Thinking outside the box – im anglophonen Raum ist das längst ein geflügeltes Wort dafür, ungewöhnlich zu denken, festgefahrene Strukturen zu verlassen und völlig frei kreativ zu werden. Doch hinter der Metapher, aus seiner Denkschublade auszubrechen, könnte womöglich noch mehr stecken. Als Angela Leung und ihre Kollegen damit jetzt ein wenig experimentierten, stellten sie bald fest: Bei dem Versuch, kreativ zu sein, gibt es tatsächlich einen räumlich-körperlichen Zusammenhang…

Bei einem der Versuche steckten die Forscher ihre Probanden buchstäblich in eine Pappbox – groß genug für einen Menschen, ohne dass der gleich Raumnot bekommt, aber eben auch nicht wirklich geräumig. Während ein Teil der Teilnehmer also in einer Pappkiste hockte (die Kontrollgruppe saß normal am großen Schreibtisch), sollten sie zugleich einige Aufgaben absolvieren und kreative Ideen generieren. Den Probanden wurde gesagt, es gehe um Bürodesign und wie groß ein Arbeitsplatz sein müsse. Tatsächlich aber zeigte sich: außerhalb des Kartons waren die Teilnehmer viel kreativer als in der Box.

Zugegeben, die Versuchsanordnung ist recht skurril bis unrealistisch. In Deutschland muss kein Arbeitnehmer in einem engen Pappkarton arbeiten. Das wissen aber auch die Forscher, die ihren Versuch daher eher als Bestätigung dafür werten, dass Metaphern durchaus einen sprichwörtlichen und wahren Kern enthalten.

Man kann das Ergebnis aber auch so interpretieren, dass Kreativität tatsächlich viel Raum benötigt. Schon die US-Wissenschaftler Joan Meyers-Levy und Juliet Zhu konnten vor einiger Zeit zeigen, dass die Deckenhöhe, beziehungsweise Raumhöhe bessere Ideen fördert: Je höher der Raum, desto freier und sprudelnder die Gedanken ihrer Probanden. Allerdings schränkten die Forscher zugleich ein: Vorteile bringen hohe Decken nur bei Freiarbeiten, wie Brainstorming sowie analytischen Fragestellungen. Wenn es dagegen darum geht, die Innovationen konkret auszuarbeiten und umzusetzen, seien niedrige Decken besser.