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6 von Jochen Mai am 9. Juli 2009 → Artikel in Büro
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Revierverhalten – Warum wir unseren Arbeitsplatz markieren

cubicalJeder Arbeitnehmer kolonialisiert früher oder später sein Büro. Erst wird der Computer-Desktop persönlich modifiziert, dann kommen ein paar Bilder auf den Schreibtisch, schließlich folgen Designobjekte oder Auszeichnungen, die im Raum verteilt werden. Diese symbolischen Barrieren und klar abgegrenzten Einflussbereiche sind jedoch mehr als bloße Dekoration. Sie dienen dazu, ein Territorium zu markieren, es zu individualisieren und für sich effizienter zu gestalten. Sie sagen: Wer hier eindringt, betritt in einen semi-privaten Schutzraum.

Dieses Revierverhalten kann man als infantil und typische Macho-Attitüde abtun. Aber das wäre kurzsichtig. Über unser Arbeitsumfeld Kontrolle zu haben, gibt uns das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Manchmal vielleicht sogar das Gefühl von Macht. Nahezu 90 Prozent der amerikanischen Arbeitnehmer personalisieren ihre Büros oder Cubicals, so eine Untersuchung der Eastern Kentucky Universität. Für Deutschland liegen zwar keine vergleichbaren Studien vor, aber das Ergebnis dürfte ähnlich ausfallen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: In den einfachen Fällen dient das Dekor wohl vor allem dem zusätzlichen Komfort. Umgeben von vertrauten Dingen fühlen sich Arbeitnehmer automatisch wohler und sind dadurch meist produktiver. Studien, wie etwa die von Eric Sundström, kommen aber auch zu dem Ergebnis, dass Mitarbeiter, die über einen individuell gestalteten, eigenen Arbeitsplatz verfügen, im Beruf mehr Verantwortung übernehmen. Womöglich ist es damit ebenso ein wesentlicher Motivationsfaktor.

Wie aber sieht das aus, wenn wir unsere Büroecken und Schreibtischbereiche in Beschlag nehmen und gegenüber Kollegen abgrenzen? Laut Studien des Organisationspsychologen Graham Brown gibt es vor allem drei Arten, sein berufliches Territorium (vorbeugend) zu markieren:

  1. Kontrollmarken Mittels persönlichen Gegenständen wird ein Gebiet als schon besetzt gekennzeichnet. Dazu gehören Namensschilder an der Tür oder auf dem Schreibtisch, Aktenstapel und persönliche Posteingänge, Kleidungsstücke über dem Stuhl (auch in Meetingräumen) sowie Kaffeetassen mit persönlichen Motti.
  2. Identitätsmarken Hierbei wird die Arbeitsumgebung umdekoriert, um ihr eine persönliche Note zu verleihen. Familienfotos auf dem Schreibtisch, Bilder an der Wand, Bücher im Regal, Kunst im Raum – all das soll die Individualität betonen. In jedem Fall drückt es etwas über den Charakter des Bürobewohners aus.
  3. Verteidigungsmarken Um zu verhindern, dass andere den persönlichen Arbeitsraum in Beschlag nehmen, werden Vorsichtsmaßnahmen ergriffen: Schränke abgeschlossen, der PC per Passwort abgeschirmt, die Bürotür verriegelt. Selbst übermäßiges Chaos auf dem Schreibtisch kann im Endeffekt dazu dienen, dass andere das Territorium nutzen können.



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1. Kommentar

limone
19.07.09 um 18:11 Uhr

naja, der passwortschutz am pc ist einfach nur vernünftig – und vom arbeitgeber oft sogar vorgeschrieben. daran würde ich jetzt nicht unbedingt revierverhalten festmachen…

2. Kommentar

Jochen Mai
19.07.09 um 18:56 Uhr

Wenn etwas vorgeschrieben ist, ist es ja auch keine Entscheidung des Einzelnen mehr. Daraus lässt sich genauso wenig lesen, wie aus einer Büroeinrichtung, die vom Arbeitgeber konzipiert und festgelegt wurde. Daraus kann man allerdings ebenso wenig ableiten, dass die Regel nicht stimmt.

3. Kommentar

limone
19.07.09 um 19:43 Uhr

was allerdings noch nicht das vernunft-argument entkräftet. da jeder verantwortlich ist für das, was unter seinem benutzerkonto gemacht wird, wäre es (bzw. ist es) auch ohne anordnung sehr unvernünftig, seinen pc ohne so eine sperre unbeaufsichtigt zu lassen. (da spricht der it’ler. ;-) )

bilder oder urkunden an den wänden oder persönliche gegenstände auf dem tisch finde ich da tatsächlich sehr viel aussagekräftiger.

4. Kommentar

Jochen Mai
19.07.09 um 22:06 Uhr

Naja, wenn du so argumentierst, könnte ich auch anführen, dass in einem solchen Unternehmen bereits eine erhebliche Misstrauenskultur existiert. Davon abgesehen: Wie viele Menschen arbeiten mit derart hochsensiblen Informationen am PC, dass sie der Kollege am Tisch gegenüber oder im Zimmer nebenan nicht sehen dürfte? Falls wir aber doch nur über private Informationen reden, die auf einem Dienst-PC gespeichert werden, dann reden wir de facto wieder über Revierverhalten…

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