cubicalJeder Arbeitnehmer kolonialisiert früher oder später sein Büro. Erst wird der Computer-Desktop persönlich modifiziert, dann kommen ein paar Bilder auf den Schreibtisch, schließlich folgen Designobjekte oder Auszeichnungen, die im Raum verteilt werden. Diese symbolischen Barrieren und klar abgegrenzten Einflussbereiche sind jedoch mehr als bloße Dekoration. Sie dienen dazu, ein Territorium zu markieren, es zu individualisieren und für sich effizienter zu gestalten. Sie sagen: Wer hier eindringt, betritt in einen semi-privaten Schutzraum.

Dieses Revierverhalten kann man als infantil und typische Macho-Attitüde abtun. Aber das wäre kurzsichtig. Über unser Arbeitsumfeld Kontrolle zu haben, gibt uns das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Manchmal vielleicht sogar das Gefühl von Macht. Nahezu 90 Prozent der amerikanischen Arbeitnehmer personalisieren ihre Büros oder Cubicals, so eine Untersuchung der Eastern Kentucky Universität. Für Deutschland liegen zwar keine vergleichbaren Studien vor, aber das Ergebnis dürfte ähnlich ausfallen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: In den einfachen Fällen dient das Dekor wohl vor allem dem zusätzlichen Komfort. Umgeben von vertrauten Dingen fühlen sich Arbeitnehmer automatisch wohler und sind dadurch meist produktiver. Studien, wie etwa die von Eric Sundström, kommen aber auch zu dem Ergebnis, dass Mitarbeiter, die über einen individuell gestalteten, eigenen Arbeitsplatz verfügen, im Beruf mehr Verantwortung übernehmen. Womöglich ist es damit ebenso ein wesentlicher Motivationsfaktor.

Wie aber sieht das aus, wenn wir unsere Büroecken und Schreibtischbereiche in Beschlag nehmen und gegenüber Kollegen abgrenzen? Laut Studien des Organisationspsychologen Graham Brown gibt es vor allem drei Arten, sein berufliches Territorium (vorbeugend) zu markieren:

  1. Kontrollmarken Mittels persönlichen Gegenständen wird ein Gebiet als schon besetzt gekennzeichnet. Dazu gehören Namensschilder an der Tür oder auf dem Schreibtisch, Aktenstapel und persönliche Posteingänge, Kleidungsstücke über dem Stuhl (auch in Meetingräumen) sowie Kaffeetassen mit persönlichen Motti.
  2. Identitätsmarken Hierbei wird die Arbeitsumgebung umdekoriert, um ihr eine persönliche Note zu verleihen. Familienfotos auf dem Schreibtisch, Bilder an der Wand, Bücher im Regal, Kunst im Raum – all das soll die Individualität betonen. In jedem Fall drückt es etwas über den Charakter des Bürobewohners aus.
  3. Verteidigungsmarken Um zu verhindern, dass andere den persönlichen Arbeitsraum in Beschlag nehmen, werden Vorsichtsmaßnahmen ergriffen: Schränke abgeschlossen, der PC per Passwort abgeschirmt, die Bürotür verriegelt. Selbst übermäßiges Chaos auf dem Schreibtisch kann im Endeffekt dazu dienen, dass andere das Territorium nutzen können.