Sabbatjahr
Das Sabbatjahr erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Längst ist es nicht mehr nur ein kleiner Trend, der aus Amerika zu uns herübergeschwappt ist. Immer mehr Unternehmen bieten ihren Angestellten ganz offiziell die Chance, ein Sabbatjahr zu nehmen, um der stressigen Arbeitswelt den Rücken zu kehren, zur Ruhe zu kommen, sich einen lang ersehnten Wunsch zu erfüllen oder die Welt zu bereisen. In einem Sabbatjahr stehen Ihnen alle Türen offen, doch sollten Sie es nicht auf die leichte Schulter nehmen. Für eine Zeit lang nicht zu arbeiten, bedeutet nicht, dass Sie sich um nichts mehr kümmern müssen - sowohl im Vorfeld als auch während Ihrer beruflichen Auszeit. Wir erklären, wie Sie ein Sabbatjahr nehmen können und worauf Sie achten sollten, damit dieses auch wirklich ein Erfolg wird...

Sabbatjahr: Was ist das eigentlich?

Sabbatjahr Definition gesetzlicher AnspruchAls Sabbatjahr wird im Allgemeinen eine längere berufliche Auszeit bezeichnet. Der Begriff des Sabbatjahres ist dabei nicht gleichzeitig eine feste zeitliche Vorgabe, denn das Sabbatical kann auch nur mehrere Monate oder in besonderen Fällen auch länger als ein Jahr andauern. Wie genau das Sabbatjahr aussieht, wie diese gestaltet und vor allem auch im Vorfeld geplant wird, ist dabei sehr individuell und kann sich nicht nur zwischen verschiedenen Unternehmen, sondern auch von Arbeitnehmer zu Arbeitnehmer unterscheiden.

Das Sabbatjahr ist grundsätzlich ein besonderes Arbeitszeitmodell oder eine Form des Sonderurlaubs. Entscheidend ist am Ende, was genau ein Arbeitgeber anbietet oder mit seinem Mitarbeiter in der jeweiligen Vereinbarung festhält. Häufig werden Sabbatjahre beispielsweise dadurch ermöglicht, dass im Vorfeld Stunden angesammelt werden, die dann auf einen Schlag als Urlaubszeit genommen werden.

Dies funktioniert zum Beispiel, wenn zwar Vollzeit gearbeitet wird, aber nur eine Teilzeitvergütung erfolgt. Die auf diese Weise zu viel gearbeiteten Stunden häufen sich mit der Zeit an und ermöglichen so einen deutlich längeren Urlaub.

Ebenfalls möglich ist aber auch ein Sabbatjahr als unbezahlter Sonderurlaub, der einem Mitarbeiter gewährt wird. Vorteil der ersten Variante ist jedoch, dass auch während der Auszeit weiterhin ein Gehalt bezogen werden kann, um laufende Kosten zu decken.

Die Motivation für ein Sabbatjahr ist dabei übrigens genauso individuell wie dessen Gestaltung. Die meisten Menschen nutzen es, um Zeit für sich selbst zu haben, dem stressigen Alltag zu entkommen, die Welt zu bereisen oder große Lebensveränderungen anzugehen.

Sehr klein ist jedoch der Anteil der Menschen, die ihr Sabbatjahr nutzen, um sich beruflich fortzubilden oder die Karriere voran zu bringen. Die meisten halten sich also an den Wortsinn des Sabbats als Ruhetag.

Gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatjahr?

Sabbatjahr gesetzlicher Anspruch Angestellte BeamteEine der wichtigsten Fragen zum Sabbatjahr lautet, die entsprechend oft gestellt wird, lautet: Gibt es einen gesetzlichen Anspruch darauf und muss ein Unternehmen dieses ermöglichen? Die Antwort darauf ist leider erst einmal ernüchternd, denn sie lautet Nein. Ihr Chef ist nicht automatisch dazu verpflichtet, ein Sabbatjahr anzubieten.

In diesem Fall ist der Traum von der beruflichen Auszeit aber noch nicht gleich ausgeträumt, die Herausforderung besteht vielmehr darin, den Chef oder das Unternehmen davon zu überzeugen, dass das Sabbatjahr eine für beide Seiten lohnenswerte Option ist. Was es braucht, sind stichhaltige Argumente:

  • Sie kommen mit größerem Wissen zurück. Das wahrscheinlich beste Argument, um Ihren Vorgesetzten von einem Sabbatjahr zu überzeugen. Wenn Sie in der Zeit Fortbildungen besuchen, Kurse an der Universität belegen oder eine Weiterbildung machen, bekommt das Unternehmen einen besseren Mitarbeiter zurück.
  • Sie entwickeln sich persönlich weiter. Nicht nur die fachliche Qualifikation, sondern auch Ihre persönliche Entwicklung kann für ein Sabbatjahr sprechen. In mehreren Monaten können Sie eine ganze Menge erleben, größeres Selbstbewusstsein entwickeln oder Ihre kulturelle Kompetenzen durch Reisen auf verschiedene Kontinente verbessern.
  • Sie können Kosten sparen. Viele Unternehmen denken immer nur ans Geld und befürchten, das alles teurer ist, als erwartet. Umso besser, wenn Sie diesen Einwand gleich entkräften können. Indem Sie Stunden ansammeln, entstehen Ihrem Arbeitgeber keinerlei zusätzliche Ausgaben - nur Ihr normales Gehalt, das anders verteilt wird.

