Na? Wie viele E-Mails bekommen Sie so am Tag im Büro? Zehn, 20, 100? Falls Sie heute noch nicht herzhaft gelacht haben – ich hätte da was für Sie…

Der Bitkom-Verband hat dazu heute Zahlen veröffentlicht (PDF), samt einer Pressemitteilung, die an Irrsinn kaum noch zu überbieten ist. Und das also – Trommelwirbel, Tusch – kam heraus: Berufstätige erhalten im Schnitt elf berufliche E-Mails pro Tag. E-L-F. Nur!

Ich dachte immer, es herrschen überquellende Postfächer und Permaunterbrechung am Büro-PC. Gut, elf E-Mails am Tag ist ein Durchschnittswert. So wie ein Millionär und sein Chauffeur verdienen im Durchschnitt jeweils 550.000 Euro. Aber mit Verlaub: Elf Mails, noch dazu über den Tag verteilt sind nichts. Gar nichts. Während ich diese Zeilen schreibe, habe ich schon 14 Mails beantwortet und elf gelöscht. Wobei ich mich gar nicht mal zum Maßstab nehmen will. Aber selbst wenn man sich via Mail mit nur zwei Kollegen zum Mittagessen verabredet, sind das in der Regel schon sechs Pingpong-Mails: “Wann gehts los?” “Ach, schon um 12? Mir wäre 12.30 lieber!” “Da kann ich nicht.” “Wo treffen wir uns eigentlich?” “Ich hol dich ab!” …

Doch es wird noch besser: Laut Bitkom ruft die Mehrheit der Befragten (94 Prozent) sogar täglich ihr elektronisches Postfach ab, 38 Prozent sind permanent auf Empfang. Und für sechs von zehn Beschäftigten seien E-Mails aus dem Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken.

Entschuldigung, für elf Mails sind die Leute permanent auf Empfang und können darauf nicht mehr verzichten? Was passiert erst, wenn sie zwölf SMS erhalten?

Doch weiter im Text: Männer werden insgesamt etwas häufiger angeschrieben: rund zwölf Mal am Tag (Das ist natürlich blanker Terror!), Frauen dagegen nur zehn Mal (Uff, glück gehabt!).

Zudem steige die Zahl der Mails mit dem Alter: Die Unter-29-Jährigen bekommen demnach im Schnitt nur acht berufliche Nachrichten am Tag, bei den 30- bis 49-Jährigen sind es schon wieder zwölf E-Briefe. Und wer über 50 ist, erhält im Schnitt ganze 13 E-Mails.

Das muss man sich mal vorstellen: 13 E-Mails! Wie soll man das in dem Alter bloß noch schaffen?

Weiter heißt es im Pressetext:

Umgekehrt rufen jüngere Berufstätige häufiger ihre Mails ab als ältere. 43 Prozent der unter 30-Jährigen lesen sie permanent. Etwa ein Drittel mehrfach täglich.

Habe ich das richtig verstanden? Die lesen ihre gerade mal zehn Mails “permanent” und “mehrfach” am Tag? Haben die Leute denn sonst nix zu tun???

Und als Klopper zum Schluss:

Über 50-Jährige sind beim E-Mail-Management entspannter. Die Hälfte von ihnen begnügt sich damit, die Nachrichten mehrmals täglich abzurufen.

Genau! Wenn man schon nur 13 E-Mails am Tag bekommt, kann man sie wenigstens mehrfach am Tag abrufen. Und danach vielleicht noch das Internetz ausdrucken?

PS: Der Bitkom ist übrigens der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien. Und die Umfrage wurde in dessen Auftrag vom Meinungsforschungsinstitut Forsa deutschlandweit unter 747 Berufstätigen ab 14 Jahren durchgeführt. Das Ergebnis sei laut Bitkom repräsentativ.

PPS: Nur damit Sie mich richtig verstehen: Ich finde es völlig okay, wenn einer nur zehn E-Mails am Tag bekommt. Aber die Kommentierung des Bitkom dazu scheint mir doch ein wenig, nun ja, unverhältnismäßig…