Sergey Nivens/shutterstock.comDas Studium ist in eine Investition in die eigene Zukunft. Doch das sagt sich so leicht. Was das eigentlich bedeutet, merkt man erst wenn man mittendrin steckt. Plötzlich soll man auf eigenen Beinen stehen und die Kosten für Miete, Lebensmittel, Semesterbeiträge, Bücher und Freizeit selbst tragen. Stets geplagt von der Frage, ob das Geld am Ende des Monats reicht. Umso wichtiger es bereits frühzeitig mit der Studienfinanzierung auseinanderzusetzen und sich eine passende Strategie zurecht zu legen. Unser Ratgeber hilft Ihnen dabei…

Welche Ausgaben kommen auf Studenten zu?

Als erstes sollten Sie damit beginnen sich einen systematischen Überblick über Ihre finanzielle Situation zu machen. Nehmen Sie sich dafür ausreichend Zeit und denken Sie für alle Kostenpunkte, die das Studium mit sich bringt nach und listen Sie diese auf.

Haben Sie sich nicht für ein Studium an Ihrem Heimatort entschieden, ist in vielen Fällen ein Umzug erforderlich. Ein solches Vorhaben ist dabei mit ganz anderen Kosten verbunden als das bisherige Leben bei den Eltern. Neben den Mietkosten für die Unterkunft am Studienort fallen auch Kosten für die Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung an. Einen weiteren Kostenpunkt stellen die Gebühren für Internet und Telefon dar. Des Weiteren müssen die Lebenshaltungskosten, das heißt die Ausgaben für Nahrung, Kleidung, Hygiene und Freizeitgestaltung, einkalkuliert werden.

Auch das Studium selbst bringt nicht unwesentliche Kosten mit sich. Dazu gehören der Semesterbeitrag für Verwaltungsgebühren und das Semesterticket sowie die Ausgaben für Fachliteratur und Studienmaterialien.

Die wichtigsten Kostenpunkte im Überblick:
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  • Miete für Unterkunft
  • Strom-, Wasser- und Wärmekosten
  • Telefon und Internet
  • Lebenshaltung (Essen, Kleidung, Hygiene, Freizeit)
  • Semesterbeitrag (Semesterticket, Beitrag ans Studentenwerk und Verwaltungsgebühren)
  • Lehrmittel (Fachliteratur, Studienmaterialien)

Wie sieht die Lage im Detail aus?

Die Höhe der aufgeführten Kostenstellen kann durchaus variieren und ist maßgeblich von folgenden Fragestellungen abhängig:

  • In welcher Stadt soll studiert werden?
  • Wie bewegen sich die Mietpreise dort (Mietpreisspiegel)?
  • Sind die Lebenshaltungskosten besonders hoch?
  • Wie ist das eigene Konsumverhalten einzuschätzen?

Ausgehend von diesen Fragen kann der konkrete Finanzbedarf geplant werden. Eine Beispielrechnung soll zusätzlich verdeutlichen wie unterschiedliche die monatlich zu kalkulierenden Kosten für ein Studium ausfallen können:

Miete: 150 bis 400 Euro
Energiekosten: 40 bis 150 Euro
Internet/Telefon: 15 bis 45 Euro
Lebenshaltung: 170 bis 380 Euro
Semesterbeitrag: 20 bis 50 Euro
Lehrmittel: 10 bis 50 Euro
Gesamtkosten: 405 bis 1.165 Euro

Laut der letzten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks haben Studenten durchschnittlich 864 Euro zur Verfügung. Mit 298 Euro ist die Miete die größte Ausgabe, gefolgt von 165 Euro für Ernährung, 82 Euro für Verkehrsmittel und 65 Euro für Freizeitaktivitäten, Sport und Kultur.

Finanzierungsmöglichkeiten: So lässt sich ein Studium finanzieren

Mit den zahlreichen Kosten, stellt sich auch die Frage: Woher bekomme ich das Geld für mein Studium? Zwar gibt es auf den ersten Blick zahlreiche Möglichkeiten, doch in vielen Fällen müssen bestimmte Kriterien für eine Finanzierung erfüllt sein.

Die Finanzierungsmöglichkeiten im Überblick:

  • Unterstützung durch die Eltern
  • BAföG
  • KfW-Studienkredit
  • Studienkredit einer privaten Bank
  • Stipendium
  • Bildungsfonds
  • Studentenjobs

Welche Finanzierung – welche Leistung?

studienfinanzierung_überblick_geldBei den meisten Studenten reicht eine Geldquelle nur selten für die Finanzierung der gesamten Kosten. Nur in den seltensten Fällen können die Eltern für das gesamten Studium aufkommen. Den kompletten Finanzbedarf durch einen Nebenjob selbst zu decken, ist meist auch nur schwer möglich, da das Studium selbst viel Zeit in Anspruch nimmt. Und Anspruch auf BaföG hat längst nicht jeder. Deswegen ist meist eine Kombination unterschiedlicher Quellen notwendig.

