Als Journalist sind mir durchaus ein paar Techniken bekannt, um mein Gegenüber aus der Reserve zu locken. Insbesondere die nonverbalen sind bei Interviews oft wesentlich wirkungsvoller als sublime Rhetorik: ein sanftes Kopfnicken, ein Lächeln, Stirnrunzeln, das Hochziehen einer Augenbraue – schon allein mit diesen Mimik-Varianten lassen sich Gesprächspartner bemerkenswert beeinflussen (die besten Tricks verrate ich natürlich nicht).

Camiel Beukeboom von der Universität Amsterdam wollt es genauer wissen und hat untersucht, wie genau sich die Mimik von Zuhörern auf die Sprache und die Inhalte eines Erzählers auswirken. Dazu bat er 57 Probanden sich zunächst einen 8-Minuten-Film über einen Kioskbesitzer anzusehen und den Streifen hinterher so ausführlich wie möglich zwei anderen Teilnehmern nachzuerzählen. Die beiden waren jedoch eingeweihte Assistenten, deren Aufgabe darin bestand, körpersprachlich positive Rückmeldungen zu geben (Lächeln, Kopfnicken, offener Blick), beziehungsweise negative (grimmiger Blick, Arme verschränken, Lippen zusammenpressen).

Das Ergebnis war eindeutig: Während die Probanden mit einem positiven Zuhörer mehr Abstraktionen und Interpretationen verwendeten sowie Filmaspekte beschrieben, die man eigentlich gar nicht sehen konnte (was der Darsteller denkt, wie er sich gefühlt hat), reduzierten die Teilnehmer mit einem reservierten Zuhörer ihre Beschreibungen auf sichtbare Details und objektive Fakten.

Das mag soweit nichts bahnbrechend Neues sein. Es zeigt aber, wie stark selbst winzige nonverbale Signale auf Erzählinhalte wirken – und das ist ja nicht nur für Interviews interessant, sondern zum Beispiel auch in Meetings, beim Brainstormen oder wenn Sie das nächste Mal einen Kollegen um ein paar Informationen bitten.