Der Bologna-Prozess sollte die Bildungsabschlüsse in der EU vereinheitlichen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Absolventen steigern. Vor allem aber sollte der Bachelor unmittelbar auf den Berufseinstieg vorbereiten. Das hat sich aber noch nicht rumgesprochen.
Statt die Curricula auszudünnen und Platz für Praktika zu schaffen, komprimierten die deutschen Universitäten einfach die Studieninhalte. Weil die Studenten dem so geschaffenen Bachelor nicht trauen, wollen mehr als zwei Drittel den Master draufsatteln. Dumm nur, dass es gerade mal halb so viele Studienplätze gibt. Da nur die Besten zugelassen werden, stürzen sie sich aufs Büffeln, statt ihr theoretisches Wissen in der Praxis zu vervollkommnen.
Offen bleibt allerdings die Frage, ob sich der Mehraufwand unterm Strich wirklich rentiert. Denn noch werden Bachelor und Master gleichermaßen zu Vorstellungsgesrächen eingeladen – und starten oft zu identischen Bedingungen. Gerade die Personaler kleinerer Unternehmen haben im Dschungel der verschiedenen Bachelor- und Master-Abschlüsse den Überblick verloren. Für sie zählt allein, dass ein Studienabschluss vorhanden ist.
Kolja Briedis, Forscher beim Hochschulinformationssystem (HIS), hat zudem in mehreren Studien herausgefunden, dass die Zufriedenheit der Unternehmen mit den Bachelor-Absolventen steigt, sobald sie Erfahrungen mit ihnen sammeln konnten. Der Bachelor scheint besser als sein Ruf zu sein – und trotz aller Unkenrufe ausreichend aufs Berufsleben vorzubereiten.
Bachelor oder Master?
Tatsächlich ist die Entscheidung zwischen Masterstudium und Berufseinstieg eher eine Frage der persönlichen Präferenzen – und der eigenen Lebenszielplanung. Schließlich bestimmt das Ziel, welchen Weg Sie einschlagen.
Bevor Sie sich also entscheiden, sollten Sie die folgenden Fragen beantworten:
- Haben Sie genug vom Lernen und möchten lieber praktisch arbeiten?
- Sind Sie bereit, auf die große Karriere zu verzichten?
- Reicht es Ihnen, Fachkraft zu sein und sich in Ihrem Metier zu entwickeln?
- Wollen oder müssen Sie so schnell wie möglich Geld verdienen?
- Sind Sie einem Einkommen der oberen Mittelklasse zufrieden?
Wenn Sie diese Punkte mehrheitlich mit „Ja“ beantworten können, ist für Sie der Berufseinstieg nach dem Bachelor womöglich die bessere Option. Wenn Sie indes mit dem Master liebäugeln und das Studium fortsetzen möchten, sollten Sie den folgenden Aussagen mehrheitlich zustimmen können:
- Haben Sie Spaß an Theorie und Wissenschaft?
- Möchten Sie in der Forschung arbeiten?
- Oder streben Sie eine Position im Management an?
- Sehen Sie sich eher als Generalist denn als Spezialist?
- Möchten Sie langfristig zu den Spitzenverdienern zählen?
Wenn Sie unsicher sind, kann Ihnen die Studienberatung oder der Career Service Ihrer Hochschule weiterhelfen. Ebenso hilfreich ist es, wenn Sie Praktiker fragen, die diese Wege schon gegangen sind, und deren Erfahrungen auf Ihre Situation übertragen. Die dafür notwendigen Kontakte können Sie in sozialen Netzwerken knüpfen.
Schneller Einstieg – früher Aufstieg?
Ob ein Abschluss wirklich für den Berufseinstieg ausreicht, hängt wesentlich von der Fachrichtung ab. Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler sowie Ingenieure kommen in der Regel problemlos mit dem Bachelor unter. Mathematiker und Informatiker benötigen hingegen heute fast zwingend einen Master, wenn sie am Arbeitsmarkt reüssieren wollen. Noch höher sind die Anforderungen an Naturwissenschaftler: Sie benötigen meist eine Promotion, wenn sie nicht den Rest ihres Lebens im Labor verbringen wollen.
Allerdings – auch das muss mal gesagt werden –, ist mit dem Berufseinstieg der Master-Plan nicht zwangsläufig passé. Im Gegenteil: Schließlich wurde mit der Zweiteilung des Studiums die Möglichkeit geschaffen, eine längere Praxisphase zwischen die beiden Studienabschnitte zu schieben, um Theorie und Praxis verzahnen zu können. Leider wird diese Chance viel zu selten genutzt.
Außerdem müssen Sie sich nicht zwingend zwischen Berufseinstieg und Masterstudium entscheiden. Wenn Sie eine Teilzeitstelle antreten, die Ihnen genügend Zeit fürs parallele Studium lässt, geht beides gleichzeitig. Noch besser sind Sie dran, wenn Sie Berufseinstieg und Master kombinieren können. Die Robert Bosch AG beispielsweise bietet in ihrem PreMaster-Programm Berufseinsteigern die Gelegenheit, ein Jahr lang Praxiserfahrung zu sammeln und anschließend den Master draufzusatteln – als (bezahlter) Angestellter des Unternehmens.
Unterm Strich ist es aber egal, wie Sie sich entscheiden. Die wenigsten Karrieren verlaufen schließlich linear und geplant. Wichtig ist, dass Sie die Chancen ergreifen, wenn sie sich Ihnen bieten. Ein späterer Wechsel ist schließlich nicht nur möglich, sondern höchst wahrscheinlich.
Bewerbungstipps: Die perfekte Bewerbung
Bewerbungsvorlagen: 16 kostenlose Muster zum Download
Denksport: 50 Brainteaser für Jobinterviews
Smalltalk-Tipps:



Bewerbungs-Dossiers zu Mappe, Anschreiben, Lebenslauf, Bewerbungsfoto und Zeugnissen.
Die besten Tipps und Dossiers für das Vorstellungsgespräch: So überzeugen Sie jeden Personaler.

Charlie Brown
Selbst wenn man ein Praktikum machen will, hat man ganz schön Probleme auch einen Platz zu bekommen, da in der vorlesungsfreien Zeit leider jeder eins machen will, aber Unternehmen bevorzugt Studenten nehmen, die gleich 3 Monate und mehr arbeiten können. Wer also versucht sein Studium in der Regelstudienzeit zu schaffen, hat eigentlich die A****karte! Zumal letztendlich wirklich jeder eher auf die Praktika schaut.