Mir ist natürlich klar, dass das immer ein wenig befangen wirkt, wenn ein Blogger zum Bloggen rät. Aber es gibt da durchaus handfeste Argumente, warum insbesondere jeder, der einen Job sucht (oder vielleicht bald suchen wird), mit dem Bloggen beginnen sollte. Am besten heute noch. Denn auch wenn das mit Arbeit verbunden ist (Sie müssen ja nicht gleich ein Alpha-Blog schreiben), überwiegen die Vorteile deutlich. Gleich sieben sind es, um genau zu sein…
7 Gründe, warum Bewerber bloggen sollten:
- Sie zeigen, was Sie wissen und können. Üblicherweise müssen Sie im Vorstellungsgespräch Ihr Gegenüber davon überzeugen, dass Sie – salopp gesagt – es drauf haben. Sie müssen glaubwürdig vermitteln, dass Sie sich mit der Branche, dem Markt, dem Unternehmen auskennen und eingehend beschäftigt haben sowie für den avisierten Job auch das nötige Fachwissen mitbringen. Im Blog hingegen ZEIGEN sie es gleich. Beweisaufnahme abgeschlossen. Jetzt geht es nur noch um die sozialen Kompetenzen. Und selbst die sind zum Teil im Blog ablesbar.
- Sie werden sichtbar. Immer mehr Unternehmen monitoren im Zuge des Markenaufbaus oder -schutzes in den Social Media, was über sie, ihre Produkte oder die Branche im Netz publiziert wird. Wenn Sie also darüber schreiben, werden Sie Ihren Wunscharbeitgebern mehr über kurz als über lang auffallen – idealerweise als jemand, der es drauf hat (Sie erinnern sich?). Von der positiviven SEO-Nebenwirkung für Ihren Namen mal ganz zu schweigen.
- Sie schaffen sich ein Netzwerk. Wenn Sie beginnen über Fachthemen zu bloggen, werden Sie schnell weitere Blogs und Blogger finden, die ebenfalls über Ihr Thema schreiben, twittern, plussen… Die meisten tun das ebenfalls aus einer beruflichen Profession heraus. Und wenn Sie interessante Inhalte bieten, andere Blogger verlinken und kommentieren, werden Sie darüber rasch Reputation und auch ein veritables Netzwerk in der Szene aufbauen können. Und Sie wissen ja: Viele Jobs werden genau über solche informellen Beziehungen vergeben, noch bevor der Arbeitsmarkt Wind davon bekommt.
- Sie beweisen Engagement. Mal ehrlich: Eine Bewerbung ist immer auch Werbung. Und Sie wissen selbst, wie skeptisch Sie gegenüber markigen Versprechungen sind. Das geht Personalern nicht anders. Auch die lesen langatmige Selbstbeweihräucherungen nur, weil sie es von Berufswegen müssen. Aber einen spannenden Artikel über die eigene Branche, interessante Zahlen oder eine intelligente Analyse liest jeder gern. Lotsen Sie den Personaler also ruhig mit einem Link in der Bewerbung auf Ihr Blog – und er wird mehr Zeit dort verbringen, als über Ihrem Anschreiben.
- Sie differenzieren sich. Blogs sind unter Bewerbern noch nicht wirklich weit verbreitet. Damit fallen Sie also auf jeden Fall schon mal auf und heben sich von der Masse ab. Auch wegen des schon angesprochenen Engagements. Aber auch, wenn dieses Beispiel immer mehr Schule macht, werden Sie sich weiterhin differenzieren können: Kein Blog gleicht dem anderen. Layout, Schreibstil, Themenauswahl, Bilder, Podcasts, Videos – all diese Elemente bieten genug Optionen, die gesamte Palette Ihres Wissens, Könnens und Ihrer Kreativität höchst individuell abzubilden.