Unterstützung durch die Eltern

Nach bürgerlichen Recht sind Eltern dazu verpflichtet, ihren Kindern die erste Ausbildung zu finanzieren. Die Höhe des Unterhalts richtet sich nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Eltern. Das heißt: Sie müssen selber genug zum Leben haben, hier gibt es Freibeträge. Als Richtlinie wird hier die sogenannte “Düsseldorfer Tabelle” zu Rate gezogen. Der Bedarf für einen Studierenden, der nicht bei seinen Eltern wohnt, wird derzeit bei 670 Euro pro Monat angesetzt. Auch bekommen Eltern für Ihre Kinder, sofern diese nicht älter als 25 Jahre alt sind, weiterhin Kindergeld. Aktuell beträgt das Kindergeld für das erste und zweite Kind 184 Euro.

Sprechen Sie vor Beginn des Studium mit Ihren Eltern und erfragen Sie in welcher Art und Weise diese Sie unterstützen können.

BAföG – Unterstützung vom Staat

Die Abkürzung Bafög steht für “Bundesausbildungsförderungsgesetz”, besteht aus 68 Paragrafen und soll auch Studenten, die von ihren Eltern nicht unterstützt werden ein Studium ermöglichen. Es ist der Klassiker unter den Studienfinanzierungsmöglichkeiten. 1971 wurde es unter Bundeskanzler Willy Brandt eingeführt und sollte für mehr Chancengleichheit sorgen. Derzeit werden jährlich rund 979.000 Studierende sowie Schülerinnen und Schüler gefördert. Allerdings ist der Erhalt von BAföG an bestimmte Voraussetzungen gebunden und einkommensabhängig, das heißt: Sowohl das Einkommen der Eltern als auch das eigene, zum Beispiel im Rahmen einer Nebenbeschäftigung erzielte Einkommen, das einen festgelegten Betrag überschreitet, werden auf den Bedarf angerechnet. Die Hälfte der erhaltenen Förderung müssen Sie am Ende Ihres Studiums zurückzahlen. Eine Informationsbroschüre des Bundesministeriums für Bildung und Forschung können Sie HIER als PDF downloaden.

Zahlreiche Faktoren fließen in die Ermittlung Ihres Bedarfs ein:

  • Wie viel Ihre Eltern verdienen
  • Wie viele Geschwister Sie haben
  • Ob Sie zuhause wohnen oder nicht
  • Wie hoch Ihre Kosten sind

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung bietet auf seiner Website Beispielrechnungen, an denen Sie sich orientieren können, an.

Die Beantragung des BAföG sollten Sie direkt nachdem Sie einen Studienplatz erhalten haben, angehen, denn sie ist mit einem nicht zu unterschätzenden bürokratischen Aufwand verbunden. Die auszufüllenden Formulare sowie einen Antragsasssistenten finden Sie HIER. Denken Sie auch daran, dass für die Beantragung zahlreiche Nachweise, beispielsweise Lohnabrechnungen Ihrer Eltern erforderlich sind. Diese zu besorgen sollten Sie also zeitgleich in Angriff nehmen.

WICHTIG: Die Bearbeitung Ihres BAföG-Antrags wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Deswegen sollten Sie zum einen den Antrag mit sehr viel Sorgfalt ausfüllen, damit nicht unnötig Zeit für unvollständige Anträge verschwendet wird, und zum anderen sollten Sie sich für den Bearbeitungszeitraum eine weitere Finanzierungsmöglichkeit suchen.

AKTUELLES: Ab Herbst 2016 erhalten Schüler und Studenten sieben Prozent mehr Bafög. Auch die Einkommensfreibeträge der Eltern werden angehoben. Folgendes wird sich künftig ändern:

  • Der maximale Fördersatz steigt von 670 auf 735 Euro.
  • Die Zuschläge für Studierende mit Kind werden von 113 auf 130 Euro angehoben.
  • Bei Schülern und Studenten mit einem Sparbuch oder eigenem Vermögen wird der Freibetrag von bisher 5200 auf 7500 Euro angehoben.
  • Der Mietzuschlag wird von 224 Euro auf 250 Euro erhöht.
  • Ausländische Studenten können künftig bereits nach 15 Monaten, statt wie bisher nach vier Jahren, Bafög beantragen.
  • Die Finanzierung der Übergangsphase zwischen Bachelor und Master wird verlängert.

