BildsoftwareWeniger ist mehr. Was im Allgemeinen auf Worte und im Besonderen auf Würzmittel zutrifft, gilt offenbar auch für körperliche Attraktivität. So haben Wissenschaftler um den Microsoft-Programmierer Tommer Leyvand von der Universität in Tel Aviv ein Bildbearbeitungsprogramm entwickelt, dass mittels eines Algorithmus Porträtfotos geometrisch optimiert. Dabei vermisst es 234 unterschiedliche Gesichtsmerkmale, wie Augenabstände, Lippengröße, Abstand zum Kinn, Höhe der Stirn und so weiter und reduziert deren Datenkomplexität auf ein individuelles Optimalmaß. Die Gesichter werden also nicht auf ein allgemeines Durchschnittsoptimum hin umgerechnet, sondern jedes Mal einzeln für sich selbst und innerhalb der jeweiligen Parameter errechnet. Zudem bleiben Hautfalten oder Flecken erhalten, retuschiert – wie sonst üblich – wird nichts.


Manchmal sind das nur minimale Korrekturen. Doch das Ergebnis ist bemerkenswert: Die Gesichter waren hinterher nahezu durchweg attraktiver (mir jedenfalls geht das so), wie die Vorher-Nachher-Galerie des Experiments zeigt. Es gibt allerdings auch Ausnahmen: Als die Wissenschaftler ein Foto von Brigitte Bardot durch den Rechner jagten, machte der aus ihren üppigen vollen Lippen normale und eines der berühmtesten Gesichter der Welt sah prompt um ein Vielfaches langweiliger aus. Hübsch war es freilich trotzdem noch.

Immer wieder haben Wissenschaftler untersucht, was Menschen eigentlich attraktiv macht oder ob Schönheit nicht doch im Auge des Betrachters liegt. In der Regel kam dabei heraus, dass mit Symmetrie (nicht nur im Gesicht), gesunder glatter Haut oder Jugendlichkeit dafür viele Faktoren eine Rolle spielen. Das simple Programm indes zeigt nun zweierlei: Erstens, dass Schönheit keinesfalls universell sein muss. Und zweitens, dass sich Attraktivität zum Teil auf eine mathematische Formel reduzieren lässt. Oder wie Tommer Leyvand in einem Artikel in der New York Times sagt:

“This tool shows in the most simple fashion how easy it is to manipulate photographs and make people more attractive,” Mr. Leyvand said. “But the difference is so subtle that it just shows how insignificant it is. We’re talking about a few inches maybe and a slightly changed perception.”