Einer meiner besten Freunde, nennen wir ihn Lars, arbeitet für einen internationalen Konzern. Die Mitarbeiter, die gleichzeitig an einem Produkt oder Projekt arbeiten, sitzen über den gesamten Globus verstreut. Entsprechend schwer ist die Kommunikation untereinander. Sicher, der Konzern nutzt allerlei moderne Technik: Es gibt Videokonferenzsysteme, Intranet, Wikis und natürlich Telefon und E-Mails. Aber das dominante Kommunikationswerkzeug ist eigentlich die E-Mail (die längst auch in vielen anderen Unternehmen das Telefon auf diesem Platz verdrängt hat). Doch das ist alles andere als klug, stellt nun der Management-Professor Jonathon Cummings an der renommierten Duke’s Fuqua School of Business fest: Teams müssen miteinander sprechen, sonst arbeiten sie immer unprduktiver.
Cummings selbst hat für seine Studien 675 Mitarbeiter des Chipherstellers Intel genauer beobachtet. Die Kollegen arbeiteten an 53 Standorten in insgesamt 22 Ländern und füllten fleißig Fragebögen aus – zu ihrem Team, wie eng sie mit den Kollegen zusammenwerkeln, die Frequenz in der sie miteinander kommunizieren und wie. Vor allem aber wollte Cummings wissen, ob sich etwa auch die Zeitverschiebung auf die Zusammenarbeit auswirkt.
Bei internationalen Unternehmen ist es ja so: Wenn auf der einen Seite der Weltkugel Feierabend gemacht wird, fangen sie auf der anderen gerade mit der Arbeit an. So entsteht ein endlos operierendes Team, das die Zeit optimal ausnutzt und – E-Mail sei Dank – sich rund um die Uhr informieren kann. Jedenfalls in der Theorie.
Cummings Untersuchungen zeigen jetzt ein anderes Bild: Teams, deren Arbeitszeiten sich gar nicht oder kaum überlappten und infolge dessen nur per Mail kommunizieren konnten, schafften es nicht Verzögerungen zu überbrücken. Im Gegenteil: Weil sie sich über etwaige auftauchende Probleme oder Fragen immer nur zeitversetzt austauschen konnten, trafen sie schlechtere Entscheidungen und arbeiteten weniger effizient. Das Fazit des Wissenschaftlers: Internet und moderne Kommunikationswerkzeuge machen heute zwar vieles möglich – den direkten Draht zueinander aber ersetzen sie nicht.



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