Nebenjob: Das Studium selbst finanzieren

Viele Studenten entscheiden sich dafür, auch neben Ihrem Studium mit einem Nebenjob dazu zu verdienen. Solange Sie in Ihrem Job nicht mehr als 450 Euro verdienen lässt sich diese Finanzierungsmöglichkeit gut mit anderen Geldquellen, wie beispielsweise dem BAföG kombinieren. Die Auswahl der Studentenjobs reicht von Tätigkeiten an der Hochschule selbst, über Jobs im Büro, der Gastronomie, auf Messen, in sozialen Einrichtungen und im Einzelhandel.

Was sind lukrative Studentenjobs?
In diesen drei Artikeln aus unserem Archiv, finden Sie zahlreiche Anregungen:

Wo finde ich Studentenjobs?

  • Eine erste Anlaufstelle sollte das Studentenwerk sein. Dort melden sich Arbeitgeber, die entsprechende Stellen zu vergeben haben. Deswegen haben die meisten Studentenwerke eine Jobbörse auf Ihrer Website.
  • Achten Sie auf Aushänge auf dem Campus. Jobs an der Hochschule, beispielsweise an Ihrem Fachbereich oder in studentischen Cafés werden oftmals per Aushang direkt auf dem Campus ausgeschrieben.
  • Auch gibt es spezielle Jobportale. Beispielsweise
    Jobmensa
    Studentenjobs24
    studentjob

Stipendien – Förderung nicht nur für Hochbegabte

Viele Studenten trauen sich oft gar nicht, sich für ein Stipendium zu bewerben. Sie rechnen sich nur geringe Chancen aus, denn immer noch kursieren viele Vorurteile rund um die Vergabe von Stipendien. Unter dem Vorwand “nur mit einem Einser-Abitur wird man gefördert” geben sie frustriert auf. Die meisten lassen sich von dem Wort “Begabtenförderung” abschrecken. Ja, die großen Stiftungen, wie die Studienstiftung des deutschen Volkes, stellen sehr hohe Ansprüche an ihre Stipendiaten und gute Noten spielen eine Rolle. Doch es gibt auch Stiftungen, wie das Mawista-Stipendienprogramm. Hier werden Studenten, deren Lebenslauf Brüche aufweist und die besondere Hürden zu überwinden hatten, gefördert.

In Deutschland gibt es über 800 Stipendien. Es lohnt sich hier Zeit zu investieren und sich intensiv mit den Fördermöglichkeiten zu beschäftigen. Einen Überblick über verschiedene Programme können Sie sich hier verschaffen:

  • Der Studienlotse: Das ist eine Plattform des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und ermöglicht es Ihnen nach verschiedenen Kriterien die Datenbank zu durchforsten.
  • e-follows: Auch e-follows bietet eine umfangreiche Datenbank. Ohne Anmeldung kann hier nach Region, Stipendienart oder per Freitext gesucht werden.
  • Die Übersicht der Zeit: Unter dem Titel “Stipendium für fast alle” hat zeitonline eine Übersicht zusammengestellt, die aufzeigt, wo man sich beispielsweise als Querdenker bewerben kann.
  • Die Übersicht der Süddeutschen: Wer noch gar nicht weiß, wonach er suchen soll, kann sich hier umsehen. Gelistet werden Stipendien in alphabetischer Reihenfolge mit einer kurzen Beschreibung.

TIPP: Wir empfehlen Ihnen sich gleich zu Beginn Ihres Studium für ein Stipendium zu bewerben, denn viele Stiftungen legen Wert darauf, Ihre Stipendiaten während des gesamten Studiums zu begleiten. Weitere Informationen dazu, wie Sie sich bewerben und ein Motivationsschreiben verfassen, finden Sie HIER.

Studienkredit – Die Notlösung

Wer alle anderen Finanzierungsmöglichkeiten ausgeschöpft hat und trotzdem nicht genügend Geld hat, um das Studium zu bestreiten, wendet sich an die Bank. Jedoch schrecken viele Studierende vor diesem Schritt zurück. Nicht völlig zu Unrecht: Die Auswahl an Kreditangeboten wirkt auf den ersten Blick undurchsichtig. Und am Ende des Studiums hat man auch noch Schulden.

