Es ist leicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen und zu behaupten, jemand hätte den letzten Rest Selbstachtung verloren. Nicht selten wird es gar als Schub für das eigene Selbstbild genutzt, um sich einzureden, dass es einem selbst besser geht. Schwierig ist es hingegen sich selbst zu hinterfragen und zu erforschen, über wie viel Selbstachtung man selbst verfügt. Oft genug behandeln wir uns selbst ungerecht, halten die eigenen Fähigkeiten für unzureichend und lassen jeglichen Respekt vermissen, den wir anderen entgegenbringen. Wir erklären, wie sich fehlende Selbstachtung im Alltag äußern kann, wie sie entsteht und geben Tipps, was Sie tun können, um Ihre Selbstachtung zu stärken...

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Selbstachtung Definition: Was verbirgt sich dahinter?

Selbstachtung Übungen Selbstachtung Gegenteil Selbstachtung Definition Zitate SelbstachtungWas bedeutet eigentlich Selbstachtung? Wikipedia schreibt dazu:

Unter Selbstwert (auch: Selbstwertgefühl, Selbstwertschätzung, Selbstachtung, Selbstvertrauen, oder unpräziser: Selbstbewusstsein, Eigenwert, umgangssprachlich auch Ego) versteht die Psychologie die Bewertung, die man von sich selbst hat.

Dabei spielt nicht nur eine Rolle, ob eine Person einen besonders hohen oder niedrigen Selbstwert beziehungsweise Selbstachtung hat, sondern auch, inwieweit diese stabil oder instabil ist und ob sich jemand dessen bewusst ist. Ursächlich dafür ist das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, dass man aufgrund von Erfahrungswerten abschätzen kann, bestimmte Situationen zu meistern.

Auch wenn Begrifflichkeiten wie Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl im Zusammenhang mit Selbstachtung auftauchen: Diese Begriffe sollten keineswegs mit Arroganz oder krankhaftem Egoismus verwechselt werden. Hier ist nicht gemeint, dass jemand in seiner Selbstannahme soweit geht zu behaupten, dass er oder sie der/die Größte oder gar über jeglichen Zweifel erhaben sei.

Vielmehr geht es um einen liebevollen und respektvollen Umgang mit sich selbst. Fragt man eine Person, wie sie sich einem Menschen gegenüber verhalten würde, den sie respektiert, also achtet und sowohl für seine Persönlichkeit als auch für seine Leistungen schätzt, würde sie sich vermutlich freundlich geben.

Sie würde einen netten Umgang anstreben und in einigen Punkten würden Bewunderung und Anerkennung mitschwingen. Nichts anderes ist letztlich die Selbstachtung. Ein Ausdruck, wie wir uns selbst wahrnehmen und die eigene Person behandeln. Oder zumindest sollten.

Denn problematisch wird dieses Konzept, wenn die Selbstachtung zu gering wird oder fast gänzlich fehlt. Sie ist ein wichtiger Schlüssel zu einem positiven Selbstbild und einem ausgeprägten Selbstwertgefühl. Leider ist das nicht bei allen Menschen so ausgeprägt, wie es sein sollte.

Das kann dazu führen, dass diese Personen ihr eigenes Verhalten ständig hinterfragen, die Meinung anderer deutlich höher schätzen und ihre Bedürfnisse gar nicht mehr wahrnehmen, sondern sich stattdessen sogar von solchen Menschen einiges gefallen lassen, die ihnen nicht gut tun.

