Schuldgefühle machen die besseren Mitarbeiter
Schuldgefühle: Der eine schüttelt sie locker wieder ab, der andere trägt sie wie einen schweren Rucksack lange mit sich herum. Letzterer dürfte zwar seelische Qualen leiden - ist aber trotzdem ein besserer Mitarbeiter. Oder gerade deswegen. Davon sind zumindest US-Wissenschaftler nach ihrer Studie überzeugt. Wenn Unternehmen die richtigen Schlüsse ziehen, können sie die Zusammenstellung von Teams optimieren - und ihre Produktivität erhöhen.

Schuldgefühle: Willkommen im Team

Es gibt Menschen, an denen nagen sofort schlimme Schuldgefühle, sobald Sie den kleinsten Fehler begangen haben. Sollten Sie zufällig zu dieser Sorte Mensch zählen: Sagen Sie das am besten Ihrem Chef! Und halten Sie ihm gleichzeitig die aktuelle Studie von Scott S. Wiltermuth unter die Nase.

Der Management-Professor von der USC Marshall School of Business hat gemeinsam mit Taya R. Cohen von der Carnegie Mellon herausgefunden, dass dieser Typus Mensch am Arbeitsplatz zu den verlässlichsten und fleißigsten zählt.

Die wichtigsten Erkenntnisse

Pensum:

Menschen, die schnell und häufig Schuldgefühle entwickeln (nennen wir sie ab sofort "schuldanfällig"), sind extrem wertvolle Mitarbeiter. Denn: Sie übernehmen mindestens einen fairen Anteil an einer Aufgabe, häufig einen überproportional großen. Die Aussicht, als Drückeberger dazustehen und andere im Stich zu lassen, bewirkt, dass ihr Arbeitsvolumen in der Regel größer ist als das ihrer Kollegen.

"Weil sie sich um die Auswirkungen ihres Handelns auf andere sorgen, arbeiten diese Menschen häufig mehr und härter als ihre Kollegen, die nicht zu Schuldgefühlen neigen, legen Führungsqualitäten an den Tag und tragen mehr zum Erfolg von Teams und Partnerschaften am Arbeitsplatz bei", sagt Wiltermuth.

Arbeitsethik:

Sie verhalten sich meist moralischer und gewissenhafter als der Rest, nutzen die Expertise von Kollegen nicht zum eigenen Vorteil aus. Weil dies, natürlich, quälende Schuldgefühle nach sich ziehen würde.

Gehalt:

Sie stellen keine überhöhten Gehaltsforderungen. Schuldanfällige orientieren sich bei ihrer Entlohnung vor allem an vergleichbaren Kollegen oder lassen sich stark leistungsbezogen vergüten. Sie verzichten auf finanzielle Vorteile - aus Rücksicht auf das Wohl anderer.

Bindungen:

Dieser Typus geht allerdings am Arbeitsplatz nur sehr verhalten partnerschaftliche Bindungen ein, vor allem nicht mit Mitarbeitern, die als kompetenter wahrgenommen werden. In ihren Studien fiel den Autoren auf, dass die (schuldanfälligen) Probanden in der Regel nicht den Mitarbeiter in ihr Team wählten, der über ein größeres Wissen und Know-how verfügte.

Schlussfolgerung: Schuldanfällige umgeben sich ungerne mit Stärkeren, weil ihre eigenen Schwächen und Fehler so schneller zum Tragen kommen und sie ihre Kollegen eher enttäuschen könnten.

Was Unternehmen daraus lernen können

  1. Teambuilding: Identifizieren Sie diese Leute und holen Sie sie in Ihr Team (nicht nur des Gehaltes wegen). Sie könnten damit effektivere Teams zusammenstellen und ihre Produktivität steigern.
  2. Führungspositionen: Menschen mit Schuldgefühlen geben selbst gute Führungskräfte ab. Darauf deutete auch schon eine Studie der Stanford Business School vor einigen Jahren hin. Hintergrund: Wer Schuldgefühle mit sich herumträgt, den treibt zugleich die Motivation um, diese durch harte Arbeit wieder zu verjagen. Dies sei im Übrigen ein entscheidender Unterschied zur Scham, bei der die Betroffenen lieber - passiv - im Erdboden versinken würden.
  3. Verantwortung: Weisen Sie Schuldanfälligen aktiv Kompetenzen und Verantwortung zu, da es dort (oft) in den richtigen Händen ist. Von sich aus werden das die entsprechenden Mitarbeiter wahrscheinlich nicht einfordern.
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