Sei doch einfach ganz du selbst... Was sicherlich als guter Rat gemeint ist, wenn man nicht genau weiß, wie man sich in einer ungewohnten Situation zu verhalten hat, wirft bei genauerer Betrachtung eine wichtige und vor allem tiefgreifende Frage auf: Wer bin ich eigentlich? Bei anderen fällt es oft sehr leicht, sie zu beurteilen, ihre Eigenschaften, Stärken und Schwächen zu beschreiben. Aber sich selbst so erkennen, wie man wirklich ist? Das fällt den meisten sehr schwer und der Weg dahin ist nicht einfach. Warum die Selbsterkenntnis so schwer fällt und mit welchen Tricks und Übungen, sie herausfinden, wer Sie sind...

Warum fällt Selbsterkenntnis so schwer?

Wie kann die Antwort auf die Frage Wer bin ich? so schwer fallen? Fälschlicherweise könnte man annehmen, dass es sehr simpel sein müsste, sich selbst zu kennen. Schließlich besteht das ganze Leben daraus, den eigenen Weg zu finden und man selbst sollte sich ja wohl am besten kennen.

Ein Irrtum, denn kaum jemand weiß wirklich, wer er ist - und dafür gibt es gleich mehrere Gründe:

  • Man versucht ständig, sich anzupassen. Selbsterkenntnis fällt schon deshalb schwer, weil oft das Gefühl entsteht, man sollte ohnehin nicht die wirkliche Persönlichkeit zeigen. Von allen Seiten sieht man sich unterschiedlichen Erwartungen ausgesetzt, denen man gerecht zu werden versucht. Viele befürchten, aussortiert zu werden, wenn sie sich nicht verstellen sich diesen Erwartungen anpassen.
  • Man beschäftigt sich nicht genug mit sich selbst. Hand aufs Herz: Wie oft beschäftigen Sie sich wirklich mit sich selbst und der Frage, wer Sie sind? Keine Sorge, Sie müssen sich nicht für eine ehrliche Antwort schämen oder ärgern. Kaum jemand nimmt sich die Zeit, um sich selbst kennenzulernen oder herauszufinden, was er möchte, kann und sich wünscht.
  • Man weiß nicht, welchen Eindruck man hinterlässt. Es ist leicht, etwas zu beschreiben, wenn man von außen darauf schauen kann. Das gilt sowohl für Gegenstände, als auch für Personen. Sich selbst kann man nicht durch diesen äußeren Blickwinkel betrachten, man kann nur erkennen, wie das Umfeld auf die eigene Person reagiert.

Zitate über die Selbsterkenntnis

Das Thema der Selbsterkenntnis ist wahrlich nicht neu, doch scheint es zu jeder Zeit aktuell gewesen zu sein und ist dies bis heute. Das zeigt sich auch in den vielen verschiedenen Zitaten zur Selbsterkenntnis, die zum Teil mehrere Jahrtausende alt sind, zum Teil aber auch erst vor einigen Jahrzehnten entstanden sind:

  • Alles was uns an anderen missfällt, kann uns zu besserer Selbsterkenntnis führen. Carl Gustav Jung
  • Die Selbsttäuschung ist die folgenschwerste aller Lügen und für einen selbst am schwierigsten zu erkennen. Thomas Pfitzer
  • Kein Mensch kann sich wohl fühlen, wenn es sich nicht selbst akzeptiert. Mark Twain
  • Wer einmal sich selbst gefunden hat, der kann nichts auf dieser Welt mehr verlieren. Stefan Zweig
  • Erst im Unglück weiß man wahrhaft wer man ist. Stefan Zweig
  • Allen Menschen ist es gegeben, sich selbst zu erkennen und klug zu sein. Heraklit
  • Um sich selbst zu erkennen, muss man handeln. Albert Camus
  • Die Selbsterkenntnis gibt dem Menschen das meiste Gute, die Selbsttäuschung aber das meiste Übel. Sokrates
  • Du selbst zu sein, in einer Welt die dich ständig anders haben will, ist die größte Errungenschaft. Ralph Waldo Emerson