- Sie schärfen Ihre Fachkompetenz. Nicht nur sichtbar für andere, sondern vor allem für sich selbst. Ich spreche da aus inzwischen mehr als vierjähriger Erfahrung. Je länger Sie bloggen, desto mehr lernen Sie, verstehen und erkennen Sie. Echte Innovationen genauso wie Bullshit, der sich hinter angeblichen Trends verbirgt. Insbesondere wenn Sie ein aktuelles Blog schreiben, bleiben Sie mit Ihrem Wissen automatisch an der Spitze der Entwicklung – was nicht zuletzt ein echtes Argument ist, Sie einzustellen.
- Sie verlängern das Bewerbungsgespräch. Jedes Jobinterview endet irgendwann. Mit anderen Worten: Ihre Airtime ist limitiert. Das ist völlig normal und auch gut so. Aber wäre es nicht schön, Sie könnten noch ein bisschen Extrazeit für sich gewinnen? Können Sie! Indem Sie sich höflich verabschieden, für das Gespräch bedanken – und auf Ihr Blog verweisen, Motto: “Unsere Zeit ist zwar schon um, und ich hätte Ihnen gerne noch mehr über mich erzählt, aber Sie könnten ja noch mein Blog lesen, wenn Sie mögen…” Folgt der Personaler Ihrer Einladung, haben Sie locker 10 bis 30 Minuten zusätzlich für sich gewonnen.
Und noch einen letzten Bonus-Punkt sollte man nicht vergessen: Indem Sie beweisen, dass Sie ein florierendes Fachblog betreiben, das in der Branche gelesen wird und vernetzt ist, wird man mit Ihnen anders, besser umgehen als mit manch anderem Bewerber. Sie könnten ja darüber bloggen…
Bewerbungstipps: Die perfekte Bewerbung
Bewerbungsvorlagen: 16 kostenlose Muster zum Download
Denksport: 50 Brainteaser für Jobinterviews
Smalltalk-Tipps:



Bewerbungs-Dossiers zu Mappe, Anschreiben, Lebenslauf, Bewerbungsfoto und Zeugnissen.
Die besten Tipps und Dossiers für das Vorstellungsgespräch: So überzeugen Sie jeden Personaler.

Michael
sag mal…..kannst Du Gedanken lesen? Adresse bei blogspot schon eingerichtet…weißt ja Fuerte – Auslandsbericht und so…;-)
Erich
Ich kann Punkt 1 nur bestätigen. Ich habe auf meinen Blog im letzten Auswahlverfahren viel positives Feedback erhalten.
TmoWizard
Hallo Jochen,
das ist ja mal eine sehr interessante Ansicht! Ob das allerdings wirklich was bringen würde steht auf einem anderen Blatt. Ich blogge zwar selbst bereits seit ~5 Jahren, allerdings hat mein Blog rein gar nichts mit meinem Beruf (Energieelektroniker) zu tun. Ich schreibe dort über Themen, die mich eben privat interessieren.
Als (inzwischen) Hartz IV Empfänger mit 46 Jahren ist es sowieso nicht mehr so einfach, wieder in’s Berufsleben einzusteigen. Die meisten Firmen in diesem Bereich suchen jüngere Mitarbeiter, da sie diesen auch nicht soviel bezahlen müßten wie jemandem mit mehrjähriger Berufserfahrung.
Noch schlimmer wird das Ganze, wenn man wie ich nicht einmal einen Führerschein besitzt. Dann hat man in dem Alter in dieser Branche so gut wie keine Chance mehr! Das ist leider die traurige Wahrheit, wie ich immer wieder feststellen darf. Das ist hier in Augsburg sowieso fatal, da es kaum Firmen in diesem Bereich gibt und diese nur Leiharbeiter holen oder sogar Leute ausstellen.
Grüße aus Augsburg
Mike, TmoWizard
Jochen Mai
Aber mal ganz provokant gefragt: Warum bleibst du dann in Augsburg, wenn es für dich dort keine Perspektiven gibt? Und warum versuchst du zum Beispiel keinen Führerschein zu machen, um deine Arbeitsmarktchancen zu verbessern?
