Schneller lesen: Tipps zum Schnelllesen
Der Mensch nimmt bis zu 80 Prozent seines Wissens über Texte auf – trotz Radio und Fernsehen. Lesen bildet – es kostet aber Zeit. Wie lange lesen Sie am Tag? Eine Stunde, zwei, vier? Trotzdem haben Sie das Gefühl, dass es immer mehr wird? Willkommen im Club! Rund 75 Prozent der Deutschen beklagen bereits ein Überangebot an Informationen, so eine Studie der Stiftung Lesen. Man liest und liest und fürchtet dennoch, wichtige Dinge zu verpassen. Kein Wunder: Die digitale Informationsmenge wächst jährlich um knapp 60 Prozent - doppelt so schnell wie noch vor einigen Jahren. Zwei Möglichkeiten, das zu bewältigen, sind: filtern - und schneller lesen...

Schneller lesen lässt sich lernen

Tatsächlich kann man das Schnelllesen lernen. Das ist sogar wissenschaftlich belegt. Nur muss man dazu erst einmal verstehen, was beim Lesen im Gehirn passiert. Im Wesentlichen sind es drei Phasen:

  1. Das Auge erfasst ein Wort oder Satzteil und formt aus den Mustern ein sogenanntes Schiftbild. Dieser Prozess erfolgt noch unbewusst.
  2. Das Schriftbild wird nun im Geiste vertont. Effekt: die Stimme im Ohr. Gleichzeitig prüfen die grauen Zellen, ob sie das Wort kennen.
  3. Alles, was der Leser über das Wort weiß, wird nun bewusst aus dem Gedächtnis abgerufen. Dabei arbeiten mehrere Hirnareale zusammen – auch die für Gefühle oder Erfahrungen. Verben stimulieren vor allem das Stirnhirn, bildhafte Substantive aktivieren besonders die Schläfenlappen.

Damit wird zugleich klar: Je mehr uns ein Text emotional anspricht und bewegt, desto aktiver das Oberstübchen und desto schneller können wir den Text verarbeiten und merken.

Schneller lesen: Tipps wie es gelingt

Damit wir also schneller lesen, muss uns der Text interessieren. Reizwörter helfen dabei, ebenso Zahlen oder Fragen, wie...

  • Was wird mir die Information nutzen?
  • Wie wird mir das im Leben helfen?

Leistet der Text das nicht automatisch, sollten Sie ihn mindestens vorher kurz überfliegen und nach solchen Reizen suchen. Sie sind wie Ankerpunkte beim späteren Lesen und halten Ihre Konzentration, die Erwartungshaltung und damit auch den Gefühlspegel hoch.

Diese Methode eignet sich vor allem für Sachbücher oder Presseartikel.

Bei diesem selektiven oder diagonalen Lesen suchen Sie nach den für Sie relevanten Informationen und sparen sich das Wortgeklimper drum herum. Es gibt Leser, die verzichten etwa grundsätzlich auf die Einleitung und die Pointe und lesen nur den Mittelteil einer Geschichte. Das bereitet zwar weniger Lesevergnügen, reduziert aber den Aufwand.

Ebenso werden Bremsklötze aus dem Weg geräumt: bunte Bilder, große Überschriften - all das zieht das Auge magisch an und lenkt immer wieder ab. Effekt: Das Lesetempo stockt. Hat man sie aber vorher schon wahrgenommen, werden sie uninteressant. Das Tempo steigt.

Wer schnelllesen will, muss vor allem aber die drei oben angesprochenen Prozesse im Gehirn beschleunigen:

  • Zum Einen, indem man trainiert, gelesene Wörter nicht länger mitzumurmeln, das sogenannte Subvokalisieren. Die Wörter werden dann nur noch visuell wahrgenommen. Wer das schafft, kann bis zu 50 Mal schneller lesen, haben Forscher des japanischen National Institute of Information and Comunications Technology in Tokio in einer Studie ermittelt.
  • Zum Zweiten, indem Sie versuchen, nicht mehr einzelne Wörter sondern ganze Satzteile oder Wortblöcke zu fixieren und abzulichten. Unsere Augen schaffen bis zu vier Wörter auf einmal. Langsamleser dagegen springen häufig auf bereits Gelesenes zurück. Das kostet Zeit, bringt aber für das Verständnis kaum etwas.

Besonders deutlich wird dies an sogenannten Zungenbrechern. Hier ein Beispiel für das Wort-für-Wort-Lesen:

Schnelllesen-Tipps-Grafik1

Wenn Sie den Satz Wort für Wort lesen, brauchen Sie dafür rund sieben Sekunden. Wenn Sie mitmurmeln und dabei auch noch auf korrekte Aussprache achten, springen Sie garantiert mehrmals zurück und brauchen schon doppelt so lange. Mindestens.

Wer indes nur die beiden ersten Wörter und vielleicht noch die Fische erfasst, kommt doppelt bis dreifach so schnell durch den Text. Denn das Gehirn ergänzt den Rest automatisch:

Schnelllesen-Tipps-Grafik2

Schnelllesen hat aber auch Nachteil: Wer auf diese Weise Texte überfliegt, sollte nur maximal 45 Minuten am Stück so lesen. Danach brauchen Sie eine Pause, sonst behalten Sie nichts. Erst durch dieses Innehalten und Verarbeiten entstehen neue neuronale Verbindungen und aus Informationen wird gespeichertes Wissen.

PS: Für die Lektüre dieses Textes brauchten Sie übrigens rund zwei Minuten...

[Bildnachweis: Lithiumphoto by Shutterstock.com]