Als ich Ende November diesem Blog ein neues Gewand anzog, fragten mich sofort einige Leser, warum ich denn von dem knalligen Rot zu dem eher kühlen Blau gewechselt hätte. Die Erklärung ist: Ich fand Farbstudien, die zeigten, dass Blau auf Leser deutlich seriöser wirkt als jede andere Farbe. Offenbar war diese Entscheidung gleich doppelt richtig, denn Blau macht sogar kreativer. So konnten die beiden Psychologen Ravi Mehta und Rui (Juliet) Zhu von der Universität von British Columbia bei Experimenten mit eingefärbten Bildschirmhintergründen nachweisen, dass zwar Rot die Aufmerksamkeit steigert (was gut ist für detailreiche Aufgaben), während Blau die explorative Motivation erhöht, was sich wiederum positiv auf die Kreativität auswirkt. Auch bei Versuchen mit Bausteinen entwickelten die Probanden mit ausschließlich roten Klötzen eher pragmatische Gebilde, während die Teilnehmer mit blauen Steinen kreative Designs entwickelten. “Zu Brainstorming-Sitzungen sollten Sie die Leute also in einen blauen Raum schicken”, sagt Zhu. Natürlich hat auch Rot Vorteile. Als etwa Forscher der britischen Durham Universität die Wirkung von Trikotfarben bei olympischen Athleten untersuchten, kamen sie zu dem Ergebnis, dass rotgekleidete Ringer in 60 Prozent der Fälle die blaugekleideten besiegten. Begründung: Rot strahlt mehr Dominanz aus. Bei der sogenannten Cocktail-Party-Studie hingegen zeigte sich, dass Menschen zwar Bars mit roten Räumen bevorzugen, in blauen aber länger bleiben. Und Frauen in roten Kleidern wirken auf Männer sowieso attraktiv. Mehta und Zhu halten ihre Ergebniss deshalb für enorm praxisrelevant: So könnten etwa die Wandfarben in Schulen, Universitäten oder Büros entscheidend zu der Art der Ergebnisse beitragen. Ob das stimmt können Sie ja gerade selber herausfinden – dieser Beitrag ist schließlich nicht umsonst blau eingefärbt. Und?! Werden Sie schon kreativer?







Entscheider-Blog
Und ich dachte schon, mein Blog hätte Sie inspiriert ;-)
Aber ernsthaft, dass Blau diese Wirkung hat, ist wahrscheinlich den meisten Lesern neu. Schon allein, weil es ja eben auch Seriosität ausdrückt. Mir wäre auch niemals in den Sinn gekommen, “Schau mal, ein Kreativer” zu rufen, wenn ich einen Banker im dunkelblauen Anzug gesehen habe.
Inzwischen wissen wir ja, wie kreativ die Branche ist. Demnächst finden wir bestimmt viele ehemalige Investmentbanker in den Kreativabteilungen von Ogilvy und Co. Oder besser nicht. So viel Kreativität verträgt die Werbebranche dann wahrscheinlich doch nicht. ;-)
asaaki
hm, das erklärt dann wohl vielleicht auch, warum ich blau dann doch mehr mag als rot. kreativ halt.
Marius
Ich hab zuerst auf “Aktualisieren” geklickt, weil ich gerade dachte, das wäre ein Anzeigefehler.
Sigi
Spannend (wenn auch nicht sonderlich verblüffend), dass dieses nun wieder einmal wissenschaftlich untersucht worden ist. Das stimmt völlig mit unseren Erfahrungen überein. Bei unserem Beratungskonzept, dem 7-Felder-Prinzip setzen wir blau – besonders in Verbindung mit bestimmten assoziativen Motiven schon immer für Ideen ein. Das Standardmotiv dafür ist ein blauer Himmel mit weißen Wölkchen. Rot-orange steht dagegen für das Feld Handeln mit dem Motiv Flammen, grün für Feld Entwicklung mit wachsenden Gräsern, stahlblau für das Feld Führung.
Vielleicht interessant sind in diesem Zusammenhang viele Publikationen zur Farbpsychologie von Goethe über Feng Shui bis Lüscher. Wer sich mit Farben und den Wirkungen beschäftigt, sollte den symbolischen (schwarz ärgern, giftgrün, Unschuldslamm in weiß…), den politischen (Schwarz, gelb, rot, grün – wo bleiben die Kreativen?…), kulturellen (Nicht verwunderlich: Grün für Paradies bei den Wüstenvölkern… ) und traditionellen Aspekt (z.B. historische Farbstoffe…) nicht vergessen.
Angewendete Farbspsychologie hat Chancen und Grenzen. Farbpsychologisch “korrekt” zu kommunizieren “erhöht die Trefferquote” – belibt unserer Meinung nach aber ein weicher Faktor. Also kann auch ein Lagerfeld in schwarz mit ein wenig weiß, alte Zöpfe abschneiden und durchaus kreativ sein.
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