    Im Falle eines unbezahlten Sonderurlaubs kann das Unternehmen sogar noch Geld einsparen oder für die Zeit entweder befristet einen anderen Mitarbeiter einstellen.
  • Sie tun etwas für Ihre Gesundheit. Arbeitgebern sollte sehr viel an der Gesundheit ihrer Mitarbeiter liegen. Gerade Stress und Überforderung können psychische Krankheiten auslösen, die schnell auch körperliche Beschwerden verursachen. Ein Sabbatjahr als Auszeit kann hier präventiv wirken oder helfen, bereits bestehende Probleme zu lösen.

Darauf sollten Sie bei einem Sabbatjahr unbedingt achten

Mehrere Monate oder gleich ein ganzes Jahr keine beruflichen Verpflichtungen, Freizeit, die so eingeteilt werden kann, wie man es selbst möchte und zusätzlich kein Stress, keine nervigen Kollegen und kein Chef, der mit immer neuen Aufgaben oder (aus eigener Sicht) vollkommen ungerechtfertigter Kritik um die Ecke kommt.

Das Sabbatjahr klingt erst einmal nach dem puren Paradies für Arbeitnehmer, dass am liebsten sofort beginnen und dann nie wieder enden sollte. Richtig umgesetzt kann dies auch so sein, allerdings sollte ein Sabbatjahr niemals als Selbstläufer betrachtet werden.

Ja, Sie haben in dieser Zeit frei, doch gerade im Vorfeld müssen Sie sich um viele Dinge kümmern, um das Sabbatjahr auch wirklich nutzen und genießen zu können.

  • Vorbereitung

    Ein Sabbatjahr ist nichts, dass sich mal eben oder kurzfristig umsetzen lässt. Es braucht einige Vorlaufzeit und gründliche Vorbereitung. Dazu zählt zunächst der private Bereich. Ein Alleingang ist bei einem Sabbatjahr nicht empfehlenswert, da es die gesamte Familie betrifft. Beziehen Sie Ihren Partner deshalb unbedingt mit ein, sprechen Sie über Ihre Gründe und Wünsche, aber auch darüber, welche Folgen das Sabbatjahr haben wird.

    Natürlich gehört zur Vorbereitung auch das Gespräch mit dem Arbeitgeber und ein rechtzeitig gestellter Antrag. Kommen Sie also nicht erst ein paar Wochen vorher mit einem Wunsch für ein Sabbatjahr, sondern geben Sie Ihrem Chef Zeit für die Organisation.


  • Vereinbarung

    Die Rahmenbedingungen für Ihr Sabbatjahr und auch für Ihre Rückkehr sollten Sie unbedingt in einer entsprechenden Vereinbarung mit Ihrem Arbeitgeber schriftlich festhalten. Ein solcher Vertrag bildet die Grundlage, ist für beide Seiten verbindlich und klärt auch alle wichtigen Fragen.

    Wichtige Punkte sind auf jeden Fall die Höhe einer möglichen Vergütung während des Sabbatjahres, die mögliche Fortführung von einer betrieblichen Altersvorsorge oder anderen Leistungen und die Modalitäten für Ihre Rückkehr nach Ende des Sabbatjahres. Nur so können Sie sicher sein, dass Sie auch wirklich auf Ihre Position - oder zumindest eine vergleichbare - zurückkehren können.


  • Planung

    Freizeit ohne Ende und endlich all das machen, wofür neben der täglichen Arbeit nie genug Zeit war. Die Freiheit während des Sabbatjahres ist enorm, doch sollten Sie trotzdem einen Plan aufstellen, welchen Dingen Sie sich in der Zeit widmen wollen. Was sind Ihre Ziele für die Auszeit? Wie lassen sich diese umsetzen?

    Nichts spricht dagegen, auch einfach mal nichts zu tun, doch das wird auf Dauer nicht nur langweilig, sondern kann auch sehr frustrierend sein. Sie wollen am Ende nicht zurückblicken und sich fragen: Warum habe ich mit all der Zeit, die mir zur Verfügung stand, nichts Sinnvolles angefangen?


  • Finanzierung

    Ein kritischer Punkt für jedes Sabbatjahr. Kaum jemand hat einfach so genügend Geld auf der hohen Kante, um unbezahlten Urlaub für mehrere Monate finanzieren zu können. Und auch wenn durch eine Teilzeitregelung Stunden angesammelt werden, fällt für einen längeren Zeitraum ein Teil des Gehalts weg - und wer hat schon jeden Monat 500 Euro zu viel, auf die er einfach verzichten kann?

    Bei unbezahltem Urlaub von mehr als einem Monat müssen Sie auch daran denken, dass Sie sich selbst um Ihre Sozialversicherung kümmern müssen. Bei der Finanzierung Ihres Sabbatjahres sollten Sie daher ganz genau kalkulieren und lieber etwas großzügiger planen, um am Ende keine böse Überraschung zu erleben.


  • Rückkehr

    Bei einem anstehenden Sabbatjahr scheint die Rückkehr an den Arbeitsplatz noch endlos weit entfernt und wirklich darüber nachdenken möchte man auch noch nicht. Allerdings sollten Sie dieses Thema nicht zu lange vor sich herschieben, denn der Wiedereinstieg kann durchaus auch mit einigen Problemen verbunden sein.

    Gerade bei langen Auszeiten empfiehlt es sich, mit den Kollegen in Kontakt zu bleiben, um weiterhin eingebunden zu sein. Außerdem ist eine langsame Rückkehr meist angenehmer, als sofort wieder ins kalte Wasser zu springen. Anstatt nach einem Sabbatjahr gleich wieder Vollzeit loszulegen, können Sie beispielsweise erst einige Tage arbeiten und die Zeit dann steigern.

Sabbatical-Kosten-Checkliste

[Bildnachweis: g-stockstudio by Shutterstock.com]