Schon doof: Das trifft man auf alte Bekannte – auf einem Kongress, im neuen Unternehmen, auf einer Party – und so sehr wir uns auch anstrengen, die Hirnwindungen wollen partout nicht den Namen zu dem Gesicht herausgeben. Klassischer Fall von schlechtem Namengedächtnis. Was bleibt, ist peinllich berührt zu stammeln: “Wie war doch gleich Ihr Name?”. Irgendwie unprofessionell. Gibt es dazu keine Alternativen, Tipps oder Tricks, wie wir uns Namen besser merken können und das Namengedächtnis trainieren? Doch, gibt es!
Dazu muss ich allerdings kurz ausholen. Oft hat es nämlich einen ganz simplen Grund, warum wir uns Namen so schlecht merken: Wie nehmen sie als solche gar nicht richtig wahr. Klar, hören wir zu, wenn uns ein Fremder vorgestellt wird. Aber eben nicht aufmerksam und bewusst genug. Womöglich spricht unser Gegenüber seinen Namen auch nicht deutlich genug aus, nuschelt oder murmelt ihn dahin. Und uns ist es irgendwie unangenehm, nachzufragen: Entschuldigung, das habe ich nicht verstanden: Wie war doch gleich ihr Name? Dabei wäre das ein wesentlicher und wichtiger Schritt, den Namen bewusster wahrzunehmen. Und es ist überhaupt nicht peinlich – im Gegenteil: Es drückt echtes Interesse aus. Sie wollen wirklich wissen, wie Ihr Gegenüber heißt. Also haken Sie ruhig nach, sprechen Sie komplizierte Namen noch einmal selber aus und fragen Sie, ob das so korrekt war. All das dokumentiert nur Wertschätzung – und obendrein lernen Sie den Namen besser, indem Sie ihn wiederholen.
Sieh mir in die Augen!
Der zweite Trick ist, unserem Gegenüber dabei tief in die Augen zu sehen. Kein Witz! Das ist auch kein überambitionierter Flirtversuch. Britische Psychologen um Charlie D. Frowd haben erst kürzlich in ihren Untersuchungen zeigen können, dass das Gesicht, speziell die Augen, entscheidend sind, wenn es darum geht, sich einen Namen zu merken. Merkmale wie Haare, Frisur, Figur oder Kleidung hatten kaum einen Effekt. Hinzu kommt: Frisuren und Moden wechseln, Gesichter altern, aber die Augen bleiben mehr oder weniger immer gleich. Wenn wir uns beim bewussten Memorieren von Namen zugleich auf die Augen konzentrieren, schenken wir unseren grauen Zellen eine verlässliche Konstante und weitere Synapse, die uns später den Namen umso leichter wieder einfallen lässt.
Den dritten Trick kennen Sie sicher schon: Bauen Sie sich eine Eselsbrücke. Namen sind etwas Abstraktes, unser Gehirn tut sich regelmäßig schwer damit, solche Dinge zu lernen. Ganz anders bei Bildern, Geschichten, Emotionen und anderen sinnlichen Eindrücken. Der Trick ist, sich künstlich zum Namen solche sinnlichen Assoziationen zu schaffen. Ein Beispiel: Angenommen, Ihre neue Bekanntschaft heißt Peter Schneider. Ein Allerweltsname – und damit meist wieder schnell vergessen (Falls Sie Peter Schneider heißen: Entschuldigung). Wenn Sie bei Peter aber jetzt etwa an den Geißenpeter, den Ziegenhirten und Alm-Freund von Heidi denken und wie dieser mal wieder zum Schneider muss, weil seine Hosen so abgewetzt sind, haben Sie eine nette kleine Geschichte zum Namen geschaffen, die Sie so schnell nicht mehr vergessen.
Namen aussprechen und nutzen!
Es gibt Trainer, die empfehlen, den neuen Namen mindestens drei Mal aktiv zu benutzen und im Gespräch zu verwenden, damit man ihn wirklich lernt. Ich weiß nicht, ob man sich unbedingt auf die Zahl Drei versteifen sollte. Das kann auch ganz schnell aufdringlich wirken, wenn Ihr Gegenüber Ihren Namen in jedem zweiten Satz einbaut. Aber das Prinzip dahinter ist richtig: Je öfter Sie den Namen im Zusammenhang mit dieser Person benutzen, desto besser prägt er sich ein.
Aufschreiben (aber mit der Hand) ist ebenfalls hilfreich. Was in der Moderne aber auch sehr gut funktioniert: Fragen Sie den neuen Kontakt, ob Sie seine Nummer und E-Mail gleich in Ihr Smartphone eintragen dürfen. Falls Ihr Gegenüber das bejaht, machen Sie gleich noch ein Foto dazu. Der Trick: Haben Sie an einem Abend mehrere Menschen und Namen kennengelernt, können Sie so tags darauf noch einmal alle bequem am Handy durchgehen, lernen und sich besser einprägen.
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Ilona Cosack
“Wie war doch gleich ihr Name?”
Bitte nicht, die Person lebt ja noch.
Besser: Entschuldigung, ich habe Ihren Namen nicht verstanden. Bitte buchstabieren Sie ihn mir.
Oder: Habe ich Ihren Namen richtig verstanden, Sie heißen Schnurzpurz?
Oder: Herr Schnurzpurz, wie schreibe ich Ihren Namen richtig?