kahlen Stellen. Brrr. Unnötig ist es dazu: Denn wie eine neuere Studie zeigt, hat der Kahlkopf bei der Karriere auch Vorteile.

Albert Mannes, Management-Professor an der Wharton School der Universität von Pennsylvania und selbst ein Glatzkopf, kam auf die Idee zu der Studie, nachdem er sich selbst mit Mitte 30 die nur noch wenigen Haupthaare ganz abrasiert hatte. Bald darauf bemerkte er, dass die Menschen um ihn herum spürbar anders reagierten: vorsichtiger, teils distanzierter, manchmal sogar ängstlicher. Er selbst wirkte auf sie offenbar dominanter, männlicher und vor allem selbstbewusster.

Glatze macht männlicher und verheißt mehr Führungspotenzial

Der Sache wollte er genauer nachgehen und stellte dazu einige Experimente an. Immer wieder zeigte er seinen rund 60 Probanden manipulierte Bilder von Männern mit unterschiedlicher Haarpracht – von vollem Haar bis hin zu rasierten Glatzen. Es war natürlich immer dieselben Männer – nur ihre Frisuren wurde mit Photoshop verändert. Die Teilnehmer sollten die Männer nun einschätzen, ihre Attraktivität ebenso wie ihre vermeintlichen Führungsqualitäten, ihre Stärke oder Selbstsicherheit.

Sie ahnen es längst: Die kahlen Häupter wurden durchweg als dominanter, selbstbewusster und maskuliner eingestuft – im Vergleich zu größeren Männern mit vollem Haar sogar als 13 Prozent stärker.

In einem letzten Experiment bekamen die Probanden gar nur noch eine Beschreibung – keine Fotos – der Männer zu lesen. Dabei wurde die unterschiedliche Haarpracht jedoch ausführlich erwähnt. Der Effekt blieb gleich: Männer mit Glatze wurden auch hierbei als dominanter, maskuliner, stärker und als Personen mit besserem Führungspotenzial eingestuft.

Allerdings galt dies in allen Experimenten nur für Männer, die sich erkennbar den Kopf rasierten (weil zum Beispiel noch Haarstoppeln zu sehen waren), wer dagegen unfreiwillig dünnes Haupthaar hatte, wurde prompt als schwächer eingestuft (ein weiteres Argument gegen Klappfrisuren). Mannes sagt dazu:

I am suggesting that because society places such a high value on physical beauty (and hair is a large part of this), it takes a certain confidence to willingly dispense with one’s hair. People make inferences about others who choose this. I was surprised that perceptions of dominance and masculinity extended to concrete, physical characteristics such as height and strength.

Was das für den Job bedeutet?

Sich wegen der Studie gleich den Kopf zu rasieren, wäre sicher übertrieben. Sie zeigt aber eben auch, dass Mannes mit seinen persönlichen Erfahrungen Recht hatte: Die Menschen assoziieren mit einem Glatzkopf tatsächlich andere, auch positive Eigenschaften, vor allem Führungs- und Verhandlungsstärke. Und genau diese Psychoeffekte lassen sich ebenso zum eigenen Vorteil verwenden – in Gehaltsverhandlungen etwa oder bei der nächsten Beförderung.

Auch wenn viele Männer mit ihrem Haarausfall hadern: Er hilft durchaus bei der Karriere. Aber eben nur, wenn man(n) rechtzeitig zum Rasierer greift, statt zum Kamm.