Sagen wir es, wie es ist: Es gibt Angewohnheiten, die machen das Leben leichter. Das Glas Wein am Abend oder die warme Dusche am Morgen. Dummerweise hat auch diese Medaille eine zweite Seiten: die der schlechten Angewohnheiten, Unsitten und Untugenden. Die machen nicht nur uns das Leben schwer, sondern ganz häufig auch unseren Mitmenschen. Und einige davon verkürzen sogar das Leben dramatisch – Kettenrauchen zum Beispiel oder übermässiger Alkoholkonsum. Besonders stark und oft sind wir diesen Untugenden am Arbeitsplatz ausgesetzt. Nicht nur, weil wir dort die meiste Zeit des Tages verbringen, sondern auch, weil dieser Ort scheinbar in vielen ihre dunkle Seite weckt.

Welche die vier schlimmsten Angewohnheiten im Job sind sowie mögliche Erklärungsversuche und Tipps, was sich dagegen tun lässt, haben wir in der folgenden Liste zusammen getragen:

  • Lug- und Betrug
  • Eine der faszinierendsten und zugleich vielseitigsten Eigenschaften des Menschen ist sein Hang zum Lügen und Betrügen. Die Welt will ganz offenbar belogen werden. Sechs von zehn Deutschen sind überzeugt, dass sich Ehrlichkeit nicht immer auszahlt. Fast jeder Zweite meint, dass einem die Wahrheitsliebe leicht als Naivität und Dummheit ausgelegt werden könne und weit mehr als jeder Dritte glaubt sogar, dass zur Lüge greifen muss, wer Karriere machen will. Die Lüge gehört zum Alltag wie Zähneputzen oder Stuhlgang. Durchschnittlich wird der Mensch alle acht Minuten belogen, hat der Psychologe Gerald Jellison von der Universität von South Carolina ermittelt. Während einer zehnminütigen Konversation belügen sich 60 Prozent aller Gesprächspartner bis zu drei Mal. Solche beiläufigen Flunkereien sind den Urhebern meist gar nicht bewusst, machen aber fast ein Drittel aller Lügen aus. Der Rest: 41 Prozent der Menschen lügen, um sich Ärger zu ersparen und keine Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen zu müssen, 14 Prozent um sich das Leben zu erleichtern, acht Prozent, um die eigene Beliebtheit zu steigern und sechs Prozent aus purer Faulheit. Mag sein dass der Deutsche sonntags die Wahrhaftigkeit preist und feiert, aber alltags wird geschummelt, erfunden, vernebelt, vertuscht, verfälscht, erstunken und erlogen, dass sich die Balken biegen.

    Es ist aber auch so: Immer wenn das Selbstwertgefühl eines Menschen bedroht wird, neigt er zur Unwahrheit. Je größer die Gefahr beziehungsweise die Bedrohung, desto phantasievoller werden die aufgetischten Geschichten. Das heißt in Vorstellungsgesprächen wird öfter mal getrickst, schließlich möchte man den Job bekommen und die drohende Absage um jeden Preis verhindern. Das böse Erwachen kommt meist noch in der Probezeit. Dieser Überzeugung ist zumindest Robert Feld, Psychologe an der University of Massachusetts.

      60 Prozent der Menschen lügen wenigstens einmal während eines zehnminütigen Gesprächs.

    Natürlich gibt es auch ein paar Merkmale, an denen Sie erkennen können, ob jemand die Wahrheit sagt (oder nicht):

    • Der Verdächtige schildert die Ereignisse widerspruchsfrei und logisch.
    • Die Erzählung ist unstrukturiert. Es werden viel Details berichtet, darunter ebenso ungewöhnliche wie überflüssige. Teilweise werden sogar körpersprachliche Merkmale des Gegenübers beschrieben.
    • Die Geschichte wird räumlich und zeitlich verknüpft und ist dadurch nachprüfbar.
    • Gespräche werden wiedergegeben, aber auch Gefühle und eigene Gedanken dabei. Womöglich auch Komplikationen und unverstandene Handlungen.
    • Der Betroffene zieht Querverbindungen zu ähnlichen Vorgängen.
    • Im Gespräch werden spontan eigene Aussagen korrigiert – man hat ja nichts zu verbergen.
    • Es kommt manchmal sogar zur Selbstbelastung: Der Verdächtige äußert Bedenken gegen die eigene Glaubwürdigkeit seiner Aussagen.