Wie äußert sich eine geringe Selbstachtung?

geringe SelbstachtungMangelt es an Selbstachtung, zeigt sich dies oft bereits in den eigenen Gedanken. Man entwickelt ein zunehmend negatives Bild der eigenen Person, kümmert sich nicht mehr um die eigenen Bedürfnisse und lässt gleichzeitig zu, dass auch andere einen schlechter behandeln, als man es verdient. Die fehlende Selbstachtung wird auch durch das Verhalten reflektiert und von der Umwelt bemerkt:

  • Man versucht erst gar nicht, etwas zu schaffen, weil man sich einredet, keine Chance zu haben.
  • Man sagt etwas völlig anderes, als man eigentlich meint.
  • Man macht sich vor anderen Leuten klein, anstatt den eigenen Standpunkt zu vertreten.
  • Man achtet nicht auf sich selbst und darauf, wie andere einen wahrnehmen.
  • Man bleibt im Hintergrund, weil man sich selbst für nebensächlich hält.
  • Man hört nicht auf die Warnsignale des eigenen Körpers.
  • Man unternimmt nichts, um sich aus einer misslichen Lage zu lösen.

Was sind die Ursachen fehlender Selbstachtung?

Bei Menschen mit wenig Selbstachtung ist quasi das Mindestmaß an Selbstakzeptanz gering ausgeprägt, umso stärker sind Selbstverachtung und Selbstabwertung, das Geringschätzen der eigenen Person. Ist die Selbstachtung einmal weg, kommt es Betroffenen oft so vor, als wäre es nie anders gewesen.

Dem ist aber nicht immer so. Vielmehr wurde die Achtung vor der eigenen Person mehr und mehr verlernt. Dies kann durchaus schon in der frühen Kindheit beginnen, kann seinen Ursprung aber auch zu einem späteren Zeitpunkt des Lebens haben.

Wie sich die Selbstachtung entwickelt - ob man sich selbst annimmt, die eigenen Schwächen akzeptieren kann und sich trotzdem mit Respekt behandelt - hängt von zwei wichtigen Fragen ab, die die Ursachen fehlender Selbstachtung aufklären können:

  • Welche Erfahrungen habe ich gemacht? Gerade in jungen Jahren kann die Selbstachtung stark durch das Umfeld beeinflusst werden. Wer in den prägenden Jahren seiner Kindheit und Jugend mit übermäßiger Kritik oder unbegründeter Ablehnung konfrontiert wird, adaptiert dieses Verhalten für sein späteres Leben und bringt sich selbst genauso wenig Achtung entgegen.
  • Wonach beurteile ich meinen eigenen Wert? Der richtige Umgang mit Fehlern und Rückschlägen ist eine wichtige Fähigkeit in allen Lebenslagen. Entweder man geht gestärkt daraus hervor, oder man leidet darunter. Werden Fehler nicht überwunden, sondern zum Maßstab der eigenen Person erklärt, nimmt die Selbstachtung ab, da man sich selbst nur noch über Negatives definiert und für schlecht hält.

Zitate und Sprüche zur Selbstachtung

  • Bewahre dir vor allem deine Selbstachtung! (Pythagoras von Samos)
  • Ruhiges Selbstgefühl mindert in uns das Bedürfnis der Mitteilung. (Joszef Freiherr von Eötvös)
  • Die Achtung vor deinem eigenen Selbst ist nächst der Religion der stärkste Damm gegen alle Laster. (Sir Francis von Verulam Bacon)
  • Kein Mensch kann sich wohl fühlen, wenn er sich nicht selbst akzeptiert. (Mark Twain)
  • Unterlegen ist man im Leben erst dann, wenn man seine Selbstachtung definitiv verloren hat. (Marcel Proust)

Selbstachtung Übungen: Wie Sie lernen sich anzunehmen

Nehmen Sie die folgenden 11 Schritte als Leitfaden, als tägliches Mantra für Ihren Weg zu mehr Selbstachtung. Auch wenn es nicht immer leicht fällt, machen Sie sich bewusst: Jeder Mensch ist es wert, geliebt zu werden - Macken haben alle Menschen. Fehler macht auch jeder einmal.

Selbstachtung Selbstrespekt Schritte Grafik

Das allein ist kein Beinbruch. Was aber schade wäre, ist, wenn Sie sich und Ihr Potenzial selbst limitieren. Nicht wenige Menschen haben sich in der Vergangenheit Urteile anderer zu eigen gemacht: Destruktive Kritik durch Lehrer, Neider oder sogar die eigenen Eltern lässt sich nicht einfach ausradieren, gerade sensible Gemüter leiden häufig lange darunter.

