von Jochen Mai am 15. September 2008
→ Artikel in Reputation
Sei das Original – Sieben sinnvolle Tipps für die Selbst-PR
Wer nicht wirbt, stirbt. Was für Produkte gilt, trifft auch auf Karrieren zu. Schlechtes Selbstmarketing sorgt nicht nur für weniger Einkommen, es spielt auch eine Rolle beim Scheitern. In einer Umfrage des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater hielten 28 Prozent falsche Bescheidenheit für einen der Top-10-Karrierekiller. So eitel und unangenehm einem Selbstdarstellung auch vorkommt: Wer nicht auffällt, fällt durchs Raster. Selbst die großartigste Leistung verpufft, wenn sie keiner mitbekommt.
Dieses ständige Werben erfordert natürlich Fingerspitzengefühl, sonst driftet es leicht in Wichtigtuerei ab. Die Geschichte ist voll von Egos, deren Erfolg sie nicht vor übersteigertem Geltungsbedürfnis bewahrt hat: Alexander der Große etwa bezeichnete sich selbst als „Sohn des Zeus“, als Nachkomme der obersten Gottheit; Katharina die Große weigerte sich, Briefe zu öffnen, die nicht an „Ihre königliche Majestät“ adressiert waren und George Washington wollte unbedingt „Seine Hoheit der Präsident der Vereinigten Staaten“ genannt werden. Starker Tobak. Im Beruf sollte man definitiv subtiler vorgehen.
Nun beschäftigt sich Petra Wüst schon länger mit dem Thema Self Branding und Eigen-PR.
Im schweizerischen Basel leitet die Psychologin eine entsprechende Beratungsfirma, zudem hat sie gerade ein Buch mit dem Titel Gezielt einmalig: 22 Tipps für eine überzeugende Selbst-PR veröffentlicht, in dem zeigt welche Faktoren helfen können, wenn man gezielt seine eigene Marke aufbauen, beziehungsweise sein eigenes Profil formen und etablieren will. Nicht alle 22 Punkte haben mich überzeugt, manche sind gar tautologisch (“Tipp 15: Mach dir einen Namen”). Auch die Interviews, die Wüst zwischendurch einstreut (was mir so vorkommt, als hätte das Buch gelängt werden müssen), erhärten einige ihrer Thesen nicht. Im Gegenteil: Wenn etwa Claude Nicollier, der erste und bis dato einzige Schweizer Astronaut, der den Weltraum besuchte, verwundert seine Augenbrauen hebt und der Autorin sagt, dass ihm der Gedanke, sich als Person zu branden nie gekommen sei, dann wirkt das geradezu kontraproduktiv.
Dennoch: Einige der im Buch aufgeführten Tipps zum Selbstmarketing sind durchaus sinnvoll und plausibel und haben sich in der Praxis als nützlich erwiesen. Alle, die an ihrer Eigenmarke feilen wollen, sollten deshalb die folgenden Ratschläge beachten:
- Sei das Original! Charles Lindbergh kennen Sie vermutlich. Er war der erste Mensch, der den Atlantik im Alleinflug überquert hat. Das war 1927. Aber kennen Sie auch den zweiten Überflieger aus dem Jahr 1931? Er war der bessere Pilot, flog schneller über das Meer und verbrauchte obendrein weniger Benzin. Aber wer kennt schon Bert Hinkler?! So ist das in fast allen Dingen: Der Erste schreibt Geschichte, der Zweite ist allenfalls sein besserer Nachahmer. Die meisten Menschen halten daran fest, dass der Erste auch der Beste sein muss. Auch wenn das oft ein Trugschluss ist, versuchen Sie trotzdem, wo immer Sie können, das Original und ein Pionier zu sein. Dahinter steckt letztlich nichts anderes als die Macht eines Alleinstellungsmerkmals.
- Vereinen Sie Gegensätze! Tamara Raich ist Model und Bodyguard. Was für ein Gegensatz! Eine schöne Frau, die auch noch ballern kann: hart und zart – eine exklusiv-explosive Mischung. Paradessenz wird diese scheinbar schizophrene Strategie in der Fachsprache genannt, bei der man versucht, entgegen gesetzte Qualitäten in einem Produkt zu vereinen. Damit erzeugen Sie ebenso Spannung wie Aufmerksamkeit. Und natürlich fasziniert die Menschen eine solche Attraktion. Der zweite Vorteil: Wenn sie mehrere Eigenschaften derart integrieren, erreichen Sie deutlich mehr Zielgruppen. Suchen Sie also die Essenzen, für die Sie stehen – Stärken, Charakterzüge, Fähigkeiten – und überlegen Sie, ob Sie diese vielleicht kontrastieren können.
- Nutzen Sie Emotionen! Wer Gefühle auslöst, wird mehr beachtet. Es ist wie bei einer Präsentation: Wer dabei nur den Verstand des Publikums anspricht, dessen Worte bleiben Schall und Rauch. Wer hingegen Kopfkino bei seinen Zuhörern erzeugt, sie emotional berührt und mitreißt, der bewegt etwas – und wird dafür bewundert. In der Psychologie gibt es das sogenannte Resonanzphänomen, wonach starke Emotionen sofort einen unbewussten Widerhall finden. Ganz praktisch: Wenn Sie jemanden spontan anlächeln, lächelt der in der Regel zurück. Lernen Sie deshalb, die Bedürfnisse und Gefühle Ihrer Mitmenschen zu erkennen, ernstzunehmen und darauf einzugehen und erzeugen Sie so Resonanz.
