Rede Regeln: 7 Grundregeln für Keynotes
Man kann über alles reden - nur nicht über 20 Minuten. Das amüsante Bonmot ist zwar ein wenig zugespitzt, bringt aber auf den Punkt, was viele Langzeit-Oratoren und Powerpoint-Präsentäter ignorieren: Eine gute Rede (neuerdings auch Keynote genannt) ist ein Exzerpt, kein Gelaber. Statt einem Spannungsbogen zu folgen, bleiben die Vorträge langweilig, inspirieren kaum und erinnern allenfalls an Frontalunterricht. Dabei gibt es ein paar simple Grundregeln für jede Keynote - die sieben goldenen Gesetze für eine richtig gute Rede...

Eine gute Rede gleicht einem Pingpong-Spiel

Keynote-Cartoon-Comic-Rede

Die folgende These wirkt vielleicht auf den ersten Blick ein wenig widersprüchlich: Aber selbst eine Keynote ist keine kommunikative Einbahnstraße, Motto: einer redet, viele hören zu.

Ein guter Keynote-Speaker wird immer auch versuchen, sein Publikum mit einzubeziehen, Stimmungen und Schwingungen mit aufzunehmen, darauf einzugehen, vielleicht sogar ein wenig zu plaudern und die Menschen im doppelten Wortsinn zu unterhalten.

Eine ebenso inspirierende wie überzeugende Rede gleicht daher eher einem Pingpong-Spiel - und sie erfüllt die drei ehernen Keynote-Gesetze:

  • Fasse dich kurz!
  • Langweile nie dein Publikum!
  • Was nicht in einfachen Worten gesagt werden kann, ist nicht genug durchdacht!

Natürlich gibt es noch weitere wichtige Rede-Regeln, die jeder Vortragende kennen und auch beherzigen sollte. Mindestens sieben sind es...

Über Reden: Wer viel sagt, wird schlauer

Über Reden: Wer viel sagt, wird schlauer"Solange man selbst redet, erfährt man nichts", befand einst Marie von Ebner-Eschenbach und hatte damit sicher Recht. Manchmal ist Reden nur Silber und Zuhörenkönnen Gold. Was sie aber vielleicht nicht wusste:

Wer viel redet – vor allem mit anderen –, der aktiviert seine grauen Zellen und wird schlauer.

Zu diesem Ergebnis kommen Studien des US-Psychologen Oscar Ybarra von der Universität Michigan:

  • In der ersten Untersuchung werteten Ybarra und seine Kollegen die Lebensgewohnheiten und die Anzahl der sozialen Kontakte von 3610 Amerikanern aus. Anschließend machten sie mit ihren Probanden einen kleinen Intelligenztest. Ergebnis: Wer sich häufiger mit anderen Menschen traf und unterhielt, zeigte deutlich bessere kognitive Leistungen – und das unabhängig vom Alter.
  • Der zweite Versuch war etwas kleiner (76 College-Studenten), dafür aber dramatischer. Die Wissenschaftler bildeten drei Gruppen: Die erste diskutierte zehn Minuten lang angeregt über ein Thema, die zweite löste in derselben Zeit ein Kreuzworträtsel und andere Übungen, die dritte schließlich glotzte eine Fernsehsendung. Anschließend mussten alle drei Gruppen einen Intelligenztest absolvieren. Resultat: Das TV-Programm machte die Probanden blöde, diskutieren dagegen schlau. Immerhin: Die Rätsellöser standen den Diskutanten in Sachen Intelligenz kaum nach.

Rede Regeln: Die 7 Keynote-Grundregeln

  1. Beginnen Sie mit einem Knall.

    Zum Beispiel einer Anekdote, einer Pause. Die meisten Zuhörer merken sich nur Auftakt und Schlusspointe eines Vortrags. Deshalb sollten beide sitzen. Wem partout nichts einfällt, sagt den Zuhörern wenigstens, warum das Kommende ihr Leben beeinflussen wird.

  2. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche.

