Rivalität im Job: Können Sie gönnen?
Ob als Mordmotiv bei Kain und Abel in der Bibel oder als grünäugiges Monster in Shakespeares Othello - Neid ist eine uralte, aber deshalb nicht weniger starke Emotion. Auch wenn es zu Rivalität im Job kommt, ist Neid häufig ein entscheidender Faktor. Die Beförderung, das gute Verhältnis zum Chef oder eine teure Wohnung in guter Lage... Eine Liste mit Gründen für Neid ließe sich wohl endlos weiterführen. Besonders im Büro sprießt und gedeiht der Neid unter Kollegen und fördert so die Rivalität unter allen Beteiligten. Das ist schwierig und belastet die Arbeitsatmosphäre - und Gönnen kann sogar erfolgreicher machen...

Rivalität im Job: Woher kommt der Neid?

Die gemeinsame Arbeit im Büro könnte eine wirklich harmonische Angelegenheit sein. Produktive Arbeitsatmosphäre, nette Kollegen, gute Stimmung. Wie gesagt: Könnte. Die Realität sieht meistens anders aus. Wo gemeinsam gearbeitet wird, gibt es immer auch Konfliktpotenzial. Ein kritischer Kommentar zur falschen Zeit, der alltägliche Stress oder auch ein Missverständnis können als Auslöser reichen. Doch in vielen Fällen ist es der Neid, der zu Streitigkeiten im Büro führt. Aber wie kommt es zu Neid im Büro? Die beiden Hauptgründe sind:

  • Gleiche Ziele: Oftmals arbeiten im Büro Menschen zusammen, deren Karrierepläne ähnlich aussehen. Kommt einer dann im Berufsleben, beispielsweise durch eine Beförderung, schneller voran, steigt die Missgunst der anderen, die selbst gerne die Stelle erhalten hätten.
  • Permanenter Vergleich: Der Mensch hat einen Drang dazu, sich immer mit anderen vergleichen zu wollen. Warum hat der Kollege schon wieder ein neues Auto? Wieso war die Büronachbarin dieses Jahr gleich drei mal im Urlaub? Und wie teuer war wohl der Anzug des neuen Mitarbeiters? Wer ständig den Vergleich mit anderen sucht, wird immer etwas finden, auf das er neidisch ist.

Psychologen unterscheiden 3 Formen von Neid:

  • Destruktiver Neid: Es ist ein aggressives Gefühl und zeichnet sich hauptsächlich durch Missgunst aus. Nach dem Motto: Ich will das, was der andere hat und wenn ich es nicht haben kann, mache ich es kaputt. Im Berufsleben äußert sich dieses Gefühl beispielsweise darin, dass Sie sich nicht nur über die Beförderung des Kollegen ärgern, sondern hinter seinem Rücken intrigieren und ihm das Leben unnötig schwer machen.
  • Depressiver Neid: Diese Form des Neids ist lähmend und besonders schädlich für das eigene Selbstwertgefühl. Von dem Gedanken besessen, nicht im Stande zu sein, das zu erreichen, was der andere hat, ziehen diese Menschen totunglücklich durchs Leben. Die Objektivität ist ihnen verloren gegangen. Erfolge der anderen werden durch ein Vergrößerungsglas betrachtet. Der krankhafte Vergleich mit den Mitmenschen bestimmt das eigene Leben.
  • Positiver Neid: Hierbei handelt es sich um die bewundernde Form des Neids. Im Vordergrund steht ein unerfülltes Bedürfnis. Beispielsweise wünschen Sie sich auch so souverän und charismatisch vor Kunden aufzutreten wie Ihr Kollege. Dieses Gefühl kann Ihnen dabei helfen aus der Einöde des Arbeitsalltags auszubrechen. Diese Art des Neids kann Ehrgeiz wecken und als Ansporn dazu dienen, selbst besser zu werden. Im Prinzip will man sein Gegenüber nicht zerstören, sondern sich selbst neu erschaffen. Allerdings birgt dieser Wunsch die Gefahr, zum Double der Person zu werden, die Sie bewundern.

Der Rosenthal-Effekt - Können gönnen

Hinter dem Neid steht oftmals Unverständnis, dass jemand anderes etwas erreicht hat, was uns nicht gelungen ist. Wir trauen uns selbst immer mehr zu, als anderen. Dabei könnte jeder einzelne erfolgreicher sein, wenn man nicht neidisch ist, sondern auch anderen Erfolg zutraut und gönnt.

