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In vielen Gaststätten ist es verboten. Ebenso in öffentliche Verkehrsmitteln. Auf Bahngleisen ist es nur in speziell dafür vorgesehen Vierecken erlaubt. Die Rede ist vom Rauchen. Die gesellschaftliche Mentalität zu diesem Thema hat sich verändert. Heute steht vor allem der Schutz der Nichtraucher im Vordergrund. Diesen baut die Politik bereits seit Jahren stetig aus. Die Zahl der Orte, an denen rauchen erlaubt ist, wird immer kleiner; Zigaretten immer teurer; Warnhinweise auf den Packungen sollen abschrecken und über Bilder auf Zigarettenschachteln wird diskutiert. Auch in der Arbeitswelt hat sich der Fokus verschoben. Hatten rauchende Arbeitnehmer früher größere Freiheiten, geht es heute darum, Nichtraucher zu schützen. Ein Streitpunkt jedoch bleibt: Die Raucherpause. Ist dies eine legitime Auszeit oder werden Nichtraucher benachteiligt, weil Raucher ihre Arbeitszeit verschwenden?

Zahlen und Fakten über das Rauchen in Deutschland

  • Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rauchen 30 Prozent der Erwachsenen, das entspricht ungefähr 20 Millionen Menschen.
  • Die Raucherquote macht bei Männern 33 und bei Frauen 27 Prozent aus.
  • Die Kosten, die durch tabakbedingte Krankheiten und Todesfälle entstehen, werden auf bis zu 21 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.
  • Personen, die pro Tag 20 und mehr Zigaretten rauchen, gelten gemäß einem Standard der Weltgesundheitsorganisation als "starke Raucherinnen und Raucher". Ungefähr ein Viertel der Rauchenden in Deutschland fällt laut einer Studie des Robert Koch Instituts in diese Kategorie.
  • 26 Prozent der Männer geben an, täglich zu rauchen, weitere sieben tun dies gelegentlich. Bei den Frauen liegen die entsprechenden Anteile bei 21 Prozent der täglichen Raucherinnen und sechs Prozent raucht gelegentlich.

Rechte der Raucher am Arbeitsplatz

stefanolunardi/shutterstock.comIm Job prallen die Fronten der Raucher und Nichtraucher meist aufeinander. Die einen würden den Glimmstängel gerne völlig verbannen, die anderen wollen nicht darauf verzichten. Spätestens bei der Frage nach der Arbeitszeit werden oft Stimmen laut, die Nichtraucher im Nachteil sehen. Schließlich addieren die regelmäßigen Raucherpausen sich schnell auf, wodurch einige Arbeitszeit mit Zigarette in der Hand vor der Tür verbracht wird. Aber was ist wirklich erlaubt?

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema Raucherpause im Job für Sie im Überblick:

Gibt es ein Recht auf Raucherpausen?

Einen Anspruch auf die Zigarette während der Arbeitszeit gibt es nicht. In den meisten Unternehmen wird das Rauchen – auch während der Arbeitszeit – zwar gestattet, doch ein Rechtsanspruch hierauf besteht nicht.

Was der Arbeitgeber allerdings gewährleisten muss, ist ein rauchfreier Arbeitsplatz. Laut § 5 der Arbeitsstättenverordnung muss der Arbeitgeber dafür sorgen, dass Nichtraucher vor den Gesundheitsgefahren durch Passivrauchen geschützt sind.

Hierzu heißt es in der entsprechenden Verordnung:

Der Arbeitgeber hat die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, damit die nicht rauchenden Beschäftigten in Arbeitsstätten wirksam vor den Gesundheitsgefahren durch Tabakrauch geschützt sind. Soweit erforderlich, hat der Arbeitgeber ein allgemeines oder auf einzelne Bereiche der Arbeitsstätte beschränktes Rauchverbot zu erlassen.

Zum Schutz der Nichtraucher darf der Arbeitgeber sogar ein teilweises oder vollständiges Rauchverbot verhängen. Das bedeutet, dass sich kein Arbeitnehmer Rauch im Großraumbüro, in Umkleiden oder in der Fabrikhalle gefallen lassen muss. Ein generelles Rauchverbot kollidiert allerdings mit der freien Persönlichkeitsentfaltung jedes Arbeitnehmers. Diese darf der Arbeitgeber nicht verletzten. So darf er das Rauchen in der Pause nicht verbieten und sollte das Rauchen irgendwo auf dem Gelände erlauben.

Wie sind Raucherpausen geregelt?

Gesetzlich hat jeder Arbeitnehmer nach sechs Stunden Arbeit ein Recht auf eine 30-minütige Pause. Alle Pausen, die ein Arbeitgeber darüber hinaus gestattet sind freiwillig. Deswegen müssen Regelungen für Raucherpausen mit dem Arbeitgeber abgesprochen werden. Dieser entscheidet darüber, wie lange eine Pause sein und wie häufig sie gemacht werden darf.

