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11 von Jochen Mai am 29. Oktober 2008 → Essay in Psychologie
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Schreibblockade – Ein Selbstversuch in Free Writing

Das hier ist der zweite Satz. Der erste zu diesem Text will mir partout nicht einfallen. Ich leide an einer akuten Schreibblockade. Die kommt zwar nicht oft vor. Aber wenn es passiert, verursacht das in mir große körperliche Schmerzen. Ähnlich wie die Business-Weisheiten von Dieter Bohlen. Allen, die daran zweifeln, erspare ich trotzdem den Kalauer.

Obwohl dummes Zeug ja angeblich gegen Schreibhemmungen helfen soll. Stimmt aber nicht. Kaffeetrinken hilft da schon eher. Genauso wie exzessives Nasebohren oder Whisky saufen. Wissenschaftler nennen das eine Vermeidungshandlung (pdf). Was das Nasebohren anbelangt, bin ich mir nicht so sicher. Aber viele große Schriftsteller haben Whisky gesoffen, wenn sie eigentlich schreiben wollten. Ernest Hemingway zum Beispiel. Oder Jack London. Dostojewski aber nicht, der trank lieber Wodka. J.R.R. Tolkien, Rimbaud, Douglas Adams – alles Schreibblockierte! Für Stephen King war der Horror der eigenen Schreibsperre sogar derart groß, dass er sie in mehrere Romane einbaute. Grauenhaft.

Ich habe einen Traum. In dem Traum bekomme ich eine Schreibhemmung und verfasse daraufhin einen großen Roman, einen Bestseller. Plötzlich bin ich reich und berühmt und bekomme meine eigene TV-Sendung für Business-Weisheiten. Oder eine Castingshow: „Deutschland sucht den Superblockierten“. Hartmut Mehdorn gewinnt. Meine Schreibblockaden werden daraufhin schlimmer. Aber das interessiert keinen, ich bin ja jetzt beim Fernsehen. Ich verkaufe jetzt nur noch leere Seiten. Mein zweiter Roman – er heißt „Schreibblock“ – wird zum weltweit meistgekauften Buch aller Zeiten. Die Kritiker sind begeistert. Sie erfinden für mich eigens eine Autorengattung, den Alpha-Blocker. Als ich das Dossier über mich in der ZEIT lese, renne ich vor lauter Glück auf die Straße. Da erschlägt mich Marcel Reich-Ranicki mit einer Blechtrommel. Dann wache ich auf.

Das Gegenstück zur Schreibblockade ist übrigens der Schreibzwang oder die Schreibwut. Beide sind psychische Phänomene. Es gibt Wissenschaftler, die behaupten, dass diese Phänomene sogar gleichzeitig auftreten können. Die Theorie, dass Blockaden einen sehr wütend machen können, kann ich zumindest bestätigen. Aber das ist eigentlich eine private Geschichte.

Ich habe gelesen, eine gute Übung gegen Schreibblockaden soll das so genannte Free Writing sein. Man legt dazu eine Uhr auf den Tisch und schreibt fünf Minuten lang ohne Pause, was einem alles durch den Kopf geht. Egal was. Hauptsache, man schreibt und die Worte finden den Weg aus dem Kopf. Womöglich entdeckt man in dem Schreibvomitorium hinterher sogar einen brauchbaren ersten Satz.

Naja, ich versuche mich jetzt schon seit zehn Minuten an diesem Aus-dem-Kopf-schreiben. Das nächste Mal greife ich zum Whisky.



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1. Kommentar

Siegfried
29.10.08 um 08:16 Uhr

*Grins* Hier mal eine Schreibblockade als physisches Phänomen: http://www.rorkvell.de/news/2008/Selbstbildnis_mit_Schreibblockade

2. Kommentar

Tinkerbell
29.10.08 um 09:12 Uhr

Free Writing wird in der Psychologie ja auch angewandt. Ist sehr spannend, was einem alles durch den Kopf geht wenn man erst einmal aufhört drüber nachzudenken was man schreibt. ;-)

3. Kommentar

Jörg
29.10.08 um 10:28 Uhr

Ich habe es ‘mal mit Rotwein versucht – half aber auch nicht viel.
Als ich genug Rotwein intus hatte, um die Schreibblockade zu vergessen, verdrängen oder was auch immer, war ich leider nicht mehr so ganz in der Lage, zusammen hängende Sätze zu schreiben.
Wie hat das Hemmingway bloß mit dem Wisky geschafft? Vielleicht war er mehr im Training???

4. Kommentar

Mario
29.10.08 um 22:08 Uhr

Hallo, wenn in meinem Hirn ein Knoten ist und deswegen meine Wörter schwerelos davonfliegen, hilft bei mir nur eins: Sellbsthypnose. Diese Technik ist unter Anleitung relativ einfach erlernbar. Solche Kurse werden z.B. in manchen Volkshochschulen angeboten. Nach 10min Trance bzw. Tiefenentspannung löst sich bei mir die Schreibblockade in Luft auf und die Feder kann wieder ganz locker geschwungen werden.

5. Kommentar

Cem Basman
29.10.08 um 23:19 Uhr

Gegen eine Schreibblockade hilft nur Schreibschweigen. Also nicht Schreiben. das beste ist, man geht einmal um den Block und denkt andere Dinge. Manchmal hilft auch ein schreibfreier Tag.

6. Kommentar

Sonja M. Berndl
01.11.08 um 20:37 Uhr

Alexandra von der http://www.wissensagentur.net hat mal empfohlen, sich vorzunehmen, “grottenschlecht” zu schreiben. Ich hab`s ausprobiert: Fange ich irgendwie mit irgendeinem Wort an, ohne darüber nachzudenken, was dabei herauskommt, ist dann im Text schon irgendein Wort dabei, das passt, auf dem es sich aufbauen lässt (im günstigsten Fall sogar ein ganzer Satz).

7. Kommentar

Michael Michalowski
02.11.08 um 15:54 Uhr

na ob Whisky jetzt wirklich die beste Lösung ist wage ich zu bezweifeln, aber es ist schon bewundernswert dass selbst so Größen wie Tolkien dazu gegriffen haben. Und wir wissen ja alle, was daraus entstanden ist ;) Vielleicht wäre er ohne das Zeug ja nie auf Urukai und Elfen gekommen ..

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