Mal sind sie groß, werden gefeiert und regelrecht zelebriert, viel häufiger sind es jedoch die kleinen Dinge, die fast unbemerkt bleiben und doch ein wichtiger Teil des Alltags sind: Rituale. Sie entwickeln sich meist über viele Monate oder sogar Jahre und sind irgendwann aus dem eigenen Leben einfach nicht mehr wegzudenken, selbst wenn diese Rituale gar nicht so bewusst wahrgenommen werden. Wie sehr wir unsere persönlichen Rituale verinnerlicht haben, merken wir immer erst dann, wenn ein Ritual ausfällt oder gerade nicht umsetzbar ist. Plötzlich ist alles irgendwie anders, es fühlt sich nicht richtig an und je nachdem, wie sehr Ihre Rituale Ihren Alltag prägen, bedeuten fehlende Rituale diverse Probleme. Klingt nach zwanghaftem Verhalten, hat aber viele Vorteile und ohne Rituale wäre der Alltag für viele nur halb so schön...

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Was sind Rituale im Alltag?

Rituale Definition im Alltag BeispieleRituale - der Begriff klingt zunächst unglaublich bedeutungsschwanger. Die ersten Assoziationen sind meist religiöser Natur, bei Ritualen denken viele etwa an Gottesdienste, aber andere Sitten und Gebräuche, wie sie häufig in Filmen (gerne auch etwas übertrieben) dargestellt werden. Rituale haben jedoch nichts mit Zeremonien bei Mondschein und brennenden Fackeln zu tun und haben in der Regel auch nichts mit einer Sekte zu tun.

Vielmehr hat jeder Mensch seine persönlichen und oftmals sehr individuell gestalteten Rituale im Alltag. Glauben Sie nicht? Dann beobachten Sie Ihren Tagesablauf einmal ganz genau und achten Sie dabei auf Rituale, die Sie entweder Tag für Tag oder auch in längeren zeitlichen Abständen wiederholen.

Das beginnt oft schon direkt nach dem Aufstehen oder mit dem Klingeln des Weckers. Die Snooze-Taste wird jeden Morgen vor dem Aufstehen zwei Mal gedrückt, anschließend geht es wie automatisch in die Küche, Kaffeemaschine anmachen. Anschließend schauen ob der Partner schon unter der Dusche steht und dann die Kinder wecken. Selbst schnell unter die Dusche, anziehen und fertig machen, Frühstück mit einem Marmeladenbrot und einem Joghurt, während im Radio die Nachrichten zu hören.

Vielleicht treffen Sie sich auch jeden Freitag mit Ihren Freunden auf ein Bier in der immer gleichen Kneipe, wo die Abende sich sehr ähnlich sind. Es wird der Reihe nach eine Runde spendiert, auf dem Tisch stehen Erdnüsse und im Fernsehen läuft irgendeine Sportveranstaltung, die Sie nur halbherzig beachten.

Sie denken über Abläufe wie diese gar nicht mehr nach, sie sind Normalität. Genau das sind Ihre Rituale. Es sind feste Handlungsabläufe oder Ereignisse, die zu festgelegten Zeiten stattfinden und einem immer gleichen und wiederkehrenden Ablauf folgen.

Rituale sind Ankerpunkte im Leben

Rituale könnten als Gewohnheit beschrieben oder mit diesen gleichgesetzt werden, doch das würde ihrem Stellenwert nicht wirklich gerecht werden und eher geringschätzig klingen. Rituale sind viel mehr Ankerpunkte im Leben, die Stabilität geben und an denen sich viele andere Abläufe ausrichten können.

Besonders wichtig sind Rituale, weil Sie eine Struktur verleihen. Sie können dabei helfen, Tage, Wochen oder ganze Jahre in ein geregeltes System zu unterteilen. So ist etwa der Sommerurlaub für viele Menschen ein sehr wichtiges Ritual, an dem Jahr für Jahr nichts zu rütteln ist. Das kann eine Reise zur immer gleichen Zeit sein, für manche beinhaltet dieses Ritual sogar den jährlichen Flug an den gleichen Ort, ins gleiche Hotel und sogar ins gleiche Zimmer.

Gleichzeitig vermitteln Rituale eine Gefühl der Sicherheit. Es sind Situationen, die wir selbst kontrollieren, die wir im Griff haben und in- und auswendig kennen. Keine Neuheiten, kein Stress, keine Veränderung, keine Herausforderung, auf die wir reagieren oder an die wir uns anpassen müssen. Altbekanntes ist eben nicht schlecht, sondern kann ein Punkt sein, an dem wir uns gerne ausrichten und uns erden können.

Als Ankerpunkte im Leben helfen Rituale auch in schwierigen Zeiten. Es sind Fixpunkte im eigenen Universum, die auch dann noch bestehen, wenn Stress, Belastungen oder Unsicherheit Sorgen bereiten. Rituale machen das Leben vorhersehbarer, kontrollierbar und damit einfacher.

Diese Rituale sollten Sie in Ihrem Leben haben

  • Ein Ritual für den Morgen

    Der Morgen ist in vielen Haushalten eine besonders stressige Phase des Tages. Wenig Zeit, viel zu erledigen, die Müdigkeit steckt noch in den Knochen und die Motivation ist an einem Tiefpunkt. Am liebsten noch einmal zurück in die Federn und ein paar Minuten die Augen schließen. Mit einem persönlichen Morgenritual fallen Sie nicht wie eine Scheibe Toast aus dem Bett, sondern nutzen die frühen Stunden gut gelaunt.

