Schlüsselwörter in der Bewerbung

Ein Gastbeitrag von Rita Seidel

Stark vereinfacht lässt sich sagen: Der Bewerber passt dann zur offenen Stelle, wenn er in den Augen des suchenden Unternehmens die relevanten und unverzichtbaren Kenntnisse mitbringt. Erste Quelle für diese Entscheidung sind die Texte, in denen sich der Bewerber präsentiert: Bewerbungsanschreiben, Lebenslauf, Tätigkeitsbeschreibung, Zeugnisse - und die Profile in Jobbörsen oder sozialen Netzwerken. Einstellungsverantwortliche suchen in solchen Texten zuerst nach bestimmten Begriffen – nach Schlüsselwörtern, in denen die Fachkompetenz und Erfahrung des Bewerbers sichtbar werden. Der Grund: reine Arbeitseffizient. Das heißt aber auch: Sie können die Chancen Ihrer Bewerbung verbessern, wenn Sie die aus Unternehmenssicht richtigen Schlüsselwörter verwenden. Und die lassen sich mit ein wenig Systematik leicht finden...

Schlüsselwörter finden: im Jobinserat

In Stellenanzeigen finden sich die entsprechenden Schlüsselwörter in der Regel leicht: in den Aufzählungen der geforderten Kenntnisse und Erfahrungen, oft als Muss- oder Kann-Kriterien aufgeführt. Die Reihenfolge gibt meist schon Hinweise auf die jeweilige Wichtigkeit. Bewerber brauchen hier in der Regel nur die jeweilige Liste abzuarbeiten:

  • Was davon kann ich?
  • Was davon weiß ich?
  • Wie umfangreich ist mein Wissen?
  • Wie kann ich dies durch Zertifikate, Erfahrungen und Erfolge belegen?

Auch wenn Ihnen der Jobtitel sofort ins Auge sticht und die gesuchte Position auf den ersten Blick voll Ihrem Profil entspricht - die Mühe einer schriftlichen Keyword-Analyse sollten Sie sich machen.

Dazu notieren Sie sich die im Inserat aufgeführten Schlüsselwörter in einer art Tabelle und setzen die eigenen Erfahrungen und Kenntnissen in Beziehung dazu, nach Aktualität und Umfang gewichtet.

So lässt sich schnell ermitteln, wie hoch der Abdeckungsgrad zwischen gebotenen und gesuchten Eigenschaften ist. Daraus ergibt sich dann auch ein erster Anhaltspunkt für die Erfolgsaussichten der Bewerbung.

Tipp: Je prominenter die im Inserat verwendeten Schlüsselwörter in der eigenen Bewerbung hervortreten, umso stärker ist deren erster Eindruck. Manche Unternehmen setzen sogar spezielle Software zur Bearbeitung eingehender Bewerbungen ein, vor allem in Bereichen mit hohen Bewerberzahlen. Diese analysiert das Vorkommen solcher Schlüsselwörter in Bewerbungen und trifft so eine Vorauswahl. Hier hilft es enorm, möglichst genau die im Inserat verwendeten Schlüsselwörter aufzugreifen, um den automatisierten Teil des Bewerbungsprozesses erfolgreich zu passieren.

Schlüsselwörter verwenden: in Jobportalen und sozialen Netzwerken

Das persönliche Profil in Jobportalen und sozialen Netzwerken, wie beispielsweise Xing oder Linkedin, ist nicht nur eine Anlaufstelle für Vermittler und Headhunter, oft ist es auch die erste Instanz, die von Personalern nach dem Eingang einer mobilen Bewerbung besucht wird.

Aufgrund der Multiplikator-Funktion des Profils lohnt es sich, Zeit und Sorgfalt in die eigene Präsentation zu investieren und alle gebotenen Möglichkeiten auszunutzen. Wer über die Selbstdarstellung in einem Jobportal oder einem sozialen Netzwerk schnell und verlässlich einen neuen Job finden will, sollte alle dortigen Texte dem Karriereziel anpassen. So:

  • Weil die Suche/Biete-Rubriken in Jobportalen und sozialen Netzen gerne von Suchalgorithmen ausgewertet werden, sollten Sie gerade diese mit Schlüsselworten füttern. Und zwar jenen, die für das angestrebte nächste Karriereziel allgemein gefordert werden. Beispiele hierfür bieten die Kompetenzanforderungen von vergleichbaren Stellenangeboten. Auch wenn solche Netzwerk-Rubriken technisch gesehen beliebig lang werden dürfen, ist es empfehlenswert, sich auf die wesentlichen Punkte zu beschränken. Auch die wahrgenommenen Rollen und Aufgaben innerhalb der beruflichen Stationen sollten unter diesem Aspekt gefiltert werden. Zu viel Länge senkt die Aussagekraft eher, als dass sie sie fördert.
  • Die Darstellung in solchen Portalen erlaub Ihnen ebenso, Synonyme einzugeben. Synonyme Begriffe können Ihre Sichtbarkeit für Suchalgorithmen nicht nur erhöhen, Sie werden so auch unabhängiger gegenüber dem unternehmenstypischen Sprachgebrauch: Je mehr diverse Keywords Sie einstreuen, desto eher werden Sie gefunden falls ein Personaler diesen Schlüsselbegriff verwendet und ein Headhunter jenen.