Gute Gründe für eine bessere Selbsterkenntnis

Elaine Nadiv/shutterstock.comSelbsterkenntnis? Brauch ich nicht, bisher kam ich ja auch ganz gut klar... Eine nicht unverbreitete Meinung, gerade wenn man sich mit dem Thema noch nicht wirklich auseinandergesetzt hat. Schnell wird das alles zu großem Humbug erklärt. Alles Quatsch und Psycho-Gelaber ohne Effekt. Ganz so voreilig sollten Sie einen solchen Schluss aber bitte nicht ziehen.

Die Selbsterkenntnis ist eng mit der Selbstreflexion verknüpft, dem bewussten und vor allem kritischen Hinterfragen der eigenen Person, Handlungen, Gefühlen, Leistungen oder Entscheidungen. Auf diese Weise lernen Sie sich selbst besser kennen und profitieren von einem größeren Selbstbewusstsein und finden heraus, wo Ihre wirklichen Ziele liegen und wie Sie diese erreichen können.

Zu wissen, wer man ist, was man kann und wo eben auch die eigenen Fehler und Schwächen liegen, hilft außerdem dabei, mit Rückschlägen umzugehen, Kritik anzunehmen und umzusetzen und größere Motivation aus dem eigenen Tun zu schöpfen, wenn man weiß, dass es dem entspricht, was man wirklich für sich tun möchte oder dem eigenen Wachstum dient.

Selbsterkenntnis-5-Fragen

Selbsterkenntnis erlangen: Tipps und Übungen

  1. Beginnen Sie zu hinterfragen

    Die bereits erwähnte Selbstreflexion ist nichts, was automatisch oder nebenbei passiert. Vielmehr müssen Sie sich selbst mit den entsprechenden Fragen konfrontieren und Situationen und Emotionen nicht einfach nur hinnehmen, sondern diese hinterfragen. Was sind die Auslöser sowohl positiver als auch negativer Gefühle? Was macht Sie glücklich? Wozu zwingen Sie sich, obwohl es nicht zu Ihnen passt?

    Die Antworten auf einige Fragen sind nicht immer angenehm, doch ist es gerade dann wichtig, dass Sie ehrlich zu sich selbst sind und nicht zum Selbstbetrug übergehen. Sie wollen die Frage Wer bin ich? beantworten - nicht die Frage Wer soll ich sein?


  2. Lernen Sie sich kennen

    Es klingt ein wenig merkwürdig und mancher kommt sich anfangs komisch dabei vor, doch ist es ein wichtiger Schritt zu einer besseren Selbsterkenntnis: Versuchen Sie, sich selbst besser kennenzulernen. Sie wollen ein vollständiges und auch korrektes Bild von sich selbst erhalten, was nur geht, wenn Sie sich über die eigene Person im Klaren sind.

    Dabei geht es nicht nur um die klassischen Fragen nach den eigenen Stärken und Schwächen, sondern auch darum, welche Werte Ihnen wichtig sind, wofür Sie stehen und wie Sie auf andere Menschen wirken.


  3. Beschreiben Sie sich selbst

    Eine andere Übung, um eine bessere Selbsterkenntnis zu erlangen. Stellen Sie sich vor, Sie würden zum ersten Mal mit einer Ihnen bisher fremden Person telefonieren: Wie würden Sie sich selbst beschreiben? Welche Eigenschaften und Charaktermerkmale fallen Ihnen ein, wenn Sie an sich selbst denken?

    Auf diese Weise setzen Sie sich ganz bewusst mit der eigenen Person auseinander und beginnen, mehr über sich selbst nachzudenken. Ein weiterer Vorteil: Sie können Ihre eigenen Einschätzungen mit denen anderer vergleichen und so herausfinden, ob Ihr Selbstbild mit der Fremdwahrnehmung übereinstimmt.

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