Jeder kennt die Szene: Der Polizist steht vor der Absperrung und ruft der Meute zu: Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen… Glauben Sie ihm? Eben. So ziemlich jeder Passant wird dadurch erst recht angelockt: Wo es etwas zu verbergen gibt, lauert womöglich eine abenteuerliche Enthüllung.
Redselige Zeitgenossen, die einen mit Informationen versorgen, die man besser nicht gewusst hätte, gibt es leider immer wieder. Und sie beunruhigen erst recht.
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Flugzeug und aus dem Cockpit meldet sich der Kapitän mit folgender Durchsage: “Unsere Landung wird sich leider etwas verzögern. Aber machen Sie sich keine Sorgen, wir haben noch Sprit für etwa eine Stunde.” Na, danke. Spätestens jetzt machen sich alle an Bord garantiert Sorgen. Sie können sogar davon ausgehen, dass ab jetzt jeder Passagier auf seine Uhr starren wird und mit jeder verstrichenen Minute der Stresspegel in der Maschine steigt. Genauso will keiner von einem Assistenzarzt hören: “Gratulation, Sie sind mein erster Patient. Ich operiere Ihren Befund heute zum ersten Mal!” Noch mag man sich von seinem Lieblings-Koch anhören, dass der sich diesmal besonders viel Mühe gegeben hat. Ja, und wie war das Essen sonst? Hingerotzt???
Im Job läuft das nicht anders. Gewiss, Kommunikationsfähigkeit ist heute eine wesentliche Stärke im Beruf und ein wichtiger Karrierefaktor. Tagtäglich müssen wir formulieren, präsentieren, kritisierenm, diskutieren. Wir reden viel, vergessen dabei aber gelegentlich, dass man sich auch um Kopf und Kragen reden kann. Einiges davon bliebe eben besser ungesagt. Ein paar Beispiele:
- Die vorweg genommene Entschuldigung. Sie sitzen im Meeting und werden gebeten, spontan einen Statusbericht zu Ihrem Projekt abzugeben. Bevor Sie loslegen, entschuldigen Sie sich erst einmal, dass Sie jetzt natürlich nicht richtig vorbereitet sind, keine Unterlagen dabei haben, und so weiter. Warum erwähnen Sie das? Sollen die Leute denken: Ja, stimmt. Der Vortrag ist wirklich Mist, aber hey, er war ja auch nicht vorbereitet…? Was wirklich passiert, ist: Das Publikum nimmt Sie weit weniger ernst, als wenn Sie nichts gesagt hätten. Sie schrumpfen nur bereits im Vorfeld sich selbst und die Bedeutung Ihres Projekts.
- Die aufgezählten Bedenken. Sie schlagen Ihrem Chef ein neues Projekt vor und sind begeistert davon. Gleichzeitig wollen Sie aber auch dokumentieren, wie gründlich Sie darüber nachgedacht haben und zählen minutiös alle Vor- und Nachteile auf. Besser kann man seine Idee nicht abschießen. Je ausführlicher Sie werden, desto eher bleibt beim Boss hängen, dass es mindestens ebenso viele Einwände gibt, Ihnen nicht zuzustimmen. Begeisterung beerdigt, danke, nächster Vorschlag.
- Das Bekräftigen nach erfolgter Entscheidung. Ein Klassiker: Der Kunde hat sich schon entschieden, dennoch faselt der Verkäufer weiter und weiter, warum die Entscheidung richtig war, welche Vorzüge sich der Kunde erwirbt, warum er überintelligent war, hier und jetzt zuzuschlagen. Was passiert? Mit jedem Satz mehren sich die Zweifel. Denn jede Verteidigung ist immer auch ein mögliches Indiz für ein schlechtes Gewissen. Und wer sich verteidigt, obwohl er noch gar nicht angegriffen wurde, macht sich nur verdächtig.
- Die Ausnahme-Anmoderation. Es gibt Menschen, die beginnen Ihre Stellungnahmen mit Ankündigungen wie: “Seien wir mal ehrlich…” oder “Jetzt mal im Klartext…” oder “Wie jeder weiß…” Mag sein, dass sich diese Versprechungen tatsächlich erfüllen; mag sein, dass es aber auch nur Versprecher waren. In jedem Fall aber diskreditieren Sie alles Gesagte davor. Es verwandelt sich zur Unwahrheit oder zum kryptischen Wortgeschwurbel. Warum dann nicht gleich ehrlich? Oder provokanter gefragt: Ist so jemand womöglich nur ehrlich, wenn er es zuvor ankündigt?
- Der erklärte Witz Treffen sich zwei Jäger… beide tot. Sie verstehen schon: Jäger… schießen… treffen… tot. Witzig. Hahaha. Nicht mehr?! Warum bloß?
In einem Wort: Psst…! Weniger ist manchmal mehr und Schweigen Gold. Es gibt Situationen, in denen es besser ist, die Klappe zu halten. Die obigen sind lediglich ein paar typische Fälle. Es gibt sicher noch viel mehr. Apropos: Welche fallen Ihnen ein?







Roland Kopp-Wichmann
Mir fällt noch eine ein: “Der unverlangte Trost.”
Jemand hat Mist gebaut, sieht seinen Fehler ein und entschuldigt sich. Jetzt könnte man einfach weiter machen. Aber es gibt dann oft ein paar Leute, die unaufgefordert Trost spenden und ent-schulden wollen: “Ja, dafür kannst Du aber doch gar nichts!” “Hätte mir auch passieren können.” “Fehler sind menschlich, du darfst nicht so streng mit dir sein.”
Meiner Meinung nach wollen solche Zeitgenossen nicht Trost spenden, sondern für eigene Fehler vorsorgen.
Sonst könnten sie einfach denken: “Schwamm drüber!”
Peter
Gehaltsverhandlung:
Auf die Frage: “Was haben Sie bisher verdient?” – “Darüber habe ich mit meinem bisherigen Arbeitgeber Stillschweigen vereinbart.”
nochmal Gehaltsverhandlung:
Auf die Nennung eines Betrags durch den Arbeitgeber diesen Betrag langsam wiederholen und dann einfach Schweigen. Erst dann weiterreden, wenn das Schweigen gebrochen ist. Wirkt wunder.
bei Fehlern:
Fehler gemacht und Rüge vom Vorgesetzten kassiert? Nicht so dramatisch, sofern man sich einfach entschuldigt, ggf. eingesteht, dass es ein Fehler war und zusichert, dass er nicht mehr vorkommen wird. Erklärungen und Rechtfertigungen sind fehl am Platz.
Reden über andere Arbeitgeber/Kollegen:
Nur positiv. Kommen einem negative Gedanken, dann besser einfach schweigen. Negatives Blabla ist wie ein Bumerang, der zurückkommt und einem im unpassendsten Moment auf den Hinterkopf fliegt.
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