Ich bräuchte mal deinen Rat …
Den gebe ich dir gerne. Aber bevor man einen Rat einholt, sollte man sich stets drei Fragen stellen. Darf ich dir diese Fragen stellen? Wäre das okay für dich?
Das war aber noch nicht die erste Frage…? Ja, klar. Frag mich einfach!
Also gut, hier kommt die erste Frage: Suchst du nach einem Rat oder nach einer Bestätigung? Versteh mich nicht falsch, aber viele Menschen, die jemanden um einen Rat bitten, wollen in Wahrheit nur eine Bestätigung für eine Entscheidung, die sie längst getroffen haben. Oder sie wollen einfach hören, dass sie im Recht sind. Ein Rat ist etwas, das man annehmen kann, aber nicht muss. In diesem Fall kann man aber keinen Rat geben, weil derjenige bereits gedanklich viel zu festgelegt ist. Zudem riskiert der Ratgeber, dass er am Ende dafür kritisiert wird, dass er eine unerwünschte Empfehlung ausgesprochen hat. So oder so endet die Sache für beide Seiten frustrierend und ineffizient.
Hm, und die zweite Frage?
Bist du bereit für die Wahrheit? Um einen Rat zu fragen, ist mehr als jemanden nur um dessen Meinung zu bitten. Ein Ratschlag kann hart sein, brutal ehrlich – und das muss er auch, wenn er wirklich wertvoll sein soll. Das setzt aber voraus, dass du auch offen dafür bist. Ansonsten wird dich der Rat nur ärgern, vielleicht sogar die Beziehung zu dem Ratgeber belasten, der dir aber vielleicht nur ehrlich den Spiegel vorgehalten hat. Wärst du also zum Beispiel auch bereit dafür, zu hören, dass du im Begriff bist eine riesen Dummheit zu begehen?
Ich glaube, das wäre ich. Wie lautet dann die dritte Frage?
Wirst du den Rat ernstnehmen, auch wenn er deinen Gefühlen widerspricht? Ich frage bewusst nicht: Wirst du den Rat annehmen, wenn er… Denn ob du den Rat annimmst oder nicht, bleibt ganz allein deine Sache! Wir alle haben schon so manchen Rat in den Wind geschlagen. Doch bevor du das tust, solltest du auch wissen warum. Manche Empfehlungen führen uns raus aus unsere Komfortzone. Wir fühlen uns dabei unwohl. Oder sie wollen einfach nicht in unsere Lebenssituation passen. Obacht! Wir alle sind Großmeister im Selbstbetrug. Nur weil ein Rat unbequem ist oder uns zunächst verwirrt, muss er nicht schlecht sein. Deswegen solltest du ihn nicht gleich verwerfen, sondern erst einmal genau prüfen. Ablehnen kannst du ihn für dich dann später immer noch. Wenn du alle diese Fragen mit Ja beantworten kannst, gebe ich dir gerne einen Rat. Wie lautet denn deine Frage?
Jemand hat mich gefragt, ob ich ihn in einer Sache beraten kann, und ich wollte von dir wissen, worauf ich dabei achten sollte…







Oliver Rumpf
4. Welche 3 möglichen Lösungen/Alternativen hast Du bisher für das Problem gefunden?