Bei einem Studienkredit handelt es sich um Kredite, die sowohl von staatlicher Seite als auch privaten Banken angeboten werden. Anders als bei einem üblichen Kredit, werden – statt einer einmaligen Zahlung – monatliche Raten ausgezahlt. Mit einem Studienkredit ist es möglich, das Studium von Beginn an zu finanzieren. Während beim Bafög nur die Hälfte zurückgezahlt werden muss, wird bei einem Studienkredit allerdings die gesamte geliehene Summe, zuzüglich Zinsen, zurückgezahlt. Das Flaggschiff für Studienkredit-Anbieter ist nach wie vor die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Private Banken, wie die Deutsche Bank oder die Commerzbank, bieten kein eigenes Modell an, sondern vermitteln lediglich einen Kredit bei der KfW. Anders die Sparkassen und Volksbanken: Sie fungieren nicht nur als Vermittler, sondern haben ein eigenes Modell für Studienkredite mit anderen Rückzahlungsfristen als die KfW. Welche Punkte Sie bei der Aufnahme eines Studienkredits unbedingt beachten sollten, finden Sie hier.

Vorteile

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  • Anders als beim Bafög ist die Förderung nicht vom Einkommen der Eltern abhängig.
  • Es wird keine Kreditsicherheit vorausgesetzt.
  • Die Kreditvergabe erfolgt unabhängig vom Studienfach.

Nachteile

Daumenrunter_t

  • Der Kredit muss in voller Höhe zurückgezahlt werden.
  • Oft gibt es eine Altersspanne für die Aufnahme, etwa 18 bis 44 Jahre bei der KfW.
  • Die maximale Studiendauer ist vorgegeben.
  • Die Rückzahlungsdauer ist genau festgelegt.

Bildungsfonds – Eine weniger bekannte Finanzierungsmöglichkeit

Hierbei handelt es sich um ein noch relativ neues, rein privatwirtschaftliches Angebot, das ursprünglich aus den USA stammt. Auch hierbei handelt es sich um einen Kredit, zurückgezahlt wird der allerdings einkommensabhängig: Dazu wird vorab ein Prozentsatz des späteren monatlichen Einkommens festgelegt, der nach dem Berufsstart über eine bestimmte Dauer zurückgezahlt wird. Solche Bildungsfonds werden beispielsweise von CareerConcept oder der Deutschen Bildung AG angeboten.

Vorteile

    Daumenhoch_t

  • Bildungsfonts sind unabhängig vom Einkommen der Eltern.
  • Es werden keine Zinsen berechnet.
  • Die Rückzahlung beginnt erst, sobald eine Anstellung gefunden wurde.
  • Es wird keine festgelegte Rate, sondern ein prozentualer Anteil des Einkommens zurückgezahlt.

Nachteile

Daumenrunter_t

  • Für die Förderung ist eine Bewerbung erforderlich, sowie eine Bearbeitungsgebühr dafür.
  • Nicht alle Studiengänge und nicht alle Hochschulformen werden gefördert. Die Förderung einer Kunst-, Film- oder Theaterhochschule ist etwa aktuell nicht möglich. Auch ein Bachelor für Ausbildungsberufe, wie Physiotherapeut, wird nicht gefördert.

TIPP: Neben der finanziellen Unterstützung, bieten einige Anbieter auch kostenfreie Zusatzservices wie Soft-Skills-Trainings oder Mentoring-Programme. Auch die sollten Sie bei der Auswahl berücksichtigen.

Finanzplanung – wie funktioniert das?

Syda Productions/shutterstock.comDamit das Studium nicht von Anfang an auf wackeligen Füßen steht und man sich während des Studiums mit Finanzsorgen beschäftigen muss, sollte man seine Finanzplanung frühzeitig angehen und von Anfang an für Übersicht sorgen. Gerade deshalb ist es wichtig, schon zu Beginn alle Einnahmen und Ausgaben aufzulisten und einander gegenüber zu stellen. Auf diese Weise lässt sich auch ein eventuell zusätzlicher Finanzbedarf ermitteln.

Damit trotz Einnahmen- und Ausgabenaufstellung nicht doch irgendwann die Ausgaben überwiegen und man in Finanznot gerät, hat sich ein Haushaltsbuch, in dem alle monatlichen Ausgaben verzeichnet werden, als sinnvoll erwiesen. Auf diese Weise behält man stets den Überblick darüber, wie viel des monatlichen Budgets bereits ausgegeben wurde und wie viel Geld noch zur Verfügung steht.

TIPP: Auch wenn eine solide Haushaltsplanung eine gute Basis darstellt, ist niemand vor unerwarteten Ausgaben gefeit. Für den Fall, dass Waschmaschine oder Kühlschrank plötzlich ihren Dienst versagen, sollte man deshalb stets ein wenig Geld zurücklegen und sich so eine zumindest kleine Finanzreserve schaffen.

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