Das hier ist der zweite Satz. Der erste zu diesem Text will mir partout nicht einfallen. Ich leide an einer akuten Schreibblockade. Die kommt zwar nicht oft vor. Aber wenn es passiert, verursacht das in mir große körperliche Schmerzen. Ähnlich wie die Business-Weisheiten von Dieter Bohlen. Allen, die daran zweifeln, erspare ich trotzdem den Kalauer.

Obwohl dummes Zeug ja angeblich gegen Schreibhemmungen helfen soll. Stimmt aber nicht. Kaffeetrinken hilft da schon eher. Genauso wie exzessives Nasebohren oder Whisky saufen. Wissenschaftler nennen das eine Vermeidungshandlung (pdf). Was das Nasebohren anbelangt, bin ich mir nicht so sicher. Aber viele große Schriftsteller haben Whisky gesoffen, wenn sie eigentlich schreiben wollten. Ernest Hemingway zum Beispiel. Oder Jack London. Dostojewski aber nicht, der trank lieber Wodka. J.R.R. Tolkien, Rimbaud, Douglas Adams – alles Schreibblockierte! Für Stephen King war der Horror der eigenen Schreibsperre sogar derart groß, dass er sie in mehrere Romane einbaute. Grauenhaft.

Ich habe einen Traum. In dem Traum bekomme ich eine Schreibhemmung und verfasse daraufhin einen großen Roman, einen Bestseller. Plötzlich bin ich reich und berühmt und bekomme meine eigene TV-Sendung für Business-Weisheiten. Oder eine Castingshow: „Deutschland sucht den Superblockierten“. Hartmut Mehdorn gewinnt. Meine Schreibblockaden werden daraufhin schlimmer. Aber das interessiert keinen, ich bin ja jetzt beim Fernsehen. Ich verkaufe jetzt nur noch leere Seiten. Mein zweiter Roman – er heißt „Schreibblock“ – wird zum weltweit meistgekauften Buch aller Zeiten. Die Kritiker sind begeistert. Sie erfinden für mich eigens eine Autorengattung, den Alpha-Blocker. Als ich das Dossier über mich in der ZEIT lese, renne ich vor lauter Glück auf die Straße. Da erschlägt mich Marcel Reich-Ranicki mit einer Blechtrommel. Dann wache ich auf.


Das Gegenstück zur Schreibblockade ist übrigens der Schreibzwang oder die Schreibwut. Beide sind psychische Phänomene. Es gibt Wissenschaftler, die behaupten, dass diese Phänomene sogar gleichzeitig auftreten können. Die Theorie, dass Blockaden einen sehr wütend machen können, kann ich zumindest bestätigen. Aber das ist eigentlich eine private Geschichte.

Ich habe gelesen, eine gute Übung gegen Schreibblockaden soll das so genannte Free Writing sein. Man legt dazu eine Uhr auf den Tisch und schreibt fünf Minuten lang ohne Pause, was einem alles durch den Kopf geht. Egal was. Hauptsache, man schreibt und die Worte finden den Weg aus dem Kopf. Womöglich entdeckt man in dem Schreibvomitorium hinterher sogar einen brauchbaren ersten Satz.

Naja, ich versuche mich jetzt schon seit zehn Minuten an diesem Aus-dem-Kopf-schreiben. Das nächste Mal greife ich zum Whisky.