Mentorenprogramme sind populär. Meist handelt es sich dabei um eine Patenschaft zwischen einer jungen, vielversprechenden Führungskraft (Mentee) und einem erfahrenen (Ex-)Manager (Mentor). Letzterer übernimmt dabei verschiedene Aufgaben eines Ratgebers, der etwa Werte, Arbeitsweisen und Führungsstile für die jeweilige Organisation oder das Unternehmen an seinen Protegé vermittelt. Nicht selten schlüpft er dabei aber auch in die Rolle eines Coachs, der seinen Schützling in Karrierefragen berät. Dabei muss der Mentor (im Gegensatz zu einem Coach) nicht zwangsläufig neutral sein. Häufiger handelt er im Auftrag und im Sinne des Unternehmens. Zudem begegnen sich Mentor und Mentee praktisch nie auf Augenhöhe, eher ähnelt ihre Beziehung einem Meister-Schüler-Verhältnis. In der griechischen Mythologie war der Mentor ursprünglich sogar der Erzieher von Telemach, dem Sohn des Odysseus.
Ob daraus für beide Seiten eine befriedigende Partnerschaft und das Lehrer-Schüler-Duo erfolgreich wird, hängt jedoch von der Basisarbeit ab. Folgende Punkte sollten Mentor wie Mentee beachten:
- Logistik. Gleich zu Beginn sollten Mentor und Mentee klären, wann, wie oft und unter welchen Bedingungen sie sich treffen wollen. Also etwa regelmäßig jeden ersten Montag im Monat zum Mittagessen. Die Erfahrung zeigt: Je regelmäßiger die Treffen, desto fruchtbarer und vertrauensvoller wird das Verhältnis. Aber auch wie viele E-Mails Sie sich gegenseitig schicken, sollten Sie vorab klären. Ratschlag- oder Fragen-Spam kann sonst schnell nerven. Aus dem gleichen Grund sollten sich beide auch einig darüber werden, wie viel Zeit sie in ihre Partnerschaft investieren wollen. Gehen beide von unterschiedlichem Engagement aus, droht Frust. Entscheidend ist dann nur noch, sich an die Vereinbarung auch zu halten. Alles andere käme einem Vertrauensbruch gleich.
- Harmonie. Damit beide von der Beziehung profitieren, sollten Arbeitsweisen, persönliche Situation oder berufliche Herausforderungen harmonieren. Ein chaotischer Kreativer und ein detailverliebter Controller werden sich nicht wirklich verstehen. Ebenso wenig überzeugt ein Mentor, der weder die Branche seines Mentees kennt noch jemals ähnliche Herausforderungen meistern musste. Dieser Annäherungsprozess beginnt jedoch stets bei jedem selbst: Damit das Gespann funktioniert, müssen beide zuerst ihre eigenen Ziele, Arbeits- und Lernstile kennen.
- Vertrauen. Verlässlichkeit ist für beide Seiten essenziell. Damit es sich mit der Zeit entwickeln kann, sollten von Anfang an die Bedingungen dafür besprochen werden. Also zum Beispiel was von dem Besprochenen unter vier Augen bleibt, wie sichtbar die Allianz nach draußen kommuniziert wird, wie aktiv der Mentor Werbung für seinen Schützling machen darf.
- Offenheit. Mentoring lebt ebenso von Ehrlichkeit und gegenseitiger Wertschätzung. Das schließt Kritik nicht aus. Für den Mentee heißt das: Fragen Sie nach Rat, seien Sie aber auch offen für ehrliche Manöverkritik. Je mehr Sie sich versuchen zu schonen, desto weniger lernen Sie. Umgekehrt gilt für den Mentor: Auch wenn Sie Ihrem Schützling voraus sind – vermeiden Sie die Pose des Oberlehrers. Sie sollen fordern und fördern, nicht sich selbst beweihräuchern!
- Respekt. Jeder Mensch liebt Lob. Das gilt für Mentees, aber auch für Mentoren. Deshalb sollten sich beide immer wieder ihrer gegenseitigen Wertschätzung und Dankbarkeit versichern. Das ist keine weichgespülte Psychomasche, sondern Balsam für jede Beziehung. Ihrem Partner sagen Sie ja (hoffentlich) auch immer wieder, dass Sie ihn lieben – auch wenn der das längst weiß.
- Pflege. Bleiben Sie beide in Kontakt – auch wenn das Mentorenprogramm offiziell beendet ist. Man weiß schließlich nie, ob man sich nicht doch noch einmal helfen kann – vielleicht sogar mit vertauschten Rollen.
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