Erinnern sie sich noch an den Film „Memento“ – den Thriller, in dem die Szenen in verkehrter Reihenfolge ablaufen? Wegen eines Unfalls hat der Protagonist einen Teil seines Gedächtnisses verloren. Alles, was er gerade gesehen und erlebt hat, ist nach nur 15 Minuten schon wieder weg. Um einen Kriminalfall zu lösen, entwickelt er deshalb ein höchst komplexes System aus Polaroids, Tattoos und Notizen auf seinem Körper, um die von ihm gesammelten Spuren nicht wieder zu vergessen. Kann man so machen. Eignet sich aber nicht für den Alltag.
Wer Zahlen oder Worte besser behalten will, kann dafür eher auf klassische Mnemotechniken zurückgreifen. Die Wissenschaft empfiehlt dazu immer wieder folgende Techniken:
- Imaginieren. Versuchen Sie sich ein Bild von dem zu machen, was Sie behalten wollen und prägen Sie sich das immer wieder ein.
- Assoziieren. Versuchen Sie die Worte oder Ziffern mit einer Geschichte zu verbinden. Die lässt sich besser behalten als Abstraktes.
- Bewegen. Unternehmen Sie einen Rundgang durch Ihre vier Wände. Wählen Sie zehn markante Punkte aus, die Sie in derselben Reihenfolge immer wieder ablaufen können. Verbinden Sie nun die Begriffe oder Zahlen, die sie sich einprägen wollen, mit den Punkten aus Ihrer Wohnung. Gehen Sie dabei Schritt für Schritt vor. Wenn Sie sich später an die Daten erinnern möchten, müssen Sie nur noch vor Ihrem geistigen Auge die Route durch Ihre Wohnung abschreiten. Im Fachjargon heißt diese Technik Loci- oder Routenmethode.
In der Regel lässt sich so die Merkfähigkeit im Schnitt um zehn Prozent verbessern. Nicht allzu viel, zugegeben. Nun aber will eine neue Studie eine weitaus effektivere Methode entdeckt haben:
- Sprechen Sie es aus!
Wie die Wissenschaftler Colin MacLeod, Nigel Gopie, Kathleen Hourihan, Karen Neary und Jason Ozubko jetzt im Journal of Experimental Psychology publiziert haben, schlägt das laute Aussprechen andere Merktechniken deutlich (jedenfalls wenn es um Worte geht). In acht Experimenten, bei denen sich die Probanden eine Liste von mehreren Worten merken sollten, lag die Erinnerungssteigerung deutlich über zehn Prozent. Siehe auch Von-Restorff-Effekt.
Allerdings machten die Forscher zugleich eine Einschränkung: Einfach nur lautes Plappern hat keinerlei Effekt. Insbesondere bei größeren Texten, die Sie sich merken wollen, ist es wichtig, nur bestimmte Worte davon (die wichtigsten) laut auszusprechen und die anderen nicht.
Und ganz wichtig: Wenn Sie so einen Text üben – meiden Sie die Masse. Die Leute könnten sich sonst einen merkwürdigen Eindruck von Ihnen behalten.







U. C. A. Stephan
Zwei Anmerkungen zu dem Film “Memento”:
1. Der Protagonist hat eben nicht das Kurzzeitgedächtnis verloren (wie es in praktisch jeder Beschreibung des Films steht), sondern einen Teil des Langzeitgedächtnisses. Er erinnert sich einerseits an sein Leben vor dem Unfall, andererseits an die jeweils letzten 15 Minuten, die Zeit dazwischen ist “weg”. (Ist umständlich zu erklären, aber an dieser Konstruktion hängt nun mal die Idee des Films.)
2. Der Protagonist hat den Gedächtnisschaden, nicht der Darsteller.
Ansonsten: Guter Artikel, besonders der letzte Punkt, zum Laut-Aussprechen, gefällt mir. Mir hilft das vor Allem, um mir klar zu werden, was ich eigentlich sagen will. Fürs anschließende Merken hab ich es noch nicht verwendet, werd ich mal ausprobieren.
Jochen Mai
Danke für den Hinweis. Das mit dem Darsteller war in der Tat missverständlich, was die Sache mit dem Gedächtnis anbelangt, bin ich mir aber nicht so sicher. Werd mir den Film noch mal anschauen (lohnt sich ja). Hab daher eine neutrale Formulierung gewählt.
Andreas
Diese so genannten Merktechniken sind im Detail auf dieser Website beschrieben: http://sites.google.com/site/gedaechtnistraining2/basistechniken – und es gibt auch ein extra Kapitel für die Routemethode.
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