Schlüsselwörter verwenden: in der Initiativbewerbung

Ausgangspunkt für eine Initiativbewerbung ist zunächst das persönliche Karriereziel. Man weiß zwar, für welchen Arbeitgeber man tätig werden möchte, kennt aber das genaue Berufsprofil noch nicht. Das erschwert die Suche nach geeigneten Schlüsselwörtern natürlich.

Diese zu finden, ist aber nicht unmöglich:

In dem Fall hilft eine Schlüsselwortanalyse der eigenen Fähigkeiten, gewichtet nach deren Aktualität und Umfang und in entsprechende Reihenfolge gebracht. Die so entstandene Schlüsselwortliste ist letztlich ein umfassendes Kompetenzprofil von Ihnen - unabhängig von einer spezifischen Bewerbung.

Wenn Sie sich jetzt für eine Initiativbewerbung bei einem bestimmten Unternehmen entscheiden, müssen Sie diese Liste allerdings noch den gebräuchlichen Keywords des potenziellen Arbeitgebers anpassen, sie also praktisch übersetzen. Als Wörterbuch kann Ihnen die Unternehmenswebsite dienen sowie weiter Publikationen und PDFs des Unternehmens, die Sie im Internet finden können.

Achtung: Keywords sind keine Floskeln!

Verwechseln Sie Schlüsselbegriffe aber bitte nicht mit Standard-Floskeln in Bewerbungsbriefen. Selbstbeschreibungen mit Attributen wie motiviert, leistungsbereit, teamorientiert, flexibel, offen für Neues sagen wenig aus. Auch der Hinweis, man suche eine spannende Herausforderung, hilft nicht weiter. Was für ihn spannend und herausfordernd ist, weiß schließlich nur der Schreiber selbst, nicht der Personaler.

Solche kaum aussagekräftigen Begriffe sind zudem als Differenzierungsmerkmal völlig ungeeignet - sie finden sich zuhauf in Bewerbungstexten. Es schadet also nicht, auf diese Begriffe zu verzichten.

Schlüsselwörter verwenden: im Lebenslauf

Die Schlüsselwortanalyse liefert das Gerüst für Ihre Bewerbung. An ihrem Ende steht fest, welche Details untergebracht werden müssen.

Fehlt noch die Zuordnung, was im Anschreiben und was im Lebenslauf Platz findet – ein doppelter Einbau schwächt die Aussagekraft.

Bislang haben Sie sich vor allem auf das Anschreiben und Netzwerk-Profil konzentriert. Nun gilt es, auch den Lebenslauf entsprechend zu optimieren:

Der heute übliche Lebenslauf listet alle beruflichen Stationen in umgekehrter Reihenfolge auf, also die aktuellste zuerst (sogenannte amerikanische Variante). Die Bedeutung einzelner Abschnitte des Werdeganges für den angestrebten Job ist aber unterschiedlich. Daher lohnt es sich, die Details des Lebenslaufs durch das Ergebnis der Schlüsselwortanalyse anzupassen und zu gewichten. Heißt: Es werden jene Aufgaben, Rollen und Projekte ausführlich dargestellt, die einen Bezug zu den Schlüsselwörtern haben – auch dann, wenn diese Wertigkeit nicht deckungsgleich mit der Chronologie des Werdeganges ist.

Ausgehend vom umgekehrt chronologischen Aufbau bleiben die relevanten Abschnitte in Langform, alle anderen werden bis auf eine minimale Etappenbeschreibung gekürzt. Durch diese Vorgehensweise lassen sich schnell und einfach individuell zugeschnittene Lebensläufe erstellen - und heraus kommt eine fokussierte, aussagestarke Bewerbung mit Relevanz für die Vakanz.

Über die Autorin

Rita SeidelNach zwei Jahrzehnten in Führungspositionen von Consulting-, IT- und Telekommunikations-unternehmen gründete Rita Seidel 2010 die Rise Personalberatung in Königswinter bei Bonn. Das Team besetzt vor allem Fach- und Führungspositionen bei mittelständischen Unternehmen, die bei geringerem Bekanntheitsgrad oft überdurchschnittlich gute berufliche Perspektiven bieten. Neben dem Executive Search bietet Seidel Karriere- und Bewerbungsberatung an und unterstützt mittelständische Unternehmen in der effizienten Gestaltung ihrer Personalsuche.

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