    Eine gelungene Präsentation orientiert sich am Zuhörer, ist deshalb kurz, folgt einem logischen Aufbau und regt zum Mitdenken an. Als Faustformel kann man sich merken: Nicht mehr als zehn Folien pro 20 Minuten, die Schriftgröße nicht kleiner als 30 Punkt, und überfrachten Sie die Folien nicht. Daher auch nicht mehr als vier Worte pro Zeile, nicht mehr als sechs Zeilen pro Seite.

  3. Hauptsachen in Hauptsätze.

    Formulieren Sie möglichst keine Relativ- und schon gar keine Schachtelsätze. Überzeugend wirken allein Hauptsätze mit nicht mehr als zehn Wörtern. Wie dieser. Wiederholungen sind erlaubt, sie erhöhen sogar den Merkeffekt beim Zuhörer.

  4. Betonen Sie Verben.

    Die meisten Redner legen das Gewicht auf Substantive. Falsch! Verben, insbesondere aktive, regen das Gehirn wesentlich stärker an und machen den Vortrag spannend. Mit Fachvokabeln und Fremdwörtern erreicht man das Gegenteil. Dasselbe gilt für überflüssige Animationen oder überfrachtete Grafiken.

  5. Erst sagen, dann schreiben.

    Niemals sollten Sie Folien oder Flipchartblätter nur ablesen. Erstens beleidigt das die Intelligenz der Zuhörer (die können selber lesen); zweitens hört sowieso keiner zu, sondern liest erst einmal. Besser: Die Punkte zuerst verbal erarbeiten, dann notieren oder einblenden.

  6. Halten Sie Blickkontakt.

    Laut psychologischen Studien gilt: Wer überzeugen will, muss mindestens 90 Prozent seiner Redezeit Kontakt zum Publikum halten. Der Trick für Schüchterne: knapp über die Menge hinwegsehen. Den Unterschied merkt kein Mensch – Sie müssen nur regelmäßig mit den Augen über alle Kopfe fliegen.

  7. Der Schluss bleibt haften.

    Deshalb braucht das Ende immer etwas Inspirierendes, einen Ausblick, etwas Spektakuläres. Aber bitte keine Zusammenfassung! Selbst eine provokante Frage ist besser als seine Rede ausplätschern zu lassen. Und danken Sie am Schluss auch nie für die Aufmerksamkeit - Ihre Rede war brillant, da ist es selbstverständlich, dass die Aufmerksamkeit ungeteilt war. Durch den Pseudo-Dank machen Sie sich nur klein - als ob Sie und das Gelaber die Aufmerksamkeit bitte nötig hatten.

Die 5 Prinzipien der Kommunikation

Die 5 Prinzipien der KommunikationApropos: Es gibt ebenso ein paar Grundregeln, die der österreichische Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick schon vor einiger Zeit entwickelte und die jeder im Hinterkopf haben sollte, der mit anderen Menschen kommuniziert - ob von der Bühne aus oder von Schreibtisch zu Schreibtisch:

