Hoher Praxisanteil, erste Berufserfahrung, Verdienst vom ersten Tag an und eine vergleichsweise kurze Studiendauer – so lauten die gängigen Argumente für ein duales Studium. Diese Vorteile sind durchaus real, denn die Kombination aus Theorie- und Praxisphasen ermöglicht Studenten, im Rahmen des Studiums erste Berufserfahrung zu sammeln das neu erworbene Wissen direkt anzuwenden. Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten und das duale Studium bildet hier keine Ausnahme. Auf der Seite der Nachteile finden sich Punkte wie eine hohe Arbeitsbelastung, enormer Zeitdruck, die teilweise nur oberflächliche Behandlung von Themen und eine – im Vergleich zum Hochschulstudium – weniger wissenschaftliche Denk- und Arbeitsweise. Im Folgenden habe ich 44 Tipps und Informationen für Sie zusammengestellt, die Ihnen im dualen Studium oder bei der Entscheidung dafür helfen können.

Im Vorfeld noch ein Hinweis: Die folgenden Tipps richten sich teilweise an angehende Studenten, teilweise jedoch auch an duale Studenten, die bereits im Studium stehen. Daher sollten Sie die Liste nicht als Handlungsleitfaden betrachten, den es umzusetzen gilt. Viel mehr soll diese Sammlung Ihnen Impulse und Anregungen bieten und auf wichtige Themen im dualen Studium aufmerksam machen. Wie immer gilt: Wenn Ihnen ein Tipp oder ein Information auf der Liste fehlen, ergänzen Sie diese bitte in den Kommentaren. Dann könne alle Leser und duale Studenten davon profitieren.

    22 Tipps für den Einstieg ins Duale Studium

  1. Machen Sie sich im Vorfeld klar, dass ein duales Studium in der Regel eine größere Arbeitsbelastung mit sich bringt, als ein klassisches Hochschulstudium.
  2. Duale Studiengänge sind meist straff organisiert. Die Lehr- und Studienpläne sind oft vorgegeben und können nur in geringem Maße selbst gestaltet werden
  3. Gutes Zeitmanagement und eine funktionierende Selbstorganisation sind im dualen Studium enorm wichtig.
  4. Arbeiten und lernen Sie vom ersten Tag an konzentriert. Anfängliche Nachlässigkeit kann sich später rächen.
  5. Suchen Sie sich einen Praxisträger, der zu Ihnen passt. Sie werden dort viel Zeit verbringen.
  6. Ein Kriterium für die Wahl des Praxisträgers sollte die dort gebotene Anleitung sein. Der Lernprozess geht idealerweise auch in den Praxisphasen weiter.
  7. Für eine fachlich gute Anleitung ist ein fester Ansprechpartner beim Praxisträger essentiell. Klären Sie bitte, wer das in Ihrem Fall ist.
  8. Achten Sie bei der Wahl des Praxisträgers auch auf die Entfernung zum Studienort. Diese entscheidet darüber, ob Sie pendeln können oder zwei Wohnsitze brauchen.
  9. Für den Übertrag der theoretischen Kenntnisse in die Praxis sind Sie weitgehend selbst verantwortlich. Handeln Sie entsprechend.
  10. Klären Sie im Vorfeld mit Ihrem Praxisträger ab, welche Ergebnisse Sie im Studium mindestens erbringen müssen.
  11. Informieren Sie sich im Vorfeld über die zeitliche Aufteilung von Praxis und Theorie. Die Modelle unterscheiden sich hier von Bildungseinrichtung zu Bildungseinrichtung.
  12. Nehmen Sie sich auch während der Praxisphasen die Zeit, den Stoff der letzten Theoriephase durchzugehen und aktuell zu halten.
  13. In vielen dualen Studiengängen stehen am Ende jeder Theoriephase Klausuren und Prüfungen an, auf die Sie sich vorbereiten müssen.
  14. Zahlreiche Studienarbeiten werden Sie in den Praxisphasen, parallel zu Ihrem Vollzeit-Job, schreiben müssen. Darüber sollten Sie sich vor Beginn des Studiums im Klaren sein.
  15. Besuchen Sie die – teilweise optional angebotenen – Grundlagenseminare zum wissenschaftlichen Arbeiten unbedingt. Sie werden die Kenntnisse brauchen.
  16. Achten Sie darauf, sich mit Wahlfächern nicht zu viel aufzuladen. Oft sind diese Seminare zwar hochinteressant, nehmen dann aber zusätzliche Zeit, beispielsweise an den Wochenenden, in Anspruch.
  17. Duale Studenten haben meist einen Urlaubsanspruch zwischen 24 und 30 Tagen. Diese Tage können in der Regel jedoch nur in den Praxisphasen genommen werden.
  18. Als dualer Student sind Sie einerseits Student, andererseits allerdings Auszubildender. Ein Vorteil dieser Konstruktion: Sie zahlen vom ersten Tag an in die Sozialversicherungen ein und genießen daher Versicherungsschutz.
  19. Viele Dokumente und Informationen zu den verschiedenen Studienphasen werden inzwischen über E-Learning-Systeme kommuniziert. Machen Sie sich damit von Anfang an vertraut.
  20. Achten Sie bei Ihren Studienarbeiten – sofern möglich – auf einen thematischen und inhaltlichen Bezug zu Ihrem Praxisfeld.
  21. Informieren Sie sich gleich zu Beginn über die Hochschulgremien und die Mitglieder Ihrer Studierendenvertretung.
  22. Im dualen Studium besteht meist Anwesenheitspflicht in den Vorlesungen.
  23. 22 Tipps für duale Studenten