  • Diebstahl und Bereicherung
  • Wen wir etwas unbedingt haben wollen, können wir uns das Geld dafür auf ehrliche Art und Weise verdienen – oder wir nehmen es uns einfach, schnell und illegal. Im Büro geht das besonders gut: Tesafilm, einen neuen Radiergummi für die Kinder, Kopierpapier – selbst Klopapier gehört zu den Utensilien die Unternehmen regelmäßig auf unerklärliche Weise verschwinden. Natürlich gibt es auch den notorischen bis krankhaften Zwang zum Klauen. Für sogenannte Kleptomanen geht es dabei um Adrenalin und die Befriedigung von Zwängen, weniger um die profane materielle Bereicherung. Parallelen dazu gibt es sogar im Tierreich: Forscher entdeckten Kapuzineraffen, die üblicherweise ihre Artgenossen durch lautes Rufen vor Fressfeinden warnen. Manche Tiere in der Horde lösen aber gerne auch mal einen Fehlalarm aus, um anschließend die Futterreste der Geflüchteten zu stehlen.

    Damit Sie sich nicht zum Affen machen, sieben Tipps für die Diebstahl-Prävention im Büro:

    • Achten Sie auf fremde Personen und fragen Sie diese freundlich nach dem Grund ihres Besuchs.
    • Helfen Sie Ihren Kollegen, wenn die etwas liegen lassen. So schaffen Sie eine Vertrauensbasis.
    • Nehmen Sie kein Büromaterial ohne Zustimmung Ihres Arbeitgebers mit nach Hause.
    • Nutzen Sie abschließbare Schränke und lagern Sie dort Ihre Wertsachen.
    • Nutzen Sie die technischen Möglichkeiten der Zutrittskontrolle.
    • Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
    • Verwenden sie sichtbar getragene Firmenausweise, um Mitarbeiter von Fremden unterscheiden zu können.

  • Mobbing und Gewalt
  • Gewalt ist Teil der Weltgeschichte und auch heute werden wohl wieder unzählige Menschen Opfer von Gewalt. Manche Wissenschaftler wollen belegen können, dass wir uns nach Gewalt regelrecht sehnen. Ihrer Meinung nach würde sie das Belohnungssystem in unserem Gehirn ansprechen. Einer Studie von Craig Kennedy zufolge, sehen wir uns in gleicher Weise nach Gewalt, wie nach Sex, Essen oder Drogen. Der Professor der Vanderbilt Universität kam 2008 zu diesem Schluss, während er an Mäusen experimentierte:

    Wir haben entdeckt, dass das Belohnungszentrum tatsächlich durch Gewalt oder aggressive Momente angesprochen wird.

    Wenn Gewalt im Büro auftaucht, ist das jedoch alles andere als eine Belohnung oder ein Kavaliersdelikt, sondern vielmehr eine Straftat, die noch nicht einmal körperlich geschehen muss. Ein cholerischer Chef ist für zartbesaitete Menschen bereits ein unerträglicher psychischer Gewalttäter. Oder denken Sie an typisches Mobbing.

    Eine amerikanische Studie ergab, dass fast 30 Prozent der Arbeitnehmer von ihren Vorgesetzten und/oder Kollegen tyrannisiert beziehungsweise Opfer von Mobbing sind. Die Intensität reicht von der schlichten Unterdrückung von wichtigen Informationen, über die obligatorische Gerüchteküche bis hin zu schwerwiegenderen Formen der Demütigung. Sarah Tracy, von der Arizona State University rät dazu folgendes:

    Mobbing folgt den Gesetz der Eskalationsspirale und beginnt oft auf sehr subtile Weise. Daher sollten Sie ruhig bleiben und versuchen sachlich zu argumentieren.

