Selbstorganisation lernen
Selbstorganisation - oder genauer gesagt deren Fehlen - Die Aufgaben stapeln sich auf dem Schreibtisch, die Deadline rückt immer näher und es lässt sich bereits absehen, dass die Zeit für all die Projekte kaum ausreichen wird. Viele Arbeitnehmer kennen ein solches Szenario nur zu gut, da sie regelmäßig selbst damit konfrontiert werden oder es bei den Kollegen am Arbeitsplatz beobachten können. Ein Schuldiger ist dabei auch meist schnell ausgemacht: Es fehlt einfach an Selbstorganisation, man hat den Überblick über das Verhältnis zwischen Aufgaben und Zeit verloren und rennt dieser nun hinterher. Ein Wettlauf, den man meist nicht mehr gewinnen kann, wenn man zu spät los gelaufen ist. Selbstorganisation lässt sich jedoch glücklicherweise erlernen...

Selbstorganisation lernen: Warum ist es so wichtig?

In der Schulzeit, während des Studiums oder der Ausbildung und auch im Berufsleben - von Selbstorganisation lässt sich in jeder Lebenslage profitieren.

Dennoch tun sich viele schwer damit und suchen stattdessen Ausreden, schieben die knappe Zeit auf schlechte Führungsqualitäten des Chefs, die zu hohen Anforderungen des Kunden oder das schlechte Arbeitsklima.

In einigen Fällen stimmt das zwar, doch oft könnte man sich selbst eine Menge Probleme ersparen, wenn man seine Selbstorganisation verbessert. Welche? Diese:

  • Sie sparen Zeit

    Eine klare Ordnung und gute Organisation kann Ihnen dabei helfen, eine Menge Zeit zu sparen, da Sie unnötige Zeitfresser erkennen und beheben können. Selbstorganisation hilft außerdem dabei, anfallende Aufgaben schneller zu bearbeiten und so am Ende des Tages mehr Zeit für andere Dinge zur Verfügung zu haben.

    Schließlich hat es wahrscheinlich jeder schon einmal erlebt, dass er Dinge einfach immer weiter vor sich hergeschoben hat, nur um kurz vor Schluss in Panik zu verfallen und dem Ärger zu erliegen, nicht rechtzeitig angefangen zu haben.


  • Sie haben weniger Stress

    Stress entsteht oft dann, wenn wir das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren, mit den anstehenden Projekten nicht mehr fertig zu werden oder den Erwartungen nicht gerecht werden zu können. Wir werden hektisch und setzen uns selbst unter Druck, um alles zu schaffen. Selbstorganisation kann dafür sorgen, diesen Stress zu vermeiden, bevor er überhaupt entstehen kann.

    Je organisierter Sie bei Ihrer Arbeit vorgehen, desto leichter wird es Ihnen fallen, den Überblick zu behalten, Prioritäten zu setzen und die richtigen Dinge zur richtigen Zeit anzugehen, um am Ende ganz in Ruhe alles zu schaffen.


  • Sie erreichen Ihre Ziele

    Wer unorganisiert handelt und entscheidet, verrennt sich gerne einmal auf seinem Weg und kommt am Ende nicht mehr da an, wo er eigentlich hin wollte. So ist es auch im Job. Wenn Sie sich etwas vornehmen, dieses Ziel aber immer wieder aus den Augen verlieren, bleiben Sie am Ende auf der Strecke.

    Mit der nötigen Selbstorganisation werden Sie jedoch gezielt auf Ihre Ziele hinarbeiten und diese am Ende auch erreichen - ganz gleich, ob Sie zwischenzeitlich vielleicht einen Umweg genommen haben.


  • Sie werden erfolgreicher

    Selbstorganisation kann Ihnen dabei helfen, Aufgaben besser zu erledigen, produktiver und effizienter zu arbeiten. Das wird über kurz oder lang auch Ihr Vorgesetzter bemerken. Auf diese Weise kann sich Ihnen vielleicht die Chance bieten, die nächsten Karriereschritte zu gehen.

    Außerdem führt Selbstorganisation oftmals zu mehr Eigeninitiative, da Sie sich und Ihre Fähigkeiten besser einschätzen können und diese aktiv nutzen wollen, um beruflich voran zu kommen.

Selbstorganisation lernen: In einfachen Schritten

Selbstorganisation am Arbeitsplatz Lernen

Die Vorteile sprechen für sich, doch vielen fällt es dennoch schwer, Selbstorganisation zu lernen. Der größte potenzielle Nutzen bringt leider nichts, wenn es nicht gelingt, sich selbst besser zu organisieren. Aber wie genau kann das gelingen und warum ist es so schwer?