  24. Nutzen Sie Lerngruppen – sowohl on- als auch offline.
  25. Stellen Sie in Studien- und Projektarbeiten immer den Praxisbezug her. Nur so nutzen Sie das Potenzial des dualen Studiums voll aus.
  26. Mindestens eine Praxisphase müssen Sie in einem anderen Praxisfeld absolvieren. Nutzen Sie diese Zeit ganz bewusst, um neue Erfahrungen zu sammeln.
  27. An vielen dualen Hochschulen sind Praxisphasen im Ausland möglich. Diese bieten zwar viele Vorteile, stellen oft jedoch organisatorisch und finanziell eine Herausforderung dar. Wägen Sie Vor- und Nachteile hier bitte genau ab.
  28. Achten Sie bei praxisrelevanten Wahlfächern darauf, sich diese bescheinigen zu lassen. Ohne Nachweise können Sie diese nicht in einer Bewerbung verwenden.
  29. Apropos Bewerbung: Wenn Sie bei Ihrem Praxisträger bleiben wollen und können, sollten Sie natürlich auch das Thema Ihrer Bachelorarbeit mit ihm abstimmen.
  30. Versuchen Sie bei offenen Projektarbeiten bewusst, mit Kommilitonen aus anderen Fachbereichen zusammenzuarbeiten. So könne Sie von deren Erfahrungen profitieren.
  31. Klären Sie mit Ihrem Praxisträger, dass Sie im Urlaub wirklich nicht erreichbar sind. Nutzen Sie diese Zeit bitte auch nicht für Nebenjobs oder ähnliches. Die Erholung sollte hier im Vordergrund stehen.
  32. Für die Abschlussarbeit kann Ihr Praxisträger Ihnen zusätzliche Urlaubstage oder Freistellung bewilligen. Oft müssen Sie diese von sich aus erfragen.
  33. Fragen Sie beim Praxisträger in unregelmäßigen Abständen nach, ob dieser die aktuellen Informationen der dualen Hochschule erhalten hat. Oft ist der Informationsfluss hier nicht ganz einfach.
  34. Lernen Sie den Stoff jeder neuen Theoriephase von Anfang an bewusst und aktiv. So können Sie Ihre Prüfungsvorbereitung am Ende der Phase deutlich verkürzen.
  35. Nutzen Sie die E-Learning-Plattform der Hochschule aktiv – auch wenn das nicht unbedingt notwendig sein sollte.
  36. Halten Sie mit Ihren Kommilitonen auch in den Praxisphasen Kontakt. Danke Social Media ist das kein Problem.
  37. Beginnen Sie rechtzeitig mit der Jobsuche. Spätestens zwei Semester vor dem Ende der Studienzeit sollten Sie sich umschauen.
  38. Bereiten Sie Ihre Abschlussarbeit so früh als möglich vor. Offizielle Formulare, formale Vorgaben und ähnliches lassen sich oft bereits Wochen vor der offiziellen Themenvergabe herunterladen oder organisieren.
  39. Das gilt auch für den Betreuer Ihrer Abschlussarbeit: Beginnen Sie hier möglichst früh mit der Suche und sprechen Sie die in Frage kommenden Dozenten an.
  40. Einen Betreuer werden Sie in der Regel nur dann finden, wenn Sie bereits ein Thema für Ihre Arbeit haben. Legen Sie dieses daher so bald als möglich fest.
  41. Nicht alle potentiellen Arbeitgeber erkennen die Arbeitszeit während des Studiums als Berufserfahrung an. Legen Sie bei Ihrem Praxisträger daher bitte besonderen Wert auf ein aussagekräftiges Arbeitszeugnis.
  42. Achten Sie darauf, dass in diesem Arbeitszeugnis wirklich alle Ihre Tätigkeiten und vor allem die selbstständig erbrachten Leistungen deutlich werden.
  43. Ihre Noten sind für die Bewerbung um einen Arbeitsplatz meist nicht entscheidend. Für die Zulassung zu einem weiterführenden Master-Studiengang allerdings schon.
  44. Planen Sie ohnehin einen Master zu machen, sollten Sie sich überlegen, ob Sie diesen konsekutiv, also direkt im Anschluss an den Bachelor draufsetzen. Das ist auch mit einem dualen Studium möglich.
  45. Engagieren Sie sich aktiv im Alumni-Netzwerk Ihrer dualen Hochschule. Diese Kontakte können Ihnen bei der Jobsuche nützlich sein.