Aber Sie können aktiv etwas dagegen tun. In der positiven Psychologie absolut bewährt hat sich die Arbeit mit Autosuggestion, beispielsweise mit positiven Affirmationen:

  • Ich liebe mich, so wie ich bin.
  • Ich glaube fest an meine Ziele.
  • Ich bin überzeugt, sie zu erreichen.
  • Ich gebe jeden Tag mein Bestes.
  • Ich allein bin für mein Leben verantwortlich.
  • Ich bin dankbar für alles, was ich bin und habe.
  • Alles wird gut.

Tipps, um Ihre Selbstachtung zu stärken

Genauso, wie man seine Selbstachtung mit der Zeit und durch besondere Umstände verloren hat, braucht sie auch Zeit, sich wieder aufzubauen. Das funktioniert nicht von jetzt auf gleich, die negativen Denkmuster haben sich über einen langen Zeitraum eingeprägt und lassen sich nicht ohne weiteres wegwischen.

Da Sie nun aber den Handlungsbedarf erkannt haben und etwas daran ändern wollen, brauchen Sie auch die nötige Motivation, um durchzuhalten. Gerade bei positiven Affirmationen trägt die ständige Wiederholung über einen längeren Zeitraum dazu bei, sich im Unterbewusstsein zu festigen.

Auch die folgenden Tipps tragen dazu bei, die Selbstachtung wieder aufzubauen, die Anerkennung vor den eigenen Stärken zurückzugewinnen und sich selbst fair zu behandeln.

  1. Reduzieren Sie den Maßstab

    Die eigenen Fehler fallen immer mehr auf, als die der anderen, schon deshalb, weil wir täglich damit konfrontiert werden und uns selbst am besten kennen. Hinzu kommt, dass wir von uns selbst meist mehr erwarten, als von anderen. Einem solchen Maß an Perfektionismus kann niemand gerecht werden.

    Seien Sie gnädiger mit sich selbst. Versuchen Sie, die eigenen Stärken und Schwächen ebenso realistisch, aber auch wohlwollend zu betrachten, wie die eines Freundes oder Kollegen. Dem würden Sie auch helfen, wenn etwas daneben geht. Sie würden Trost spenden und Mitgefühl zeigen - warum also nicht sich selbst gegenüber? Das sollten Sie sich wert sein.

  2. Konzentrieren Sie sich auf die eigene Person

    Viele Menschen machen ihre Selbstachtung vom Umfeld abhängig. Familie, Freunde und Kollegen - erst wenn von dieser Seite positives Feedback kommt, wird so etwas Selbstachtung empfunden. Eine solche Abhängigkeit birgt jedoch viele Risiken.

    Selbstachtung sollte immer von innen heraus kommen. Auch Kritik oder Meinungsverschiedenheiten ändern nichts am Wert Ihrer Person. Lernen Sie, auf sich selbst zu vertrauen, um nicht auf den Zuspruch von außen angewiesen zu sein. Gelingt Ihnen dieser Schritt, kommen Sie einer ausgewogenen Selbstachtung deutlich näher.

  3. Setzen Sie Grenzen

    Ohne die nötige Selbstachtung lassen wir uns von anderen herumschubsen, weil wir uns einreden, es ohnehin nicht besser verdient zu haben. Um an dieser Denkweise und natürlich auch an dem Verhalten anderer etwas zu ändern, bedarf es klarer Abgrenzung. Lassen Sie sich nicht alles gefallen, sondern machen Sie deutlich, dass Sie sich, Ihre Ansichten und Ihre Person zu schätzen und zu verteidigen wissen.

    Gleichermaßen brauchen Sie Grenzen sich selbst gegenüber, um die Selbstachtung aufrecht zu erhalten, die mühsam aufgebaut wird. Stoppen Sie sich selbst, wenn alte Verhaltensmuster wieder auftauchen.

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