Zunächst einmal ist es wichtig, über den eigenen Schatten zu springen und sich darauf einzulassen, etwas an sich und der eigenen Arbeitsweise zu ändern. Nur wer dazu bereit ist, kann langfristig wirklich etwas bewirken. Ist dies gegeben, können Sie in einigen Schritten Selbstorganisation lernen oder Ihre bisherige Organisation weiter verbessern.

  1. Schreiben Sie es auf

    Es ist keine Weltneuheit, doch gerade das Aufschreiben von wichtigen Aufgaben, Terminen oder Deadlines ist der erste große Schritt zu mehr Selbstorganisation. Vielen ist dies zwar bewusst, umsetzen tun es jedoch trotzdem nur wenige. Es sorgt dafür, dass Sie zu jeder Zeit den Überblick behalten, sich selbst immer erinnern können, was gerade ansteht und noch wichtiger: Sie haben den Kopf frei, um sich wirklich auf die Erledigung zu fokussieren.

    Schon eine kleine Liste, die möglicherweise nur einige Minuten in der Entstehung braucht, kann Ihren Tagesablauf beeinflussen und dafür sorgen, dass Sie konzentriert die einzelnen Punkte abarbeiten, anstatt alles mögliche durcheinander zu machen, ohne wirklich etwas zu schaffen.

    Nicht zu vergessen, wie unglaublich befriedigend und motivierend es ist, die einzelnen Punkte auf der ToDo-Liste abzuhaken und damit deutlich zu machen, dass etwas geschafft wurde.


  2. Arbeiten Sie an Ihrer Konzentration

    Ablenkung ist der vielleicht größte Feind der Selbstorganisation. Ja, es gibt immer etwas, das von der eigentlichen Aufgabe ablenken kann. Ein Kollege kommt mit einer Frage ins Büro gestürmt, das Telefon klingelt oder das lustige Youtube-Video oder ein Facebook-Beitrag kann einfach nicht warten. All dies macht es jedoch schwierig, bei der Sache zu bleiben und sich dem zu widmen, was gerade ansteht.

    Wenn Sie also Ihre Konzentration steigern, tun Sie damit gleichzeitig auch etwas für Ihre Selbstorganisation. Sie lernen, eine begonnene Aufgabe zu beenden - und zwar erfolgreich. Wer mit den Gedanken immer woanders ist, wird früher oder später vermeidbare Fehler produzieren.

    Sicher: Pausen sind wichtig und sollten gemacht werden. Aber genauso entscheidend ist deren Timing. Hören Sie auf, wichtige Aufgaben mittendrin zu unterbrechen. Das erfordert ein hohes Maß an Disziplin, doch wird es sich langfristig bezahlt machen.


  3. Unterteilen Sie Aufgaben

    Multitasking - möglichst viel auf einmal erledigen, um schnell fertig zu werden. Klingt logisch, klappt aber nur selten. In der Regel führt es nur dazu, dass mehr Fehler gemacht werden, einiges vergessen wird und am Ende ein schlechtes Ergebnis dabei herum kommt, über das Sie sich ärgern und das mindestens genauso viel Stress verursacht hat.

    Setzen Sie stattdessen Prioritäten und arbeiten Sie anstehende Aufgaben der Reihe nach ab. Es ist schlichtweg ein Trugschluss, dass es schneller oder besser geht, wenn alles auf einmal angepackt wird. Am Ende werden Sie nur keiner der Aufgaben wirklich gerecht.

    Handelt es sich nicht von Anfang an um mehrere kleine Aufgaben, die eine nach der anderen gearbeitet werden kann, sollten Sie große Projekte unterteilen und diese Stück für Stück angehen. So wird es Ihnen auch leichter fallen, überhaupt loszulegen, da Sie nicht vor einem schier unüberwindbaren Berg, sondern vor kleinen Teiletappen stehen.


  4. Halten Sie sich an Zeitpläne.

    Deadlines sind für viele gleichbedeutend mit Stress und werden dementsprechend verteufelt, doch sollten Sie mit einem solchen Urteil nicht vorschnell gegen jede Deadline sein. Gerade feste Zeitpläne können Ihnen die nötige Struktur für Ihre Selbstorganisation verleihen. Voraussetzung ist jedoch, dass Sie sich tatsächlich daran halten.

