Spricht man mit Datenschützern über moderne Methoden, Handys samt ihrer Nutzer zu lokalisieren, bekommen die regelmäßig Herzflimmern. Dienste wie Foursquare, bei denen sich die Menschen gleich selber tracken, noch dazu öffentlich, sollte man dann besser gar nicht erst erwähnen – es sei denn, man hat zufällig einen Defibrillator dabei. Schockierend, ich weiß.
Nun kann man sich viele Gedanken über die Risiken und Nebenwirkungen der modernen Vernetzung und Datentransparenz machen, seinen Arzt oder Apokalyptiker befragen oder wieder mit Trommeln und Rauchzeichen kommunizieren. Und doch ist es so, dass uns gerade diese brisanten Daten neuerdings Erkenntnisse über den Menschen und sein Verhalten bescheren, die wir früher allenfalls in Grzimeks Tierreich verwiesen hätten, wozu irgendwie auch die Studie zählt, die jetzt Albert-László Barabási vom Center for Complex Network Research an der Northeastern Universität in Boston in die Welt entlassen hat.
Barabási und seine Kollegen haben nämlich die örtlichen Bewegungen von rund 50.000 Handynutzern über drei Monate hinweg aufgezeichnet und ausgewertet, um schließlich festzustellen: Wirklich spontane Individuen sind in der menschlichen Gesellschaft ungefähr so häufig anzutreffen, wie Klee mit fünf Blättern.
Tatsächlich waren die Wissenschaftler nach nur drei Monaten in der Lage, das Verhalten ihrer 50.000 Probanden zu 93 Prozent vorherzusagen – und zwar an gewöhnlichen Werktagen ebenso wie an Wochenenden. Die aufgezeichneten Bewegungsmuster offenbarten sehr schnell die Lieblingslokalitäten der Versuchsteilnehmer, die sie überraschend regelmäßig aufsuchten – nämlich in 70 Prozent ihrer sämtlichen verfügbaren Zeit.
So viel zum Thema Work-Life-Balance und Abwechlsung vom Alltag. Der Mensch ist eben doch ein Gewohnheitstier. Schauen Sie deshalb auch morgen wieder auf dieser Seite vorbei. Vielleicht gibt es dann einen neuen Artikel zu lesen. Vielleicht aber auch nicht. So viel Spontaneität muss sein…



Roland
Zum ersten Absatz: Jeder hat mal seine Zeit. Früher waren es die Gewerkschaften, heute sind es die Datenschützer. Gemein, ich weiß, aber ich könnte gerade nichts anderes denken :-)