- Nutzen Sie Symbole! Symbole haben Macht. Erinnern Sie sich noch an das unglückliche Victory-Zeichen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Mannesmann-Prozess? Das Symbol hat sich unwideruflich auf unsere Netzhaut gebrannt – wenn auch anders als beabsichtigt. Aber auch die subtile Symbolik, die in Ihrer Kleidung oder Ihrer Büroeinrichtung mitschwingt, beeinflusst Ihr Image nachhaltig. Achten Sie also darauf, welche Symbole Ihre gewünschte Botschaft unterstützen. Und vermeiden Sie unbedingt Widersprüche, sie rücken Sie ins Zwielicht.
- Seien Sie charismatisch! Der Stoff, aus dem Legenden sind, der andere in den Bann zieht, der Menschen eine magische Aura und Strahlkraft verleiht, der Mitarbeitern Vertrauen einflößt, der die Sehnsüchte, Hoffnungen und Wünsche anderer verkörpert und Religionsstifter und Diktatoren mit Wirtschaftsbossen, Feldherren und Comicfiguren vereint, der immer dann herhalten muss, wenn sich der Erfolg schillernder Persönlichkeiten nicht erklären lässt und der deshalb als mythischer Karrierebeschleuniger gilt, dieser Stoff lässt sich prima beschreiben, aber kaum definieren. Es ist Charisma. Charismatische Menschen sind die Schamanen der Moderne. Lange Zeit stand fest: Charisma kann man nicht lernen, man hat es oder nicht. Das sieht die Wissenschaft inzwischen anders: Charima lässt sich sehr wohl lernen. Und egal, an welchen Eigenschaften Sie laborieren, achten Sie darauf, dass Sie Selbstsicherheit ausstrahlen und polarisieren. Beides lässt Menschen aus der Masse herausragen, macht sie souverän, wofür sie selbst von Widersachern bewundert werden.
- Seien Sie glaubwürdig! Reputation setzt sich aus drei Komponenten zusammen. Erstens muss man seine Kompetenz und Talente erst einmal unter Beweis stellen. Das ist die sogenannte funktionale Reputation. Zweitens muss sich der Reputationsträger bewähren, also gesellschaftliche Normen und Werte einhalten. Das ist die sogenannte soziale Reputation. Drittens braucht jeder aber auch eine sogenannte expressive Reputation. Hierbei entscheidend: Wie einzigartig sind Sie und welche emotionale Attraktivität und Faszinationskraft geht von Ihnen aus. Ohne der sozialen Reputation, die man auch als Glaubwürdigkeit bezeichnen kann, nutzt Letzteres allerdings nichts. Egal, welche Alleinstellungsmerkmale Sie sich zulegen: Jeder Querkopf braucht sozialen Kredit. Wer immer nur am Rand einer Gruppe steht und stets auf seine individuelle Meinung pocht, wird weder ernst genommen noch respektiert. Er bleibt ohnmächtig. Anders aber, wer vorher sowohl seine Glaubwürdigkeit unter Beweis gestellt hat. Für diese Menschen kann das plötzliche Absetzen von der Gruppe sogar ein Erfolgsturbo sein: Mit einem Mal stechen Sie aus der Masse hervor, beeinflussen sie und dokumentieren so eindrucksvoll Meinungsstärke und Durchsetzungsvermögen. Defintiv eine wirksame Karrierestrategie. Allerdings nur, wenn man sie dosiert und dezent einsetzt.
- Übertreiben Sie es nicht! Benjamin Franklin hat einmal gesagt, es sei zwar wichtig, die richtigen Dinge zu sagen, aber viel schwieriger, die falschen Dinge ungesagt zu lassen.“ Bei aller Eigen-PR: Üben Sie sich ebenso in Zurückhaltung. Das ist nicht nur eine noble Geste, die Ihr Ansehen vergrößert. Es schützt Sie auch vor dem Verdacht, ein Prahlhans zu sein. Alle Menschen konkurrieren in gewisser Weise um Aufmerksamkeit. In jedem Unternehmen gibt es einen Wettbewerb um das Rampenlicht. Sogar in Beziehungen. Erkennen Sie diese Spielregeln und fahren Sie anderen trotz hohem Sendungsbewusstsein nicht in die Parade. Wer versucht die Scheinwerfer der anderen zu dimmen, um selbst heller zu strahlen, offenbart sich nur als kleinlich, egoistisch und infantil.
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1. Kommentar
Holger Reich
15.09.08 um 21:48 Uhr
Ich muß es doch irgendwo mal loswerden: Ich lese ja gerne in Andachtsbüchern – doch habe ich die Karrierebibel direkt daneben liegen. Die Beiträge sind oft hilfreich, meist anregend geschrieben und durchaus Alltagstauglich (aber das schreibt man doch “klein” – egal. ist wichtig, also “groß” ;-)
So, das war mal Eigenwerbung in fremder Sache für den Betreiber dieser Webseite. Nein, ich bekomme keien Provision
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