KILTDie Geizigen, das sind die schlimmsten. Es gibt viele menschliche Fehler, die man verzeihen kann: Wenn dir einer zum Beispiel erzählt, er sei Superstar und dann heißt er mit Vornamen Dieter. Tolerieren kann man vielleicht auch noch, wenn dir der Nachbar die Zeitung klaut oder seinen Hund in deinem Vorgarten Geschäfte machen lässt; wenn einer schwarz mit der Bahn fährt, Batterien in den Hausmüll wirft. Oder dir erzählt einer einen Witz, der mit „Palimpalim“ beginnt, und der heißt mit Vornamen Dieter. Kann alles passieren. Kommt vor. Deswegen muss man nicht mit dem Finger zeigen. Aber Geiz? Geiz geht gar nicht. Von Geilheit ist der Geizige so weit entfernt wie Herbert Grönemeier von einem verständlichen Songtext.

Ich kann Geiz nicht ausstehen. Da gibt es zum Beispiel Typen, mit denen geht man Mittagessen und man bestellt in etwa das Gleiche wie sie. Später kommt der Kellner mit der Rechnung über 27,50 Euro, und jeder normale Mensch würde jetzt den Betrag zum nächst höheren geraden Betrag inklusive Trinkgeld aufrunden, also 27,60 Euro, und durch Zwei teilen. Nicht diese Knicker. Lieber ermitteln sie mithilfe der Primfaktorzerlegung und euklidschem Algorithmus den GGT, während sie eine neue Rechnung ordern – natürlich auch inklusive Trinkgeld –, weil man das viele Geld freilich steuerlich absetzen kann. Das ist der Moment, in dem mir das Gegessene noch mal durch den Kopf will.

Noch schlimmer sind eigentlich nur noch diejenigen, die dich beim Lunch daran erinnern, dass du heute aber nicht das Steak bestellen kannst, weil sie beim letzten Mal, als du die Zeche gezahlt hast, auch nur Spaghetti al arabiata genommen haben. Spätestens an dieser Stelle mutiere ich zum Ex-Freund al rabiata.

Kein Wunder, dass es mit Deutschland immer weiter bergab geht. Raffkes, Knauser und Teebeuteldoppelaufbrüher gibt es überall. Im Job offenbart sich die Krämerseele jedoch nicht immer so direkt. Da gibt es zum Beispiel diejenigen, die meinen, die Abwesenheit von Kritik sei Lob genug. Die sind häufig der Chef. Andere knausern mit entscheidenden Informationen. Das sind Kollegen mit Ambitionen. Oder aber sie sparen mit Fakten. Das sind die Meinungsstarken. Es gibt sogar Autoren, die sparen mit Worten. Von dem Bestsellerautor und Journalistenlehrer Ferdinand Simoneit stammt das Bonmot: “Jeder gestrichene Satz ist für den Leser eine Erleichterung.” Es soll Leser geben, die dabei an meine Artikel denken. Zu meiner Erleichterung sehe ich aber großzügig darüber hinweg.

Überhaupt bin ich ja eher einer von den Guten. Das Kleinkarierte liegt mir so fern wie die nächste Gehaltserhöhung. Klaut mir einer die Idee, sehe ich in dem Plagiat die höchste Form der Anerkennung. Stiehlt mir einer die Zeit, denke ich, dass mir währenddessen wahrscheinlich auch nichts Besseres eingefallen wäre. Raubt mir eine Frau den Verstand, werfe ich ihr mein Herz gleich hinterher. Edel sei der Mensch – vor allem aber generös.

Weitere Worte dazu spare ich mir.