    Setzen Sie sich am Anfang der Bearbeitung eine Frist, wie lange Sie brauchen wollen, und lassen Sie sich nicht dazu verleiten, diese zu verlängern. Da der Mensch ein Meister darin ist, sich selbst etwas vorzumachen, wird Ihnen sicherlich der ein oder andere Grund einfallen - doch bleiben Sie standhaft und halten Sie sich an die gesetzte Frist.

    Warum das so wichtig ist, beschreibt das Parkinson’sche Gesetz des britischen Historikers und Publizisten Cyril Northcote Parkinson. Dieses besagt, dass sich Arbeit in genau dem Maß ausdehnt, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht. Fehlt eine zeitliche Frist, werden Sie also für jede Aufgabe viel länger brauchen.

    Es mag Ihnen anfangs schwer fallen und es klingt merkwürdig, doch wird es Ihrer Selbstorganisation gut tun, wenn Sie sich zeitlich ein wenig unter Druck setzen. Sie geben sich selbst einfach keinen Freiraum, um zu trödeln und aufzuschieben - aber bitte immer im Rahmen, damit Sie noch die Möglichkeit erhalten, die Aufgaben tatsächlich zu schaffen.


  5. Ziehen Sie es durch

    Eine ernüchternde Erkenntnis: Selbstorganisation kommt leider nicht von heute auf morgen. Es wird eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, bis Sie sich an die neuen Vorgehensweisen gewöhnt haben und es ist auch nicht ausgeschlossen, dass es gelegentlich zu Rückschlägen kommt, die Ihnen das Gefühl geben, dass sich nichts verbessert hat.

    Davon sollten Sie sich jedoch nicht entmutigen lassen. Selbstorganisation ist schließlich ein langfristiges Projekt, dass Sie die nächsten Jahre begleiten wird. Ziehen Sie es also durch und geben Sie nicht vorschnell auf, nur weil der Erfolg sich nicht sofort einstellt.

    Nur mit der richtigen Übung und Erfahrung, werden Sie Ihre Selbstorganisation richtig nutzen und von den positiven Effekten profitieren können.

Selbstorganisation: Eine Frage der Gewohnheiten

Um Selbstorganisation zu lernen, müssen Sie sich zunächst einmal von allen Altlasten trennen, die Sie dabei behindern und die Umsetzung erschweren könnten. Konkret bedeutet das, dass Sie sich von schlechten Gepflogenheiten verabschieden müssen, um Platz für neue Vorgehensweisen zu machen.

Klingt in der Theorie einleuchtend und simpel, stellt in der Praxis aber oft eine große Herausforderung dar. Zu tief und zu fest verankert sind die alten Abläufe, die sich oft über Jahre nicht verändert haben und somit in Fleisch und Blut übergegangen sind.

Gewohnheiten zu ändern und die obigen Tipps tatsächlich umzusetzen, ist deshalb gar nicht so leicht. Wie schwer es ist und mit welchen Rückschläge und Versuchen des Selbstbetrugs dieses Vorhaben verbunden ist, zeigt eine Geschichte der Singer-Songwriterin Portia Nelson:

  1. Ich gehe die Straße entlang.
    Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
    Ich falle hinein.
    Ich bin verloren ... Ich bin ohne Hoffnung.
    Es ist nicht meine Schuld.
    Es dauert endlos, wieder herauszukommen.
  2. Ich gehe dieselbe Straße entlang.
    Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
    Ich tue so, als sähe ich es nicht.
    Ich falle wieder hinein.
    Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
    Aber es ist nicht meine Schuld.
    Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.
  3. Ich gehe dieselbe Straße entlang.
    Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
    Ich sehe es.
    Ich falle immer noch hinein ... aus Gewohnheit.
    Meine Augen sind offen.
    Ich weiß, wo ich bin.
    Es ist meine Schuld.
    Ich komme sofort heraus.
  4. Ich gehe dieselbe Straße entlang.
    Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
    Ich gehe darum herum.
  5. Ich gehe eine andere Straße.

Der Weg zu einer besseren Selbstorganisation kann allerdings auch ein wenig anders aussehen: Setzen Sie neue Gewohnheiten möglichst sofort in die Tat um. Springen Sie ins kalte Wasser, entfernen Sie alte und schlechte Gewohnheiten wie ein Pflaster - ein Ruck und schon ist es vorbei.

So sparen Sie sich hoffentlich den Ärger, die alten Fehler noch einmal zu wiederholen.

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