Selbstführung Führung durch Selbstführung
Eine immer komplexer werdende Arbeitswelt stellt neue Anforderungen an Mitarbeiter und auch Führungskräfte. Selbstführung heißt hier das Zauberwort, durch das Selbstreflexion und Selbstorganisation gefördert werden soll. Wer sich selbst führen kann, handelt eigenverantwortlich, legt selbst Ziele und den zu beschreitenden Weg fest und überprüft von Zeit zu Zeit sein Handeln. Dabei geht es längst nicht nur darum, sich auf mehr Leistung zu trimmen, sondern sich selbstkritisch zu hinterfragen. Denn so können Sie angemessen auf neue Situationen reagieren...

Selbstführung Definition:

Selbstführung Definition Selbstführung Selbstmanagement Selbstführung für FührungskräfteSelbstführung wird oft synonym mit Begriffen wie Selbstmanagement, Selbstorganisation, Selbststeuerung oder gar Selbstregulierung benutzt. Wikipedia beschreibt damit eine...

Kompetenz, die berufliche und persönliche Entwicklung zu gestalten, (...) um die eigene Motivation zu erhöhen, eigene Ziele zu klären und diese besser zu erreichen.

Dabei werden Methoden aus der Psychologie, dem Management und der persönlichen Führung angewandt. Man kann das Thema Selbstführung unter zwei Gesichtspunkten betrachten, auf die wir hier näher eingehen wollen: Selbstführung von Führungskräften und Selbstführung von Mitarbeitern.

Nicht immer geht es dabei tatsächlich um mehr Eigenverantwortung: Selbstführung kann auch ein Euphemismus für Kosteneinsparungen sein - etwa wenn die Mitarbeiter ihre eigenen Reisekostenabrechnungen machen, weil schlicht und ergreifend kein Personal mehr dafür vorhanden ist.

Andererseits steht Selbstführung stellvertretend für nie dagewesene Freiheiten: Arbeitnehmer können nun selbst Entscheidungen treffen, digitale Technik ermöglicht flexible Arbeitszeiten und -orte. Allerdings müssen damit auch persönliche Reife und der Wille zur Übernahme von Verantwortung vorhanden sein.

Nicht jeder Mitarbeiter kommt damit klar; manche fühlen sich überfordert, da sie nicht über die notwendigen Kompetenzen oder den Handlungsspielraum verfügen. Andere wiederum brauchen klare Anweisungen und regelmäßiges Feedback.

Selbstführung für Führungskräfte: Voraussetzung für Mitarbeiterführung

Wie soll eine Führungskraft jedoch Mitarbeiter zur Selbstführung ermutigen, wenn sie sich selbst nicht führen kann? Selbstführung ist eine Herausforderung, weil es den Blick zunächst nach innen richtet. Wir sind gewohnt andere in ihrem Handeln und Verhalten zu beobachten und zu beurteilen.

Viel leichter lässt sich da feststellen, was von den eigenen Vorstellungen abweicht. Dies ist sozusagen eine ex negativo Betrachtungsweise. Stattdessen müssen Sie den Blick wieder auf Ihre eigenen Werte und Normen lenken: Was ist mir wichtig? Womit tanke ich auf?

Doch wie erhalte ich Zugang zu meinen Gefühlen und meiner Persönlichkeit? Helfen können dabei Achtsamkeit und Übungen zur Selbstwahrnehmung.

Die Vorteile von effektiver Selbstführung: Sie können berufliche Herausforderungen besser meistern und sind zufriedener mit Ihrem Job:

  • Flexibilität: Sie können gut mit Veränderung umgehen und entsprechend reagieren.
  • Kompetenzen: Sie werden durchsetzungsstärker und bleiben handlungsfähig in Krisen.
  • Effektivität: Es fällt Ihnen leichter, selbst gesteckte und Unternehmensziele zu erreichen.
  • Vorbildcharakter: Wer als gutes Beispiel vorangeht, kann andere eher begeistern und wirkt authentisch.
  • Entspannung: Ihr Wohlbefinden steigt, da Sie ruhiger, souveräner und gelassener sein werden.
  • Motivation: Sie haben neue Kapazitäten und Spielräume.

Selbstführung ist deshalb eine Methode, die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken. Dafür sind folgende Schritte notwendig:

  • Denken

    Steigen Sie in Ihre eigenen Denkmuster ein, nur so können Sie mit fortlaufender Übung sich quasi von sich selbst distanzieren, von oben auf Ihre Gedankenwelt hinabschauen und sie hinterfragen. Welche Stärken haben Sie, welche Schwächen? Das erlaubt Ihnen, in bestimmten Situationen Ihr Verhalten zu überdenken und Ihnen alternativen Handlungsspielraum zu eröffnen. So können Sie selbst entscheiden, ob Sie sich durch negative Gefühle beeinflussen lassen oder ob Sie Ihre Energie nicht auf etwas anderes lenken. Wenn beispielsweise ein Kunde einen Deal platzen lässt, können Sie sich fortwährend darüber ärgern oder aber die dadurch gewonnenen Kapazitäten anderweitig sinnvoll einsetzen.