    Sieben weitere Tipps gegen Mobbing im Büro:

    • Der Angreifer muss merken, dass er es mit einem Gegner zu tun hat, der sich wehrt.
    • Notieren Sie, von wem und wann sie gemobbt werden.
    • Suchen Sie das Gespräch, aber greifen Sie den anderen nicht persönlich an.
    • Wenden Sie sich direkt an Ihren Arbeitgeber oder besser noch: an den Betriebsrat.
    • Suchen Sie Unterstützung bei Kollegen, so merkt der Mobber, dass Sie nicht alleine dastehen.
    • Sprechen Sie mit Vertrauten über Ihr Problem oder notfalls auch mit einem Psychologen.
    • Lassen Sie sich nicht unterkriegen, ein Jobwechsel sollte Ultima ratio sein.

  • Klatsch und Tratsch
  • „Wo immer in der Kommunikation ein Vakuum entsteht, werden Gift, Müll und Unrat hineingeworfen“, schrieb einst der britische Publizist Cyrill N. Parkinson. Stimmt. Klatsch ist regelrechter Balsam für unser Hirn. Anfang 2006 untersuchte der Wissenschaftler Alex Mesoudi von der schottischen St. Andrews Universität dessen Wirkung, ließ seine Probanden dazu vier Texte lesen und anschließend zusammenfassen. Dieses Vademecum wurde von weiteren Probanden gelesen und noch mal kondensiert. Nach vier Textgenerationen verglich der Forscher schließlich das Ergebnis mit dem Original: Im Gedächtnis besonders gut haften geblieben waren jene Passagen, die pikante Details wie Lügen und Untreue enthielten. Sie wurden genauer wiedergegeben und auch umfangreicher als jene Passagen, die ausschließlich Fakten zu einer Person transportierten.

    Wir Menschen sind darauf getrimmt, über andere zu reden und Wertungen abzugeben. Es scheint uns angeboren zu sein. Allerdings spielt auch hierbei das Selbstwertgefühl eine entscheidende Rolle: Klatsch und Tratsch stellen soziale Bindungen zu unseren Mitmenschen her und stärken gleichzeitig unser Ego, indem wir andere Personen abwerten. Gerüchte verbinden also, gemeinsames Lästern macht Rivalen zu Freunden. Sie trennen aber auch und grenzen ab – den Verbund gegen den unliebsamen Dritten. Im Büro können solche Lästereien einerseits die Produktivät erhöhen, sie sind aber auch gefährlich. Das kurzfristige Überlegenheitsgefühl, etwas zu verkünden, was noch keiner weiß, kann sich schnell als Pyrrhussieg erweisen. Erstens, weil immer etwas vom Dreck am Werfer kleben bleibt. Zweitens, weil lästern nicht gerade von einem noblen Charakter zeugt. Drittens, weil sich die Mitteilung als unwahr herausstellen kann. Dann gilt der Urheber entweder als Lügner oder als ahnungsloser Wichtigtuer. Und kaum etwas schadet der Laufbahn so sehr wie das Image einer verorteten undichten Stelle.

    Vorab noch sieben Tipps, wie Sie auf üble Gerüchte reagieren sollten:

