Neulich saß ich in meinem Fernsehsessel und genoss eine Folge meiner momentanen Lieblingsserie „Seinfeld“, in der die Figur des George eine Sekretärin einstellen soll. Er möchte sichergehen, dass diese ihn nicht von der Arbeit ablenkt – und entscheidet sich daher gegen zwei äußerst attraktive Bewerberinnen und für die unscheinbare, aber effektive Ada. (So viel sei verraten: Der Plan scheitert wie so oft an seiner eigenen Willenskraft.)
Diskriminierung von attraktiven Menschen? Schon über die Vorstellung könnte man sich köstlich amüsieren – schließlich genießen die Schönen doch jede Menge Vorteile, gerade im Job! Normalerweise. Dass es Ausnahmen gibt, darüber berichtete vor kurzem LiveScience. Es scheint, als könne Attraktivität für Frauen in manchen Berufsfeldern zum Nachteil werden.
Wo das Aussehen egal ist, macht es den Unterschied
Wie das Journal of Social Psychology (Artikel hier erhältlich) berichtet, führte Stefanie Johnson von der UC Denver Business School mit ihren Kollegen folgendes Experiment durch: Sie ließ Probanden anhand von Fotos die Attraktivität von Personen bewerten. Anschließend bat sie darum, die Eignung dieser Personen für vier Berufe zu beurteilen, wobei sie folgende Einteilung vornahm:
| Beruf | Typisch Männlich? | Aussehen wichtig? |
|---|---|---|
| Autoverkäufer(in) | JA | JA |
| Gefängniswärter(in) | JA | NEIN |
| Sekretär(in) | NEIN | JA |
| Sozialarbeiter(in) | NEIN | NEIN |
Das Ergebnis: Attraktive Männer wurden im Durchschnitt stets für geeigneter gehalten – das gilt für alle vier Berufe. Attraktive Frauen hingegen hatten in einem Job signifikante Nachteile: Sie wurden durchweg als schlechtere Gefängniswärter eingestuft.
In einem weiteren Experiment mit 204 Fotos wurde die Aufgabe mit verschiedenen Berufen wiederholt – das Ergebnis blieb gleich:
Attraktive Frauen haben Nachteile in männlichen Berufen, in denen das Aussehen keine Rolle spielt.
Wie sieht das denn nun aus?
Wo liegen nun die Gründe für diese überraschenden Ergebnisse? Eine abschließende Antwort wird man schwerlich geben können – aber vorsichtige Spekulationen sind erlaubt. Im Fall des Gefängniswärterpostens könnten die Teilnehmer beispielsweise so argumentiert haben, dass ein solcher Job durch ein gewisses Maß an Bedrohlichkeit besser ausgeführt werden kann. Bedrohlichkeit ist eben normalerweise kein typisches Merkmal attraktiver Frauen.
Aber das zweite beschriebene Experiment zeigte, dass auch Berufe wie Finanzdirektor(in), Leiter(in) der Forschung und Entwicklung oder Posten in der Bauaufsicht betroffen sind. Warum nun gerade in Berufsfeldern ohne jede Relevanz des Äußeren eine Diskriminierung auftritt, bleibt zu klären.
Zumindest eine Erkenntnis bleibt: Das anfangs beschriebene Seinfeld-Szenario ist wohl als unrealistisch zu bewerten.
Der Faktor Attraktivität – Unterbewusst ungerecht
Was diese Studie aber zum wiederholten Mal zeigt, ist die scheinbare Wichtigkeit des Aussehens und der Attraktivität im Berufsleben. Und zum wiederholten Mal muss man sich fragen, ob es dafür überhaupt nachvollziehbare Gründe gibt. Sicherlich gibt es Berufsfelder, in denen eine bestimmte Erscheinung von Vorteil sein kann – aber wieso wird auch in anderen Jobs stets und ständig durch Äußerlichkeiten unterschieden? Wie die Studie zeigt, leiden darunter nicht nur die weniger attraktiven Bewerber. Solche Stereotypen machen die großen Unterschiede in vielen Disziplinen überhaupt erst möglich.
(Beispielsweise berichteten wir hier detailliert über die Ungleichheit in den MINT-Fächern.)
Natürlich passiert eine ungerechte Bewertung in vielen Fällen unterbewusst, und zumindest geschlechtsspezifische Unterschiede sind zum Teil tatsächlich belegt. Aber in Zeiten, in denen schon über die anonyme Bewerbung debattiert werden muss, erscheint es angebracht, sich bewusst mit dem Thema zu beschäftigen. Schließlich sollte doch wo eben möglich Gleichheit zwischen Bewerbern herrschen. Oder etwa nicht?







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