  • Fühlen

    Das beinhaltet das Loslassen von Dingen, die nicht zielführend sind. Negative Gefühle bringen Sie nicht weiter, sie halten sich lediglich mit Misserfolgen auf statt auf Dinge zu achten, die funktionieren. Das zieht nicht nur die Stimmung herunter, sondern führt auch langfristig nachweislich zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

  • Verhalten

    Welche Ziele lassen sich wie umsetzen? Welche Hindernisse gibt es? Werden Sie konsequent in Ihrem Verhalten. Meiden Sie, was Ihnen nicht gut tut. Dieser Punkt setzt vorherige Planung voraus, denn Sie sollten auch sportliche und ernährungstechnische Überlegungen in Ihr Verhalten einbeziehen. Denn Ihrer Leistungsfähigkeit sind Grenzen gesetzt, die sich bemerkbar machen, wenn Sie nicht für Ausgleich sorgen. Versuchen Sie Sport- und Ernährungsweisen in Ihren Alltag zu integrieren, die Sie auch durchhalten können. Ebenso spielen feste Zeiten und genügend Schlaf eine große Rolle - so stärken Sie Ihr Immunsystem und schützen sich vor stressbedingtem Burnout.

Selbstführung: Selbstmanagement für Mitarbeiter

Der Gedanke, durch Führung durch Selbstführung die Mitarbeiter zu lenken, ist ein psychologischer Führungsansatz, der von den beiden amerikanischen Führungsforschern Charles Manz und Henry Sims stammt. Dabei spielen Führung, Macht und Verantwortung in einem Unternehmen eine flächendeckende Rolle, ebenso wie die Eigeninitiative und Selbständigkeit der Mitarbeiter gefördert werden.

Viele Unternehmen - so auch SAP - entdecken Selbstführung für Mitarbeiter als Möglichkeit, Konfliktfähigkeit und Fokussierung zu fördern. Seminare zur Selbstführung bewirkten bei Mitarbeitern eine größere Stressresistenz, stärkeres Vertrauen in die Vorgesetzten, größeres Engagement und geringere Fehlzeiten.

Meditation und Methoden der Achtsamkeit werden nun Bestandteil der Unternehmensführung, allerdings auch Methoden des agilen Managements.

Das setzt von vornherein auf mehr Flexibilität in der Mitarbeiterführung: Die Hierarchien werden in vielen Unternehmen flacher. Globalisierung und Digitalisierung verlangen weitreichende Fähigkeiten im Umgang miteinander - sei es, dass die Mitarbeiter häufiger in verschiedenen Arbeitsbereichen eingesetzt werden, sei es, dass ihnen mehr Entscheidungsspielraum zugebilligt wird.

Gerade vor diesem Hintergrund gewinnt Selbstführung an Bedeutung: Die Mitarbeiter bekommen Fähigkeiten an die Hand, selbständig der Situation angemessene Entscheidungen zu treffen und lösungsorientiert zu handeln. Es bedeutet nach Erfahrung von Experten einen klaren Wettbewerbsvorteil derjenigen Unternehmen, deren Mitarbeiter Selbstführung beherrschen.

Führung durch Selbstführung richtet sich bei Mitarbeitern auf diese drei Ebenen:

  • Persönliche Ebene

    Der Mitarbeiter lernt durch Selbstreflexion die eigenen Denkmuster zu überprüfen, um in bestimmten Situationen angemessen handeln zu können. Er lernt eigene Gefühle wahrzunehmen und sich somit auch besser in andere hineinversetzen zu können. Das wirkt sich wiederum positiv auf die kommunikativen Fähigkeiten aus. Er wird dadurch an Klarheit und Souveränität gewinnen.

  • Berufliche Ebene

    Besonders das Selbstmanagement trägt dazu bei, dass die Zeit planvoll und zielorientiert eingeteilt wird. Das führt zu weniger Stress und mehr Entspannung. Vor diesem Hintergrund lässt sich wesentlich einfacher entscheiden, zumal die Mitarbeiter aus der Kenntnis ihrer eigenen Denkmuster typische Fehler vermeiden können. Als aktive Gestalter ihrer Zeit fühlen sie sich nicht mehr als Opfer bestimmter Sachzwänge, sondern entscheiden selbst, wie und wann sie Erholung brauchen.

  • Situative Ebene

    Die Mitarbeiter lernen selbstbewusstes Handeln und den Umgang mit Konflikten. Dadurch, dass sie die Dinge differenziert wahrnehmen können, handeln sie konstruktiv und lösungsorientiert. Gleichzeitig stellen sie sich Herausforderungen, da sie andere einzuschätzen lernen. Sie entwickeln damit Durchsetzungsvermögen. Ebenso bewusst ist ihnen die eigene Ressourcenschonung, womit sie sich die Motivation für den Arbeitsalltag erhalten.

Selbstführung: Analyse anhand konkreter Beispiele

Im Arbeitsalltag bedeutet Selbstführung, dass Sie konkret analysieren, warum beispielsweise ein Projekt gut verlaufen ist oder nicht. Nur so gewinnen Sie Erkenntnisse für zukünftige Projekte und können entsprechend vorsorgen. Wichtig ist hierbei, den eigenen Anteil von äußeren Umständen erkennen zu können.

Wer Erfolg oder Misserfolg allein äußeren Umständen zuschreibt, hat vermutlich noch nicht die richtigen Fragen gestellt. Damit eine Analyse möglichst fruchtbar ist, empfiehlt sich das Mitarbeitergespräch zwischen Führungskraft und Mitarbeiter.

Die können folgendermaßen aussehen:

  • Welchen Anteil hatten Sie selbst am Erfolg beziehungsweise Misserfolg?
  • Wer hat hat Sie bei der Arbeit unterstützt?
  • Welche Unterstützung bräuchten Sie das nächste Mal?
  • Welche Fähigkeiten und Stärken haben Sie sinnvoll einsetzen können?
  • Wie können Sie diese ausbauen oder verbessern?
  • Wo erkennen Sie Schwächen?
  • Welche Personen hätten Sie noch einbeziehen können?
  • Welche Hürden gab es und wie haben Sie sie überwunden?
[Bildnachweis: Niels Hariot by Shutterstock.com]