Rechtlich gesehen ist Rauchen Privatsache und damit Freizeit. Der Arbeitgeber kann also verlangen, die versäumte Arbeitszeit nachzuholen. Er kann auch von seinen rauchenden Arbeitnehmern verlangen, Buch über ihre Raucherpausen zu führen. Eine Pflicht dazu besteht allerdings erst, wenn dies offiziell angeordnet wurde. Die Regelungen kann der Arbeitgeber jederzeit ändern.

Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass Raucher während der Raucherpausen nicht versichert sind. Unfälle während der Raucherpause oder auf dem Weg dorthin gelten nicht als Arbeitsunfälle. Entsprechend greift auch nicht die Unfallversicherung.

Muss mein Arbeitgeber mir einen Raucherraum zur Verfügung stellen?

Nein, der Arbeitgeber ist nicht dazu verpflichtet spezielle Räumlichkeiten, in denen geraucht werden darf, zur Verfügung zu stellen. Er hat das Hausrecht und entscheidet, wo geraucht werden darf und welche Räume rauchfrei bleiben. Der Arbeitgeber darf von seinen rauchenden Arbeitnehmern durchaus verlangen, bei Wind und Wetter draußen zu rauchen. Selbst einen schützenden Unterstand muss er dafür nicht zur Verfügung stellen.

Was passiert, wenn man sich nicht an das Rauchverbot hält?

Wer für ein Unternehmen arbeitet, bei dem ein Rauchverbot ausgesprochen wurde, muss sich auch daran halten. Wer trotzdem während der Arbeitszeit wiederholt Raucherpausen macht, riskiert eine Abmahnung und als weiteren Schritt eine Kündigung.

Raucherpausen können zum Konfliktthema werden

Bei dem Thema Raucherpause geraten Raucher und Nichtraucher aneinander. Nichtrauchern fehlt oftmals das Verständnis für die Notwendigkeit solcher Pausen oder sie fühlen sich benachteiligt, wenn sie während der Raucherpausen die Aufgaben der Kollegen übernehmen müssen, beispielsweise Anrufe entgegennehmen. Auch Arbeitgeber sehen es nicht gerne, denn in ihren Augen sind Raucherpausen Zeitfresser und Produktivitätskiller.

Durchschnittlich dauert eine Raucherpause fünf bis sieben Minuten. Wer in einem großen Bürokomplex arbeitet und diesen erst einmal verlassen muss, kann auch schon einmal zehn Minuten brauchen.

Raucher hingegen sehen ihre Pausen als kreative Auszeit, als Möglichkeit, den Kopf frei zu bekommen.

Arbeitnehmer machen zu wenig Pausen

NotarYES/shutterstock.comAuch wenn der blaue Dunst nachweislich die Gesundheit schädigt, machen Raucher dennoch eine Sache richtig: Sie nehmen sich auch während der Arbeit Zeit für kleinere Pausen.

Laut einer Erhebung von verdi macht rund jeder Fünfte nur wenige und allenfalls sehr kurze Pausen am Tag. Jeder Zehnte versucht gar durchzuarbeiten. 38 Prozent davon, weil sie es auch selber wollen. Doch selbst, wenn die Arbeitnehmer es nicht selbst wollen, sehen sich viele dazu gezwungen, weil sie das Gefühl haben, ihr Arbeitspensum nicht zu schaffen.

Wer seine Pausen streicht und durcharbeitet, tut sich selbst und seinem Arbeitgeber keinen Gefallen. Am Ende Ihres Arbeitstages sind Sie nur ausgelaugt und auch am nächsten Tag nicht leistungsfähig. Denn mehr als 90 Minuten am Stück kann sich kein Mensch konzentrieren. Danach ist die Luft raus. Deswegen sind regelmäßige Pausen keine Zeitverschwendung, sondern sorgen dafür, die Leistungsfähigkeit über den Tag verteilt aufrecht zu erhalten. Die Frage ist nur, ob die Zigarette dabei wirklich notwendig ist.

Ein Tipp für eine erholsame Pause

Wer sich nur schnell einen Kaffee holt und während des Trinkens noch seine E-Mails checkt, wird keinen großen Erholungseffekt spüren.

Wenn Müdigkeit und Leistungstief kommen (und das spürt jeder selbst am besten), heißt es: Aufstehen, kurz Beine ausschütteln, Arme in die Luft strecken und sich recken und dehnen – das reicht oft schon.

Solche Übungen helfen, die Muskeln zu revitalisieren und die Durchblutung anzuregen – auch die im Oberstübchen. Ein paar Mal vom Bürosessel aufstehen und sich wieder hinsetzen mag albern aussehen, funktioniert aber ebenso.

Wie sehen Sie die Raucherpause? Ist sie ein Produktivitätskiller oder doch die kreative Auszeit?

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