Quacksalber-Hochstapler-Ass-Ärmel
Es gibt viele Wege, es zu Ruhm und Ehre und großer Popularität zu bringen. Einer davon ist, schlicht brillant zu sein. Oder überdurchschnittlich attraktiv. Allen anderen, denen dieses Glück nicht in die Wiege gelegt wurde, bleiben zumindest – und das ist die gute Nachricht – noch ein paar andere Optionen. Die sind vielleicht nicht allzu edel, haben sich aber in der Vergangenheit immer wieder bewährt...

Wie es sich zu Einfluss und Popularität bringen lässt

Doch auch wenn Sie weder Ruhm, Einfluss noch große Popularität anstreben, lohnt sich der Blick auf die folgenden Popularitäts-Prinzipien. Wer weiß, womöglich erkennen Sie dadurch anschließend den einen oder anderen prominenten Quacksalber und Scharlatan...

Wege zu Ruhm (weniger Ehre)

  • Seien Sie vehement – egal, ob Sie falsch liegen.

    Die Menschen lieben Selbstsicherheit. In einer Welt voller Variablen und Unwägbarkeiten, sehnen wir uns insgeheim nach Menschen, die uns Orientierung geben. Dass diese Sicherheit trügerisch und mehr mit Gefühlen als mit Logik zu tun hat, ignorieren wir geflissentlich. Es gibt psychologische Experimente, die zeigen, dass Menschen den Rat von scheinbaren Sachverständigen selbst dann noch suchen, wenn sich deren Urteile in der Vergangenheit als nicht allzu verlässlich erwiesen haben. Warum aber sitzen ihnen viele trotzdem immer wieder auf? Richtig: Es ist ihre Vehemenz. Je bestimmter jemand auftritt, desto mehr Glauben schenken wir ihm. Und sind wir einmal von jemandem überzeugt, werden wir Vieles unternehmen, dessen Autorität zu stützen – denn das Eingeständnis, einem Quacksalber aufgesessen zu sein, wäre noch viel blamabler. Bei allem was Sie also behaupten, wenn der Tag lang ist: Seien Sie sich Ihrer Sache unbedingt sicher. Außerdem könnte es ja sein, dass Sie nur fälschlicherweise annehmen, falsch zu liegen!

  • Betonen Sie, ein Experte zu sein.

    Es ist nun mal so: Sobald wir uns bei einer Entscheidung unsicher sind, suchen wir den Rat anderer – vorzugsweise, den von einem Experten. Interessanterweise passiert dann in der Regel das: Sobald die Leute eine solche vermeintlich fundierte und einleuchtende (!) Empfehlung erhalten haben, schalten sie ihr Hirn ab. Es macht also kaum einen Unterschied, ob Sie bei den Recherchen zu Ihren sachdienlichen Hinweisen zuvor Pfeile auf eine Dartscheibe geworfen oder wirklich geforscht haben. Solange Ihre Expertise glaubwürdig genug klingt, reicht den meisten Menschen das (So und jetzt nehmen Sie diese Erkenntnis und fragen Sie sich, wie wohl diese Punkte hier entstanden sind... Fieses Dilemma!)

  • Differenzieren Sie sich von der Masse.

    Auch wenn Sie so Recht behalten und geschmeidig bleiben – Sie langweilen Ihr Publikum nur, wenn nirgendwo anecken oder polarisieren. Bevor Sie am Ende in den Fußstapfen anderer Vordenker stapfen, stellen Sie lieber eine ganz neue Theorie auf. Im Extrem behaupten Sie einfach das genaue Gegenteil von dem, was gerade so an Konsens herrscht. Journalisten kennen dieses Prinzip zu gut, im Fachjargon heißt das, den Stoff gegen den Strich bürsten. Das Resultat muss am Ende nicht stimmen, aber wenigstens ist es neu und interessant! Wichtig bei dieser Strategie ist allerdings, dass Sie sich ein paar Hintertürchen offen lassen:

