Bald, in nicht allzu ferner Zukunft, werden wir uns kennen, bevor wir uns kennen. Fremde Menschen werden sich beim Geschäfts- oder Abendessen zum ersten Mal begegnen und auf gegenseitiges Vorstellen ebenso verzichten können wie auf zeitraubenden Smalltalk:
„Mein Name ist…“
„Nein, sagen Sie nichts! Sie sind Peter Müller, ich weiß alles über Sie – ich habe Sie bereits gegoogelt!“

Weil heute kaum noch Zeit bleibt, vertrauensvolle Beziehungen zu den Menschen aufzubauen, mit denen wir in wechselnden Teams oder Projekten arbeiten, mit denen wir Geschäfte machen wollen, bleibt das einzige Indiz für ihre Vertrauenswürdigkeit ihr guter Name, ihr Image, ihr Ruf. Mundpropaganda avanciert zur mächtigsten Kommunikationsform in der modernen Geschäftswelt – zum Karriereturbo oder zum Karrierekiller. Sogar privat wird die persönliche Reputation immer entscheidender: Vermieter googeln ihre Mieter in spe, bevor die überhaupt einen Fuß in die Tür bekommen; wer umziehen will, späht vorsorglich seine künftigen Nachbarn aus – samt deren Gartenarrangement via Online-Satellitenbild. Und auch Blinddates verlaufen keinesfalls mehr so blind wie der Name suggeriert. Wer einen Internet-Anschluss hat, riskiert keine Überraschungen.

Aus Schein wird sein. Was die Leute über uns im Internet lesen, prägt immer mehr unseren guten oder schlechten Ruf. Zu dem Thema habe ich in der aktuellen WirtschaftsWoche eine längere Geschichte geschrieben, die sich vor allem damit beschäftigt, wie man seine Reputation im Web 2.0 verbessern kann. Das hat viel mit Einträgen und Verlinkungen in sozialen Netzwerken zu tun, aber auch mit Suchmaschinenoptimierung, von der ich überzeugt bin, dass sie künftig auch für Privatpersonen immer wichtiger wird. Denn darum geht es letztlich: Was wird über mich, über Sie bei Google & Co. zuerst gefunden?

FakemanWer an seinem Online-Ruf arbeitet, kann im Netz Daten weder löschen noch korrigieren, sondern allenfalls relativieren und choreografieren. Vielleicht erinnern Sie sich noch an Reiner Fakeman. Die fiktive Figur erweckte ich im November 2006 zum Leben und erzeugte dazu einige Einträge im Netz: Reiner bekam ein eigenes Blog, einen Myspace- sowie einen Flickr-Account. Bei Xing versuchte ich es auch – aber da flog der Fakeman binnen eines Tages wieder raus: Keine Fakes erlaubt! Damals ging es darum, an der Kunstfigur in Echtzeit zu beobachten, welche Kreise diese Einträge im Internet ziehen. Aber auch: Was passiert, wenn andere, insbesondere Blogger über Reiner Fakeman schreiben? Es ging um seine Googlability. Damals verselbstständigte sich das Projekt: Über 30 Blogger berichteten über das Online-Experiment, manche dichteten Reiner ein aufregendes Party-Leben an, erstellten für ihn weitere Fake-Profile. All das wird inzwischen gefunden.

Was aber, wenn diesem Fakeman das alles heute reichlich unangenehm wäre? Was, wenn er nicht mehr möchte, dass diese Geschichten gefunden werden und er manches jetzt gerne richtigstellen würde, ein Jahr später? Schwierig. Immerhin: Sein Blog ist bis dato sehr prominent, Google listet es nach wie vor an erster Stelle. Er könnte also dort gezielt gegen Verleumdungen anschreiben. Schon an vierter Stelle taucht aber bereits ein Beitrag mit dem wenig schmeichelhaften Titel auf “Reiner Fakeman total betrunken!” Ein Karrierekiller, falls sich Reiner mal bewerben müsste.

Seit einiger Zeit gibt es spezielle Dienstleister im Netz, die dabei helfen wollen, die Online-Reputation zu verbessern. Ich schrieb darüber bereits hier im Blog. Einer davon ist MyOn-ID – ein deutsches Startup aus München. Warum also nicht den Praxistest machen? Halten die Dienste, was sie versprechen? Sie werden es sehen: Seit heute hat Reiner Fakeman auch bei MyOn-ID ein eigenes Profil, und Sie sind herzlich eingeladen, wieder in Echtzeit zu beobachten, wie sich das auf seinen Ruf auswirkt. Oder Sie wirken selbst an seinem Image mit – so oder so… Es ist ja nur ein Fakeman.