Ein Gastbeitrag von Michael Moesslang
Der Redner ist verantwortlich dafür, wie es dem Publikum geht. Langweilt sich dieses, ist das ebenso der Verdienst des Redners, wie wenn es jubelt und applaudiert. Wer redet verfolgt ein Ziel und nur ein aufmerksames und begeistertes Auditorium lässt sich überzeugen. Deshalb hier zehn meiner besten Tipps für einen packenden Vortrag:
1. Seien Sie überraschend
Was erwartet das Publikum auf keinen Fall? Fragen Sie etwas, das jeden überrascht oder springen Sie plötzlich auf den Tisch. Brüllen Sie ganz laut oder sagen Sie gar nichts mehr. Ziehen Sie einen Gegenstand aus Ihrer Tasche oder sprechen Sie eine einzelne Person im Publikum an und gehen auf sie zu. So lange dieser ungewöhnliche Effekt das Thema unterstützt und souverän eingesetzt wird, wird er die Wirkung Ihrer Rede steigern. Effekte dagegen, die nichts mit dem Thema zu tun haben, wirken nur lächerlich.
2. Achten Sie auf Kontakt
Nur wenn Sie mit Ihrem Publikum in echtem Kontakt stehen, kann Ihr Funke der Begeisterung überspringen. Doch wie entsteht dieser Kontakt? Zum einen über den Blick: Erst wenn Sie jemanden mindestens zwei Sekunden in die Augen blicken, entsteht wahrer Kontakt. Zum anderen über eine Interaktion. Die ist zwar nicht bei jeder Rede möglich, doch wo immer es angebracht ist, sprechen Sie direkt mit einzelnen im Publikum (und wenn es nur so etwas einfaches ist, wie „Gesundheit!“ zu wünschen, wenn jemand niest), lassen Sie Zwischenfragen zu oder bitten Sie jemanden für eine Aktion auf die Bühne. Sie können das Publikum auch aktivieren durch eine Handzeichen-Abfrage oder eine kleine Übung an deren Platz. Je besser Sie das Publikum aktivieren, desto enger der Kontakt. Allerdings gilt auch hier wieder: Die Aktion muss sich ins Thema integrieren und darf nicht künstlich aufgesetzt wirken.
3. Agieren Sie lebendig
Lebhaft (nicht unruhig!) zu sein ist eine Frage Ihrer Emotionen. Ihre Emotionen zu Ihrem Thema zeigen sich nur durch Ihre nonverbale Kommunikation. Emotionen können aufs Publikum nur überspringen, wenn dieses sie wahrnehmen kann. Das kann die Wortwahl sein, das ist aber vorrangig die Art und Weise, wie Sie sprechen. Lassen Sie Ihre Mimik und Gestik groß und ruhig wirken. Betonen Sie Worte und werden Sie ruhig auch mal etwas zu schnell, wenn Sie beim Sprechen selbst aufgeregt sind. Die Grundregel dabei ist: Spüren Sie in sich hinein, nehmen Sie Ihre eignen Emotion wahr und zeigen Sie sie deutlich nach außen. Ein wenig mehr herumhampeln würde künstlich wirken. Echte Emotionen dagegen spürt das Publikum. Setzen Sie dazu Ihre Stimme (Betonung, Geschwindigkeit, Lautstärke), Ihre Gestik (und nehmen Sie ruhig mal Ihren ganzen Körper mit in die Bewegung!) und Ihre Mimik (Lächeln wirkt nicht lächerlich) ein.
4. Vermeiden Sie negative Formulierungen
Wenn es darum geht, einen Dialog mit sich oder dem Publikum zu führen, beginnen viele die Antwort mit „Nein, nicht ganz, aber …“. Lassen Sie genau diesen Teil der Antwort weg und antworten Sie mit dem, was danach kommt: „Die Vorgaben erfüllen wir bis übernächsten Monat.“ Negative Schlagwörter (Nein, aber, keine …) und negative Formulierungen zeugen nicht nur von Schwäche oder davon, dass Dinge eben nicht erfüllt sind, sie ziehen auch die Aufmerksamkeit an. Bei der ersten Formulierung bleibt nur das „Nein, aber“ hängen.
5. Sprechen Sie in kurzen Sätzen
Sprechen Sie in kurzen Sätzen. Manche Menschen sind fähig, und das ist für sie ganz leicht, Sätze zu bauen, die schier endlos sind, von Beginn bis zum Punkt, und dann noch monoton gesprochen – ohne Luft zu holen – fehlerfrei gesprochen werden. Darin gibt es eingeschobene oder angehängte Nebensätze, Relativsätze und und und. Für den Zuhörer ist das eine Tortour. Kurze Sätze werden von jedem leicht verstanden. Sie beinhalten eine Aussage. Das erleichtert es, die Betonung genau auf diese Aussage zu legen. Und so viel mehr zu überzeugen.