TmoWizard
Führerschein machen? Ja, klar. Als Hartz IV Empfänger schüttelt man das Geld dafür aus dem Ärmel, wir haben ja genügend Kohle dafür! Und Umziehen? Wenn die Arge bzw. das Jobcenter sagt die Wohnung wird bezahlt dann bleibt man da drinnen! Das durfte ich leider schon feststellen, als meine Ex-Frau und ich uns trennten. Das war ein ziemlich Theater, würde allerdings jetzt den Rahmen des Kommentars sprengen!
Momentan ist mir das eh egal, da ich zur Zeit gesundheitliche Schwierigkeiten habe. Mal sehen, ob ich daraus für mich noch was machen kann und welche weiteren Konsequenzen das noch haben wird.
Grüße aus TmoWizard’s Castle zu Augsburg
Mike, TmoWizard
Jochen Mai
Ich glaube, die Arge bezahlt auch Weiterbildungen, wenn sie die Aussicht erhöhen, dass du wieder in einen Job kommst – auch außerhalb Augsburgs. Darüber hinaus würde ich dir gerne den Film “Das Streben nach Glück” ans Herz legen.
TmoWizard
Das mit diesen sogenannten “Fortbildungskursen” ist immer so eine Geschichte für sich! Den letzten habe ich erst vor einem Jahr beendet und der hat mir einiges gebracht… an Erfahrung!
Meinen oben genannten Beruf gibt es so wie ich ihn gelernt habe gar nicht mehr, da wurde einiges umstrukturiert. Außerdem braucht man für die Ausbildung inzwischen die mittlere Reife, ich dürfte ihn also als einfacher Hauptschüler ohne QA gar nicht mehr erlernen! :-O
Die andere Seite dieser Kurse ist, daß dort Leute rein kommen, die von der Materie absolut keine Ahnung haben! Was hier in Augsburg in diese Richtung geboten wird ist fast ausschließlich für Hilfskräfte gedacht, nicht jedoch für Leute mit mehrjähriger Berufserfahrung.
Das gilt z. B. auch für den Bereich Computer wie ich von einem Bekannten weiß. Der hat die letzten 6 Jahre 5 Computerlehrgänge von der ARGE mitmachen müßen, obwohl ihn das Thema nicht interessiert und er nicht einmal einen Computer besitzt! Mir haben sie bis heute noch keinen solchen Kurs angeboten, obwohl ich mich mehrfach darum bemüht habe und mich das Thema Computer auch wirklich interessiert.
Soviel also zum Thema “Fort- und Weiterbildungskurse” der ARGE hier in Augsburg!
Was den Film betrifft werde ich mal schauen, wo ich den bekomme. Das klingt sehr gut und irgendwie auch sehr bekannt. Vor allem, da ich selbst schon auf der Straße stand und nicht wußte wohin jetzt! Danke für den Tipp.
Grüße aus den finsteren Kammern von TmoWizard’s Castle
Mike, TmoWizard
Jürgen
Eine Ausrede folgt der anderen. Du bist zu klug für Fortbildungen, die Fortbildungen sind schlecht, du bist krank, sie lassen dich nicht umziehen,….. Hör auf und fang endlich!
Peter Kurus
@ TmoWizard:
Du hast einen Blog, der auch einen anständigen Alexa-Traffic-Rank hat.
Ich würde dir empfehlen, den Blog ein neues Kleid zu geben, welches freundlicher wirkt.
Anschließend würde ich den Blog monetarisieren, ich denke, da würde einiges gehen. Dann verdienst du ein bisschen Geld, welches dir Weiterbildungsmöglichkeiten vereinfachen…!
Grüße
Peter
Pingback: Lesenswertes aus der Woche 4 | warndorf.KOMMUNIKATION
Pingback: Surftipps Januar 2012 | Geisteswirtschaft
Pingback: Warum Geisteswissenschaftler bloggen sollten | Geisteswirtschaft
Judith
Klingt gut… lässt sich aber nicht ausnahmslos auf sämtliche Berufsbilder übertragen.