Schubladendenken: Warum Sie Klischees ignorieren sollten
Haben Sie Vorurteile? Was für eine unerhörte Frage werden einige jetzt vielleicht denken. Natürlich nicht! Man ist immer unvoreingenommen... Bei einigen mag das tatsächlich stimmen, der Großteil hingegen belügt sich bei dieser Frage selbst. Fast jeder bedient sich regelmäßig dem Schubladendenken, selbst wenn dies oft unbewusst passiert. Das Problem aber bleibt: Klischees werden der Realität nur in Ausnahmefällen gerecht, weshalb es besser ist, sie zu ignorieren...

Warum denken wir so oft in Schubladen?

Ein Chef, ein Kollege, ein Freund, eine Mutter, der Ehepartner, der Kunde... Für jede Person, der wir im Alltag begegnen, haben wir die passende Schublade im Kopf. Darin findet sich allerlei nützliches Zeug, angefangen mit einer vorgefertigten Meinung, wie jemand diese Rolle zu erfüllen hat.

Der Chef sollte freundlich, motiviert und engagiert, aber nicht zu streng sein; Freunde immer mit Rat und Tat zur Seite stehen und für uns da sein, wenn es schwierig wird und vom Ehepartner erwarten wir liebevoll umsorgt zu werden, wenn wir nach einem anstrengenden Tag nach Hause kommen.

Auch für jede andere Personengruppe, selbst wenn wir diese noch nie persönlich getroffen haben, findet sich im Kopf eine Schublade mit Vorstellungen, die sich auf unsere Wahrnehmung und unser Verhalten auswirken. Aber wieso machen wir uns nicht selbst ein Bild, sondern greifen auf unbestätigte und schablonenhafte Denkmuster zurück? Die Antwort ist relativ simpel: Weil es einfacher ist.

Jeder Mensch verspürt das Bedürfnis, seine Umwelt zu verstehen und - falls möglich - zu kontrollieren. Gelingt es uns nicht, unser Umfeld einzuordnen, beginnen wir uns unwohl zu fühlen. Denkschubladen sind daher nichts anderes als eine Vereinfachung der Realität, die es uns erleichtern soll, Mitmenschen einzuordnen.

Wie es bei Vereinfachungen aber naturgemäß passiert, werden Punkte - die teilweise alles andere als unwichtig sind - unbeachtet gelassen. Schon deshalb sollte man darauf verzichten, seine Umwelt immer in die engen Grenzen einer Schublade zwängen zu wollen. Ohnehin kann kaum jemand diesen Erwartungen gerecht werden und nicht selten sind diese auch einfach falsch oder zumindest unvollständig.

Schubladendenken: Positive Effekte, wenn Sie Klischees ignorieren

lithian/shutterstock.comDen Kreislauf des Schubladendenkens zu durchbrechen ist schwer. Über einen langen Zeitraum ist es für viele zur Gewohnheit geworden, die sich nur schwer wieder ablegen lässt. Außerdem ist es so wunderbar bequem, sich nicht selbst viele Gedanken machen zu müssen, sondern sich einfach auf das zu verlassen, was man zu wissen glaubt. Leider tut man damit vielen anderen Unrecht und schadet sich auch selbst, denn es bringt viele Vorteile, endlich auf das Schubladendenken zu verzichten und die eingestaubten Klischees zu vergessen.

  1. Sie werden ein Vorbild für andere

    Es ist eine Sache, anderen zu raten, Abstand von Vorurteilen zu nehmen und nicht ständig in Klischees zu denken. Schaffen Sie es hingegen selbst, das Schubladendenken einzustellen, werden Sie zu einem wirklich Vorbild und können andere vielleicht überzeugen, es Ihnen nachzumachen.

    Oft wird etwas gepredigt, ohne es selbst zu tun. Dabei geht jede Glaubwürdigkeit verloren. Wer jedoch mit gutem Beispiel voran geht, zeigt nicht nur, dass es möglich ist, sondern kann auch bei der Umsetzung helfen und einen positiven Trend auslösen.

  2. Sie werden neue Freunde finden

    Neue Kontakte gleich zu Beginn in vorhandene Denkmuster zu pressen, kann sich negativ auf die Entwicklung der Beziehung auswirken. Vielleicht geben wir manchen Menschen gar nicht erst die Chance, die sie verdient hätten.

    Halten Sie hingegen Abstand von Klischees - und nicht von neuen Kontakten - eröffnen Sie sich selbst die Möglichkeit, neue Freunde zu finden, die vielleicht ganz genauso denken, wie Sie es tun. Jeder umgibt sich gern mit anderen Menschen, die ähnlich ticken und Ansichten teilen.

  3. Sie werden sich authentischer verhalten

    Schubladendenken funktioniert gleichermaßen in beide Richtungen: Man selbst hat das Gefühl, auch in eine Schublade passen zu müssen und den Erwartungen der Umwelt gerecht zu werden. Man verbiegt sich und versucht es, allen recht zu machen. Dabei bleibt in der Regel zuerst die eigene Persönlichkeit auf der Strecke.

    Befreit man sich vom Schubladendenken, wird gleichzeitig auch das eigene Handeln unbekümmerter. Sie richten sich weniger nach den Erwartungen, die andere möglicherweise an Sie haben, und können authentisch sein.

  4. Sie werden offener an Probleme herangehen

    Die Grenzen des eigenen Denkens setzen wir uns oft selbst - und Denkschubladen sind ein besonders effizienter Weg, um den eigenen Horizont zu verkleinern. Fallen diese jedoch weg, können Probleme offener und kreativer angegangen werden.

    So kommen vielleicht Lösungen oder Denkansätze ans Licht, auf die Sie bisher nie gekommen sind, da es nicht in die vorgefertigte Schablone in Ihrem Kopf passte.

[Bildnachweis: Antonio Guillem, lithian by Shutterstock.com]