Der Weg von der Universität bis in den endgültigen Beruf ist in manchen Branchen und für einige Studiengänge länger als für andere. Während einige nach drei Jahren schon Bewerbungen an Unternehmen schreiben und die ersten Schritte auf der Karriereleiter machen, steht für andere erst einmal das Referendariat an. Dieses stellt die nächste Stufe der Ausbildung dar und ist insbesondere für angehende Lehrer und Juristen ein wichtiger Schritt. Das theoretische Wissen wird endlich aus dem Hörsaal herausgebracht und in der Praxis angewendet. Viele Studenten freuen sich auf diese Station zwischen ersten und zweitem Staatsexamen. Wir zeigen, was unter einem Referendariat zu verstehen ist, wie die Bewerbungen ablaufen und wie hoch das Gehalt für Referendare ist...

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Was ist ein Referendariat?

Referendariat Definition Erklärung Begriff Lehramt Jura GehaltDas Referendariat kann als eine Vorbereitung auf den Beruf und spezifischer auf eine Beamtenlaufbahn im höheren Dienst angesehen werden. Das Referendariat wird deshalb auch als Vorbereitungsdienst bezeichnet. Die Unterscheidung des höheren Dienstes ist dabei wichtig, da im Vorbereitungsdienst im einfachen, mittleren und auch gehobenen Dienst von Anwärtern und nicht von Referendaren gesprochen wird.

Um überhaupt ein Referendariat machen zu können, muss zuvor ein mindestens dreijähriges Studium mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen werden. Die beiden mit Abstand größten Gruppen der Referendare stammen aus dem Lehramts- und Jurastudium. Darüberhinaus gibt es beispielsweise auch Referendariate für Bibliothekare, Veterinäre im Staatsdienst oder für den höheren auswärtigen Dienst.

In der Regel dauert das Referendariat zwei Jahre und ist darauf ausgelegt, nach dem theoretischen Wissen, das im Studium vermittelt wurde, den praktischen Teil abzudecken, der für die Arbeit notwendig ist. Referendare sammeln also nicht einfach nur Erfahrung, sondern können eher mit einem Auszubildenden vergleichen werden, der in die Praxis einsteigt, um sein Handwerk wirklich zu erlernen und nicht nur in der Theorie zu beherrschen.

Während das erste Staatsexamen die Voraussetzung ist, um ein Referendariat machen zu können, steht am Ende der zwei Jahre das zweite Staatsexamen (auch großes Staatsexamen genannt). Wird dieses Bestanden, kann je nach Beruf eine Verbeamtung folgen oder der Status eines Beamten auf Probe folgen. Allerdings ist ein erfolgreiches zweites Staatsexamen auch für einige Berufe außerhalb der Beamtenlaufbahn erforderlich. Dazu zählen beispielsweise Rechtsanwälte aber auch Lehrer, die nicht mehr wie früher immer einen Beamtenstatus erhalten.

Zusätzlich darf nach dem zweiten Staatsexamen die Berufsbezeichnung des Assessor getragen und genutzt werden.

Die Bewerbung für ein Referendariat

Referendariat Bewerbung Auswahl VergabeDie Bewerbung für ein Referendariat läuft über das jeweilige Bundesland. So gibt es beispielsweise für ein Lehramtsreferendariat in Nordrhein-Westfalen insgesamt fünf Bezirksregierungen, an die die Bewerbungen und Anträge für ein Referendariat gestellt werden können. Juristen bewerben sich für ein Referendariat in NRW bei den Oberlandesgerichtsbezirken und werden von dort zugeteilt.

In der Regel können Wunschstandorte angegeben werden, an denen das Referendariat bevorzugt angetreten werden möchte. Bei der Vergabe und Verteilung spielen jedoch mehrere Faktoren eine Rolle. Berücksichtigt wird beispielsweise die familiäre Situation, ob der angehende Referendar beispielsweise bereits verheiratet ist oder Kinder hat. Zusätzlich spielt auch das Alter eine Rolle. Auch Härtefallregelungen können die Vergabe beeinflussen.

So kann es passieren, dass nicht jeder sein Referendariat im Wunschort machen kann oder zum Teil mit Wartezeit gerechnet werden muss. Dies hängt auch davon ab, wie oft im Jahr neue Referendare eingestellt werden. So stellt NRW beispielsweise 12 mal jährlich neue Rechtsreferendare ein, was jedoch die große Ausnahme ist. Viele andere Bundesländer tun dies nur zweimal im Jahr.

