Man kann über aller reden, nur nicht über 20 Minuten! Das hübsche Bonmot, das leider viel zu wenige Langzeit-Oratoren und Powerpoint-Präsentäter beherzigen, ist in meinen Augen einer der wichtigsten Imperative für einen gulungenen Vortrag, denn er beinhaltet gleich drei weitere:

  • Fasse dich kurz!
  • Langweile nie dein Publikum!
  • Was nicht in 20 Minuten gesagt werden kann, ist nicht genug durchdacht!

Nun ist eine Rede in der Regel eine kommunikative Einbahnstraße – einer redet, viele hören zu – und damit die Ausnahme. Wenn wir mit anderen Menschen sprechen, plaudern, uns unterhalten, dann gleicht das vielmehr einem Pingpong-Spiel, jedenfalls wenn es inspirierend sein soll. Auch hierfür gelten bestimmte Prinzipien. Über das Projektmanagement Blog bin ich wieder auf jene Grundregeln gestoßen, die der österreichische Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick entwickelte und die in der Tat jeder im Hinterkopf haben sollte, der mit anderen Menschen kommuniziert oder zusammenarbeitet:

  1. Man kann nicht nicht kommunizieren. Selbst wer schweigt, redet: Entweder mit dem Körper oder durch den Abbruch der Kommunikation, was ebenfalls eine Aussage ist. Damit ist allerdings auch klar: Es ist weniger entscheidend, was A sagt, sondern vielmehr was bei B ankommt.
  2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt. Der Beziehungsaspekt bestimmt den Inhaltsaspekt. Man kann noch so viel sagen, mit allem wird auch deutlich, welche Beziehung wir zum anderen haben. Und so wird auch der Inhalt des Gesprochenen interpretiert.
  3. Wenn zwei Personen zusammen sprechen oder handeln, bedingt immer das Verhalten der einen Person das Verhalten der anderen. Dabei erleben beide oft das Verhalten der anderen jeweils als Ursache des eigenen Verhaltens. Ein Klassiker bei Beziehungsproblemen! So entsteht leicht eine Abwärtsspirale, aus der beide nicht mehr herausfinden: Sie nörgelt, er zieht sich zurück, darüber nörgelt sie, er zieht sich weiter zurück. Er glaubt, dass er sich zurückzieht, weil sie nörgelt. Sie glaubt, dass sie nörgelt, weil er sich zurückzieht. Ein einziger Kommunikations-GAU aus dem man nur durch Wechseln in die Metaebene entkommt.
  4. Kommunikation findet durch Sprache und Körpersprache statt. Sprache geht den Umweg über Symbole, Körpersprache drückt direkt aus, worum es geht. Sprache kann komplizierte Verbindungen herstellen und Überbegriffe finden, ist aber weiter von der menschlichen Gefühlswelt entfernt als Körpersprache. Deswegen ist der Körper immer auch ein Verräter. Merke: Die Zunge kann lügen – der Körper nicht.
  5. Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Ungleichheit beruht. Das Spannende an dieser Regel ist, dass man sie auch bewusst einsetzen kann, um Sympathien zu wecken oder den anderen für sich zu öffnen: Spiegeln Sie sein Verhalten, seine Körpersprache. Legt er sein rechtes Bein über das linke, machen Sie das kurz darauf ebenfalls. Bauen Sie dieselben Schlüsselwörter in Ihre Sätze ein (natürlich ohne den anderen nachzuäffen!). Das schafft ein unsichtbares Band. Mit der Zeit können Sie versuchen, ob das Band stark genug ist, dass auch er Ihnen folgt. Dass das Ganze funktioniert, lässt sich übrigens hervorragend an Frischverliebten beobachten: Auch die synchronisieren regelmäßig ihr Kommunikationsrepertoire.