    • Ist der Vorwurf berechtigt, ist es unerheblich, von wem die Enthüllung stammt. Leugnen wäre absolut verkehrt. Sie haben Mist gebaut und sind aufgeflogen – stehen Sie dazu! Entschuldigen Sie sich – wenn es sein muss auch öffentlich –, aber bleiben Sie sachlich und souverän. Was auch gut ist: eine kurze (!) Erklärungen wie der Lapsus passieren konnte und wie Sie gedenken, ihn künftig zu verhindern. Punkt.
    • Ist das Gerücht indes völlig an den Haaren herbei gezogen, gibt es nur eine richtige Reaktion: Weisen Sie die Vorwürfe umgehend und begründet zurück! Beides ist wichtig: Zögern Sie zu lange, sieht es so aus als könnte doch etwas dran sein. Liefern Sie keinen Gegenbeweis, verpufft die Replik. Aber auch hier gilt: So wenig Emotionen wie möglich. Es war ja nichts dran!
    • Zum Absender: Nicht immer ist dieser bei Klatsch und Tratsch eindeutig zu ermitteln. Aber es gibt Indizien: Was könnte mit dem Gerücht bezweckt werden? Wer profitiert davon am meisten? Das muss nicht unmittelbar ein Kokurrent im Rennen um die Beförderung sein. Manch einer versucht sich auch dadurch zu profilieren, dass er ein besonders prominentes Ziel attackiert. Die damit verbundene Aufmerksamkeit nutzt vor allem ihm – ohne dass er selbst ein lohnendes Ziel abgäbe.
    • In diesem Fall ist die Teflon-Strategie die beste: Ignorieren Sie den Kläffer. Stört es den Mond, dass ihn der Wolf anheult? Eben. Zeigen Sie ihm die kalte Schulter, während Sie ein paar Freunde diskret bitten, für Sie Stellung zu beziehen und Ihre Qualitäten und Referenzen hervorzuheben. Oft geben solche Typen schnell auf, wenn sie kein williges Opfer finden.
    • Handelt es sich dagegen um eine falsche Anschuldigung seitens eines Rivalen, der vorhat, Sie damit zu kompromittieren, gibt es wiederum zwei Alternativen: Erstens, der Typ ist bekanntermaßen ein fieser Wadenbeißer. Solche Typen können Sie ebenfalls getrost vergessen. Auch wenn einige daraufhin die Attacke verstärken, sie sägen dabei nur am eigenen Stuhl und outen sich als Neider und Mickerling. Je souveräner Sie jetzt bleiben, desto erhabener und größer wirken Sie. Eigentlich müsste man ihm fast dafür danken.
    • Falls der Gerüchtestreuer jedoch ein Prestige-Schwergewicht ist und über eine hohe Reputation im Unternehmen verfügt, müssen Sie unbedingt kontern. Zunächst unter vier Augen: Sagen Sie ihm, dass Sie sein Verhalten weder gutheißen noch tolerieren und im Zweifel juristische Schritte einleiten. Gibt er dennoch nicht auf, müssen Sie an die Öffentlichkeit gehen. Damit ist nicht gleich die Presse gemeint, ein größeres Meeting reicht für den Anfang. Offenbaren Sie sein unprofessionelles Vorgehen, liefern Sie Gegenbeweise, bleiben Sie allerdings stets locker und amüsiert. Zeigen Sie ihm, dass Sie sich über so viel Aufmerksamkeit freuen. Schade nur, dass er mit seinen Vermutungen völlig falsch liegt. Die meisten Verleumder geben danach auf. Es schadet aber nicht, wenn Sie den gesamten Verlauf seiner Aktionen dokumentieren und Zeugen sammeln – nur für den Fall, dass er doch nicht aufgibt. Verleumdung ist strafbar und kann eine Geldbuße oder gar eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren nach sich ziehen.
    • Und wenn gar nichts hilft, bleiben Ihnen noch zwei Alternativen: der Gang zum Chef (falls der nicht dahinter steckt) oder die Kündigung. Bei ersterem ist wichtig, dass Sie Ihren Vorgesetzten auf seine Fürsorgepflicht aufmerksam machen. Bleiben Sie aber sachlich! Wer jammert und sich klein macht, ramponiert seinen Ruf. Und auch wenn Ihnen der Heldennotausgang Kündigung wie eine Niederlage erscheint: ein Unternehmen mit einer Intrigantenkultur hat Sie nicht verdient!

    Und darüber hinaus nehmen Sie sich bitte noch die Weisheit aus dem neuen Testament, Lukas 14,11, zu Herzen:

    Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.