6. Nutzen Sie die Bildersprache
Der Wortschatz des Dudens liegt bei 135.000 Wörtern. Ein gebildeter Mensch hat einen bis zu 50.000 Wörter umfassenden passiven und rund 5000 Wörter umfassenden aktiven Wortschatz. Die Bild-Zeitung dagegen verwendet maximal rund 1000 verschiedene Wörter. Sprechen Sie mit dem Wortschatz einer Bild-Zeitung! Einfache Worte erzeugen mehr Bilder als komplexe, zusammengesetzte oder aus Fach- und Fremdsprachen stammende. Da Sprache im Gehirn in Bilder und Emotionen übersetzt und dann so gespeichert wird, sind die Inhalte einer einfachen Bildersprache leichter zu merken. Bei der Bildersprache beschreiben Sie das, was Sie wahrnehmen können. „Gestern: ich gehe durch den Park. Die Kristalle des Schnees knirschen unter meinen Schuhen. Die aufgehende Sonne zeichnet lange lila Schatten auf den gelblichen Schnee. Es ist eisig kalt.“ Das Publikum kann gar nicht anders als innere Bilder dieser Szene zu erzeugen.
7. Reden Sie in Wirk-Rhetorik
Rhetorische Stilmittel gibt es viele. Wirkungsvoll sind beispielsweise die Trias, eine Anordnung von drei Worten oder Aussagen. Zwei Beispiele: „We have nothing to offer, but blood, sweat and tears.“ (Churchill) „Nutzen Sie die Kraft Ihrer Worte. Nutzen Sie die Emotionen in Ihrer Stimme. Nutzen Sie die Energie Ihrer Gestik und Bewegung.“ Das zweite Beispiel bedient sich gleich noch eines weiteren Stilmittels: der Anaphora. Jeder Satz beginnt mit der selben Formulierung. Das kennen Sie vielleicht aus der „I have a dream“-Rede von Martin Luther King und vielen anderen erfolgreichen Reden. Auch das Sprechen mit Doppelpunkt ist eine starke Technik, um eine Aussage gleichzeitig spannender und bedeutungsvoller zu machen. Dabei formulieren Sie Ihren Satz so um, dass die wichtige Aussage am Ende nach einem Doppelpunkt steht. Diesen Doppelpunkt sprechen Sie dann als Pause, zum Beispiel: „Eines ist den Deutschen besonders lieb: das Auto!“
8. Entmüllen Sie, was geht
Langeweile kommt zwar nur zum Teil von „lange“, doch in der Kürze liegt tatsächlich die Würze. Etwas zu vereinfachen und zu straffen, ist weitaus aufwändiger, als es lang und umständlich zu erklären. Reduzieren Sie das, was Sie sagen wollen, immer auf das, was unbedingt notwendig ist, um zu überzeugen. Alles, was nicht überzeugt und Ihre Aussagen unterstützt, entfällt und macht Ihre Rede wirkungsvoller.
9. Starten und enden Sie stark
In den ersten Sekunden entscheidet sich das Interesse an Ihrem Vortrag. Beginnen Sie deshalb im ersten Satz mit etwas Überraschendem (siehe Punkt 1) oder einer starken, wirkungsvollen Aussage. Binden Sie sofort das Interesse Ihres Publikums. Wer mit Begrüßungen, Selbstvorstellungen und Floskeln („Ich freue mich, dass Sie so zahlreich …“) beginnt, vergibt sich diese Chance. Dasselbe gilt für den letzten Satz. Dieser muss in einer wirkungsvollen Aussage das Thema zusammenfassen oder einen Handlungsaufforderung an das Publikum beinhalten. Floskeln wie „Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit“ sind nur angebracht, wenn es extrem anstrengend war, Ihnen zuzuhören.
10. Lächeln Sie
Wenn Ihr Lächeln von Herzen kommt, landet es im Herzen Ihrer Zuhörer.
Über den Autor:
Michael Moesslang, Kommunikationswirt und Dozent an der BAW und Hochschule München ist Experte für Vorträge, Reden und Präsentationen. Erst vergangene Woche erhielt er von einer Branchenjury den Rednerpreis “5 Sterne Redner” für die erfolgreichste Medienpräsenz- und strategie. Grund genug, um ihm ein paar Erfolgstipps für diesen Beitrag zu entlocken.
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