  1. Man kann nicht nicht kommunizieren. Selbst wer schweigt, redet: Entweder mit dem Körper oder durch den Abbruch der Kommunikation, was ebenfalls eine Aussage ist. Damit ist allerdings auch klar: Es ist weniger entscheidend, was A sagt, sondern vielmehr was bei B ankommt.
  2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt. Der Beziehungsaspekt bestimmt den Inhaltsaspekt. Man kann noch so viel sagen, mit allem wird deutlich, welche Beziehung wir zum anderen haben. Und so wird auch der Inhalt des Gesprochenen interpretiert.
  3. Wenn zwei Personen zusammen sprechen oder handeln, bedingt immer das Verhalten der einen Person das Verhalten der anderen. Dabei erleben beide oft das Verhalten der anderen jeweils als Ursache des eigenen Verhaltens. Ein Klassiker bei Beziehungsproblemen. So entsteht leicht eine Abwärtsspirale, aus der beide nicht mehr herausfinden: Sie nörgelt, er zieht sich zurück, darüber nörgelt sie, er zieht sich weiter zurück. Er glaubt, dass er sich zurückzieht, weil sie nörgelt. Sie glaubt, dass sie nörgelt, weil er sich zurückzieht. Ein einziger Kommunikations-GAU aus dem man nur durch Wechseln in die Metaebene entkommt.
  4. Kommunikation findet durch Sprache und Körpersprache statt. Sprache geht den Umweg über Symbole, Körpersprache drückt direkt aus, worum es geht. Sprache kann komplizierte Verbindungen herstellen und Überbegriffe finden, ist aber weiter von der menschlichen Gefühlswelt entfernt als Körpersprache. Deswegen ist der Körper immer auch ein Verräter. Merke: Die Zunge kann lügen - der Körper nicht.
  5. Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär - je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Ungleichheit beruht. Das Spannende an dieser Regel ist, dass man sie auch bewusst einsetzen kann, um Sympathien zu wecken oder den anderen für sich zu öffnen: Spiegeln Sie sein Verhalten, seine Körpersprache. Legt er sein rechtes Bein über das linke, machen Sie das kurz darauf ebenfalls. Bauen Sie dieselben Schlüsselwörter in Ihre Sätze ein (natürlich ohne den anderen nachzuäffen!). Das schafft ein unsichtbares Band. Mit der Zeit können Sie versuchen, ob das Band stark genug ist, dass auch er Ihnen folgt. Dass das Ganze funktioniert, lässt sich übrigens hervorragend an Frischverliebten beobachten: Auch die synchronisieren regelmäßig ihr Kommunikationsrepertoire.

Vorsicht mit der Mimik der Zuhörer

Bei Ihrer Keynote sollten Sie die nonverbale Kommunikation - sprichwörtlich - nie aus dem Auge verlieren. Sie ist oft wesentlich wirkungsvoller als die übliche Rhetorik: ein Kopfnicken, ein Lächeln, Stirnrunzeln, das Hochziehen einer Augenbraue – allein mit diesen Mimik-Varianten lassen sich Zuhörer bemerkenswert beeinflussen und mitreißen.

Die Rede wirkt sofort lebendiger.

Allerdings steckt in diesem nonverbalen Dialog auch eine Gefahr. Achten Sie zu sehr auf die Reaktionen im Publikum, kann das Ihrer eigenen Keynote empfindlich schaden.

Camiel Beukeboom von der Universität Amsterdam hat einmal untersucht, wie genau sich die Mimik von Zuhörern auf die Sprache und die Inhalte eines Erzählers auswirken.

Dazu bat er 57 Probanden sich zunächst einen 8-Minuten-Film über einen Kioskbesitzer anzusehen und den Streifen hinterher so ausführlich wie möglich zwei anderen Teilnehmern nachzuerzählen. Die beiden waren jedoch eingeweihte Assistenten, deren Aufgabe allein darin bestand, körpersprachlich positive Rückmeldungen zu geben (Lächeln, Kopfnicken, offener Blick), beziehungsweise negative (grimmiger Blick, Arme verschränken, Lippen zusammenpressen).

Das Ergebnis war eindeutig:

  • Während die Probanden mit einem positiven Zuhörer mehr Abstraktionen und Interpretationen verwendeten sowie Filmaspekte beschrieben, die man eigentlich gar nicht sehen konnte (was der Darsteller denkt, wie er sich gefühlt hat),
  • reduzierten die Teilnehmer mit einem reservierten Zuhörer ihre Beschreibungen auf sichtbare Details und objektive Fakten.

Das mag vielleicht nicht allzu sehr überraschen. Es zeigt aber, wie selbst winzige nonverbale Signale auf Erzählinhalte wirken – und das ist nicht nur für Keynotes interessant, sondern zum Beispiel auch in Meetings, beim Brainstorming oder wenn Sie das nächste Mal einen Kollegen um ein paar Informationen bitten.

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