Das zeigte bereits 1963 der amerikanische Psychologe Robert Rosenthal in einem Experiment: An einer Schule wurden die Namen von 18 Schülern per Zufallsprinzip ausgelost. Den Lehrern wurde dann gesagt, diese Kinder seien besonders begabt. Als acht Monate später an eben dieser Schule ein Intelligenztest durchgeführt wurde, schnitten genau die vorher ausgewählten Schüler wesentlich besser ab. Wenn die Lehrer den Schülern also besonders gute Leistungen zutrauten, hatten diese auch wirklich mehr Erfolg. Oder anders ausgedrückt:

Erfolg basiert nicht nur auf Können, sondern auch darauf, ob wir jemandem dieses Können zutrauen.

Rivalität im Job: Warum Sie anderen den Erfolg gönnen sollten

Rawpixel.com/shutterstock.comDer Rosenthal-Effekt lässt erahnen, wie viel Potenzial durch Neid und Missgunst verloren geht. Denn Neid bremst nicht nur den Erfolg aus, sondern hat auch viele weitere negative Konsequenzen. Doch schaffen Sie es, den Neid zu überwinden, können Sie diese negativen Effekte umkehren. Diese sechs positive Auswirkungen zeigen, warum Sie lernen sollten, auch anderen den Erfolg zu gönnen:

  1. Sie werden motiviert.

    Durch den Erfolg anderer werden Sie bemerken, dass auch für Sie die Möglichkeit besteht, weiter zu kommen und Ihre Ziele zu erreichen. Wenn andere das geschafft haben, warum sollte Ihnen das nicht auch gelingen? Konzentrieren Sie sich nicht auf den Frust, dass jemand anders erfolgreich war, sondern ziehen Sie Motivation daraus und nutzen Sie diesen Antrieb, um Ihre eigenen Ziele anzupacken.

  2. Sie werden inspirieren.

    Gönnen Sie einem Kollegen den Erfolg, werden sich auch andere an Ihrem Verhalten orientieren. Wer sieht, dass jemand mit gutem Beispiel voran geht, hinterfragt seine eigene, negative Reaktion. So helfen Sie nicht nur beim Erfolg der anderen, sondern fallen auch selbst positiv auf.

  3. Sie werden glücklicher.

    Es ist leicht, in eine Spirale aus negativen Emotionen und Gedanken zu geraten. Neid führt zu Frust, Frust führt zu Zweifeln und Zweifel führen wieder zu Neid. Durchbrechen Sie diesen Kreislauf! Gönnen Sie auch anderen den Erfolg und freuen Sie sich mit den Kollegen. So eliminieren Sie die Quelle Ihrer negativen Gefühle und machen stattdessen Platz für Optimismus.

  4. Sie werden dazulernen.

    Wenn Sie neidisch sind, hat jemand etwas, was sie gerne hätten. Könnte es eine bessere Möglichkeit geben, um zu lernen, wie dieser das geschafft hat? Hat er beispielsweise ein großes Netzwerk? Besucht er viele Weiterbildungen? Können auch Sie Ihrer Karriere auf diese Weise neuen Schwung verleihen? Wer nur neidisch in der Ecke hockt, vergibt eine große Chance.

  5. Sie werden gemocht.

    Niemand umgibt sich gerne mit schlecht gelaunten und negativen Menschen. Doch genau diese Gefühle verursacht Neid. Schließen Sie sich beispielsweise der Feier Ihres Kollegen an, der seine neue Stelle zelebrieren möchte, werden Ihnen auch die anderen Mitarbeiter positiver gegenüber stehen. Abgrenzung hat noch niemanden weitergebracht. Gehen Sie aber auf die anderen zu, eröffnen sich durch die neuen Kontakte möglicherweise ungeahnte Optionen.

  6. Sie werden selbstbewusster.

    Jeder ist mal wütend, verletzt und natürlich auch neidisch. Emotionen werden unbewusst erzeugt, also kann deren Auftreten nur schwer gesteuert werden. Darum ist es gut, sich seine Gefühle bewusst zu machen und zu akzeptieren, wenn man Neid auf einen Kollegen verspürt. Aber es gehört auch dazu, diese einzuordnen und zu verarbeiten. Wer weiß, dass der Erfolg anderer die eigenen Leistungen nicht schmälert, kann weiterhin selbstbewusst auftreten.

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