    Sie können morgens ein wenig Sport treiben, ein Familienfrühstück einplanen, eine Runde mit dem Hund rausgehen und die frische Luft genießen, nach dem Aufwachen meditieren oder Ihr Ritual ganz persönlich gestalten. Es wird Ihnen helfen, den anstrengenden Morgen nicht nur zu überstehen, sondern für sich zu nutzen.


  • Ein Ritual vor dem Schlafen

    Was morgens funktioniert, gilt auch für den Abend. Vielen Menschen fällt es schwer, am Abend wirklich abzuschalten, zur Ruhe zu kommen und erholsamen Schlaf zu finden. Stattdessen wälzen sie sich im Bett herum, plagen sich mit den unterschiedlichsten Gedanken und Sorgen und liegen die halbe Nacht wach. Ein Schlafritual kann dabei helfen, Probleme mit der Nachtruhe zu überwinden.

    Machen Sie es zum abendlichen Ritual, vor dem Schlafen noch ein wenig zu lesen, um sich wirklich zu beruhigen und besser einzuschlafen. Auch kann es helfen, Fernseher und helle Lichtquellen einige Zeit, bevor Sie ins Bett gehen, auszuschalten. Wie wichtig ein Ritual am Abend ist, zeigt sich oft auch bei Kindern, die vor dem Schlafen einen festen Ablauf brauchen - ein Effekt, der auch im Erwachsenenalter noch besteht.


  • Ein Ritual für Ihre Pausen

    Auch im Joballtag sollten Sie Rituale pflegen und sich durch die zum Teil stressige berufliche Situation nicht davon abhalten lassen. Trinken Sie als erstes einen Kaffee, wenn Sie ins Büro kommen und tauschen Sie sich dabei mit den Kollegen aus. Mit einem solchen Ritual stellen Sie sich auf die anstehende Arbeitszeit ein und können mit größerer Energie und Konzentration durchstarten.

    Wichtig ist auch ein Ritual für Ihre Pausen am Arbeitsplatz. Bleiben Sie nicht am Schreibtisch sitzen oder essen Sie nur etwas zwischendurch, während Sie noch ein paar E-Mails beantworten. In Ihren Pausen sollen Sie neue Kraft tanken und den Kopf frei bekommen. Gehen Sie mit ein paar Kollegen zum Essen oder machen Sie einen Spaziergang.


  • Ein Ritual mit Ihren Freunden

    Die Arbeit nimmt fast den gesamten Tag ein, anschließend gibt es noch eine Menge Dinge im Haushalt zu tun und auch andere Baustellen brauchen Aufmerksamkeit. Noch bevor Sie es wirklich bemerken ist es zwei Monate her, dass Sie sich mit Ihren Freunden getroffen haben. Immer kommt irgendetwas dazwischen und die Treffen müssen wieder verschoben werden.

    Rituale können helfen, regelmäßige Treffen einzuführen und nicht das Gefühl zu haben, von der Außenwelt abgeschottet zu sein. Führen Sie einen Termin alle zwei Wochen ein, der für alle gut passt und vereinbaren Sie gleich einen Ort, an dem die Zusammenkunft stattfinden soll.


  • Ein Ritual mit Ihrer Familie

    Zeit mit der Familie ist für viele die schönste Zeit, doch auch diese ist leider für Berufstätige meist knapp bemessen. Rituale innerhalb der Familie schaffen eine Struktur, die zusammenführt und gemeinsame Zeit auch dann ermöglicht, wenn diverse Termine scheinbar im Weg stehen und jeder etwas anderes zu tun hat.

    Das gemeinsame Frühstück oder Abendessen kann ein solches Ritual sein, an dem die ganze Familie teilnimmt. Auch Fernsehabende einmal in der Woche können zum Brauch werden, bei dem abwechselnd Filme ausgesucht werden oder eine gemeinsame Serie geschaut wird.

    Auch größere Rituale sind in der Familie wichtig. Dazu können beispielsweise das gemeinsame Feiern von Weihnachten mit dem dazugehörigen Gang in die Kirche zählen oder auch die Geburtstagsfeier, die jedes Jahr im Garten stattfindet. Zwar sind solche Rituale seltener, aber nicht weniger wichtig und prägend.


  • Ein Ritual ganz für sich allein

    Zu guter Letzt sollten Sie auch ein Ritual haben, das nur für Sie allein bestimmt ist. Etwas, das Ihnen gut tut, Ihnen Spaß macht, Sie beruhigt, motiviert oder erleichtert und bei der Stressverarbeitung hilft.

    Dies kann nur individuell sein, deshalb an dieser Stelle nur einige Vorschläge zur Inspiration - wie genau das Ritual aussieht, müssen Sie selbst entscheiden: Sie können ein entspannendes Bad nehmen, Kerzen anzünden und ein Buch lesen. Für andere ist es ein Ritual, sich beim Sport auszupowern und anschließend in die Sauna zu gehen. Auch lange Spaziergänge in der Natur können ein Ritual sein, ebenso wie Meditation,

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