    1. Machen Sie nur Aussagen, die sich schwer verifizieren lassen. Idealerweise bleiben Sie vage bei Angaben zu Zeit, Ort und Ausmaß Ihrer Voraussagen. Noch besser: Sie packen Ihre steilen Thesen in Szenarios. Eine Definition über unscharfe Annahmen hat den Charme, dass Sie später immer sagen können: "Aber es hätte so kommen können, wenn..."
    2. Begründen Sie Ihre These mit vergleichbaren Szenarien aus der Vergangenheit. Schon bei der Einführung des Fernsehens haben die Leute den Untergang des Abendlandes und das Ende des Buchs heraufbeschworen. Heute passiert dasselbe mit dem Internet. Klingt einleuchtend, nicht wahr? Sehen Sie!
    3. Beim derzeitigen Stand der Erkenntnisse können Sie zu nur einem Schluss kommen. Heißt aber umgekehrt auch: Sobald Sie neue Erkenntnisse gewinnen, können Sie auch etwas ganz anderes behaupten. Das ist gleich ein ganzes Hinterscheunentor.
    4. Nicht ganz so überzeugend, aber manchmal ein ebenso guter Heldennotausgang ist die Behauptung, der Zeit weit voraus zu sein. Was können Sie schon dafür, dass die Entwicklung mit Ihrer Weitsicht nicht Schritt halten kann? Aber es wird so kommen, wie Sie behaupten – ganz sicher. Irgendwann.
  • Erinnern Sie sich bloß nie an Ihre Fehler.

    Die anderen werden es auch nicht tun. Denn in der Retrospektive sieht sowieso immer alles ganz anders aus. Und wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein und so. Was kümmert Sie schon Ihr Geschwätz von gestern! Solange Sie schon wieder eine attraktive Empfehlung für die Zukunft parat haben (irgendwas Kühnes, Einfaches, den schnellen Erfolg Versprechendes), beschäftigen sich die Leute ohnehin lieber damit, als mit der anstrengenden Verifizierung Ihres Snakeoils.

PS: Der Artikel könnte Spuren von Ironie enthalten.

Kompetent aussehende Manager verdienen mehr

Kompetent aussehende Manager verdienen mehr – und das obwohl zwischen ihrem Aussehen und der wahren Kompetenz überhaupt kein Zusammenhang bestehen muss. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie John Graham, Campbell Harvey und Manju Puri von der Duke's Fuqua School of Business.

Zwar gab es schon vorher zahlreiche Studien, die einen Korrelation zwischen attraktivem Aussehen und privatem oder beruflichem Erfolg dokumentierten. "Wir aber wollten herausfinden, ob dieser Zusammenhang auch in der Konzernleitung eine Rolle spielt", sagt Studienautor Graham. Und genau diesen scheint es zu geben.

Um das zu überprüfen, inszenierten die Wissenschaftler eine Reihe von Experimenten, bei denen knapp 2000 Teilnehmer gebeten wurden, Bilder von mehr als 100 CEOs und einfachen Angestellten zu beurteilen. Wer Manager und wer einfacher Mitarbeiter war, wussten die Teilnehmer allerdings nicht. Stattdessen sollten sie die Personen auf den Porträts immer paarweise entsprechend ihrer scheinbaren Attraktivität, Kompetenz, Vertrauenswürdigkeit und Sympathie gegeneinander abwägen. Und siehe da: Die CEOs wurden tatsächlich häufiger als kompetent und attraktiv eingestuft.

Ein ähnliches Ergebnis zeigte sich, als die Forscher die Bilderpaare von Managern großer Konzerne gegenüber Führungskräften aus mittleren bis kleinen Unternehmen vergleichen ließen. Auch hier schnitten die Konzernmanager in 55 Prozent der Fälle und in Sachen zugesprochener Kompetenz sowie Attraktivität besser ab, während die Kollegen aus dem Mittelstand als zuverlässiger und sympathischer beurteilt wurden. Immerhin.

Als das Professorentrio anschließend die tatsächlichen Einkommen der untersuchten Mitarbeiter und Manager verglich, stellte sich heraus: Wer in den Tests als kompetenter bewertet wurde, verfügte mehrheitlich auch über ein höheres Einkommen. Konkret: CEOs, die auf einer fünfstufigen Skala in Sachen Kompetenz mit vier oder höher bewertet wurden, verdienten durchschnittliche 7,5 Prozent mehr als ihre Kollegen mit dem Rang drei.

Dazu muss man allerdings auch sagen: Trotz dieser Korrelation zwischen Schein und Gehalt, fanden die Forscher keinerlei Beweis dafür, dass ein solch kompetent aussehender Manager auch kausal zum Unternehmenserfolg beigetragen hätte.

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