Die Regelungen zwischen den Bundesländern unterscheiden sich aber zum Teil stark von einander, deshalb sollten Sie sich im Vorfeld unbedingt genau informieren, was für Ihre Situation gilt.

Wartezeit auf das Referendariat nicht nur aussitzen

Die Wartezeit zwischen der Bewerbung für ein Referendariat und dem tatsächlichen Beginn kann zwischen einigen Monaten und im schlimmsten Fall bis zu über einem Jahr dauern. Eine lange Zeit - zu lange, um einfach nur zu warten und nichts zu tun, bis es endlich losgeht oder Sie überhaupt Bescheid erhalten, wann und wo die erste Station Ihres Referendariats stattfindet.

Besser ist es, einen sinnvollen Nutzen für die Zeit zu finden und diese aktiv zu gestalten. Das bringt Sie nicht nur weiter, sondern wirkt sich auch bei der späteren Jobsuche positiv aus. Potenzielle Arbeitgeber sehen ein solches zusätzliches Engagement immer gern, spricht es doch nicht nur für Ihre Qualifikation, sondern gerade auch für Ihre Motivation.

Denkbar sind in der Wartezeit beispielsweise ein längeres Praktikum oder auch Fortbildungen in dem Bereich, in dem Sie später arbeiten wollen.

Wie genau Sie die Wartezeit gestalten und für sich nutzen, hängt von Ihrer persönlichen Situation und auch der Zeit ab, die Ihnen wirklich zur Verfügung steht. Es ist aber in jedem Fall eine Chance, die Sie nutzen können.

Wie hoch ist das Gehalt im Referendariat?

Während des Referendariats wird monatlich eine sogenannte Unterhaltsbeihilfe gezahlt. Diese ist - anders als Gehalt - nicht als Gegenleistung für die Arbeit, sondern eher als eine Sozialleistung zu werten. Der Zweck ist es, dass Referendare sich auf die praktische Ausbildung und die Vorbereitung konzentrieren können und sich nicht noch um einen Job kümmern müssen, um genügend Geld zu verdienen - leider klappt das aber nicht immer. Denn wer nun glaubt, nach mehrjährigem Studium und dem ersten Staatsexamen würde es bereits eine Beihilfe im Referendariat geben, hat sich geirrt.

Die Höhe der Unterhaltsbeihilfe variiert je nach Bundesland, liegt jedoch für Rechtsreferendare im Durchschnitt bei circa 1.100 Euro brutto im Monat. Erhöhen kann sich der Betrag durch Familienzuschläge, etwa wenn ein Referendar Kinder hat. Am besten werden Referendare in Brandenburg und Bayern entlohnt, deutlich weniger gibt es in Hamburg, wo es noch nicht einmal 1000 Euro brutto monatlich gibt.

Ein solch geringes Gehalt kann einen Nebenjob notwendig machen, doch auch hier ist Vorsicht geboten. Diese müssen in der Regel angegeben und auch genehmigt werden. Stehen diese im Konflikt zum Referendariat, kann der Nebenjob verboten werden.

Auch die Höhe spielt eine große Rolle, da das zusätzliche Gehalt ab einem bestimmten Verdienst auf die Unterhaltsbeihilfe angerechnet wird, wodurch diese gekürzt wird. Erneut gibt es hier Unterschiede in den Bundesländern. In Nordrhein-Westfalen darf das anderthalbfache der Unterhaltsbeihilfe hinzuverdient werden, ohne dass diese gekürzt wird.

Das Referendariat auch zur Vorbereitung nutzen

Referendariat Staatsexamen Jura Lehramt Vorbereitung lernenIm Referendariat können Sie eine ganze Menge lernen, erhalten wichtige Einblicke und werden gezielt ausgebildet und auf die Praxis vorbereitet. Sie sollten dabei allerdings nicht vergessen, dass am Ende des Referendariats das zweite Staatsexamen auf Sie wartet - das eine lange und intensive Vorbereitung erfordert.

Neben dem Referendariat sollten Sie sich deshalb unbedingt darum kümmern. Dazu gehören Lerngruppen, Repetitorien und meist eine ganze Reihe an Probeklausuren, damit Sie wissen, was möglicherweise auf Sie zukommt.

Auch wenn sich zwei Jahre am Anfang sehr lang anfühlen, sollten Sie sich nicht dazu verleiten lassen, die Vorbereitung zu lange vor sich herzuschieben. Vom zweiten Staatsexamen hängt eine ganze Menge ab - möglicherweise auch, in welchen Bereichen Sie später tätig sein können. Es lohnt sich also, frühzeitig zu investieren.

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