„Sehr geehrter Herr Mai, wir finden Ihre Seite echt klasse, haben aber auch eine Superseite und schlagen Ihnen deshalb einen Linktausch vor…“, so in der Art klingen manche E-Mails, die ich bekomme. Seit dieses Blog einen Pagerank 6 besitzt, erhalte ich derlei Post sogar noch öfter. Um es gleich vorweg zu sagen: Solche Werbepost ist sinnlos, ich mache bei Linktausch kategorisch nicht mit. Ich finde das innerhalb eines redaktionellen Angebots unethisch. Wenn ich Seiten verlinke, dann nur, weil ich deren Inhalte tatsächlich interessant oder empfehlenswert finde. Alles andere wäre Betrug am Leser.
Warum ich das betone? Heute ist Welt-Anti-Korruptions-Tag. Die Organisation Transparency International hat erst kürzlich 180 Länder untersucht und daraus den sogenannten Korruptionswahrnehmungsindex 2008 abgeleitet, eine Skala von null bis zehn Punkten auf der gemessen wird, wie stark die Korruption in dem jeweiligen Land verbreitet ist. Die besten Werte erzielten in diesem Jahr Dänemark, Neuseeland und Schweden mit je 9,3 Punkten. Deutschland hingegen landete mit 7,9 Punkten auf Rang 14 – zwei Plätze besser als 2007. Immerhin. Andererseits ist die Zahl der Bestechungsstraftaten ist im vergangenen Jahr bundesweit um 38 Prozent auf insgesamt 9563 gestiegen. Das geht aus dem vom Bundeskriminalamt veröffentlichten Bundeslagebild Korruption hervor. Geschmiert werde, so die Fahnder, vor allem in der Bau- und Dienstleistungsbranche, die Bestochenen sind zumeist Angehörige des öffentlichen Dienstes.
Das alles bleibt nicht ohne Folgen. Korruption führt zu Wettbewerbsverzerrung, sie zerstört Arbeitsplätze und die Funktionsfähigkeit ganzer Wirtschaftszweige. Allein vier gute Gründe sprechen gegen Korruption:
- Korruption vergiftet. Oft wird gesagt: Wenn wir nicht schmieren, bekommt den Auftrag eben ein anderer, der schmiert. Doch das ist eine Ausrede. Tatsächlich verrät eine solche Geschäftsbeziehung nur eines: Beide Parteien sind Opportunisten. Sie sind bereit, jedes Mittel zu verwenden, das dem Zweck dient. Oder anders formuliert: Sobald sich ein besserer Zweck anbietet, gelten Absprachen nicht mehr. Und das ist eine äußerst giftige Beziehung – sie basiert nicht auf Vertrauen, auf Leistung, auf Qualität, sondern auf einem heimlichen und äußerst vagen Pakt.
- Korruption führt in eine Abwärtsspirale. Korruption ist, wenn oft auch stillschweigend geduldet, zumindest offiziell illegal. Nach hiesigem Recht ist Bestechung definitiv verboten – auch im Ausland. Schon seit 1999 ist es in Deutschen verboten, ausländische Amtsträger zu bestechen. 1997 wurde bereits die sogenannte Bestechung im Geschäftsverkehr, also zwischen Privatpersonen, unter Strafe gestellt und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden. Im September 2002 wurde dieses Verbot auf Bestechungen und Bestechlichkeit „im ausländischen Wettbewerb“ ausgeweitet. Damit zwingt sie die Beteiligten in die Heimlichkeit, beziehungsweise in die öffentliche Lüge. Es entsteht eine Art Gefangenendilemma: Packt auch nur einer aus, stürzen alle. Die Risiken der Entdeckung und Bestrafung sind hoch. Folglich entsteht eine Kultur des Misstrauens, des Überwachens, der Vertuschung – was zahlreiche Zusatzkosten verursacht. Korruption ist also noch nicht einmal billig, schon gar nicht, wenn sie auffliegt.
- Korruption stabilisiert unstabile Verhältnisse. In vielen Ländern, in denen Korruption herrscht, herrschen zugleich unstabile politische Verhältnisse – eben jene Bakschisch-Kultur aus Verheimlichung und Opportunität, in der jeder zunächst seinen Vorteil sucht. Wer mitschmiert, zementiert diesen Zustand und verstärkt ihn sogar noch.
- Korruption schadet allen. Korruption begünstigt vielleicht den Geber und den Nehmer, beide profitieren von ihrem Pakt kurzfristig. Doch der Geschädigte ist nicht nur ein anonymer Dritter, ein ausgeboteter Konkurrent – es sind wir alle. Wir bezahlen durch Korruption schlechtere Qualität zu überhöhten Preisen. Wie bei einem Kartell. Nach einer Schätzungen der Weltbank addieren sich die so entstehenden volkswirtschaftlichen Verluste weltweit auf bis zu zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung.







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