Selbstständig oder angestellt? 4 Entscheidungshilfen

Ein Gastbeitrag von Katja Andes

Denken Sie schon länger darüber nach, sich selbständig zu machen? Ist der Wunsch vorhanden, mal etwas anderes auszuprobieren und sich selbst zu verwirklichen? Im gleichen Zug sind Sie aber auch unsicher, ob es vernünftig ist, den festen, sicheren Job zu kündigen, um etwas Eigenes aufzubauen? Um Ihnen bei dieser Entscheidung zu helfen, finden Sie im Folgenden die vier Schritte, die mir vor knapp einem Jahr dabei selber geholfen haben, die richtige Entscheidung zu treffen und das tatsächliche Risiko richtig einzuschätzen.

1. Der perfekte Tag

Stellen Sie sich Ihren perfekten Tag vor und analysieren Sie, wie weit Sie heute davon entfernt sind!

Wenn Sie aktuell etwas verändern möchten, passt wahrscheinlich die Art und Weise, wie Sie leben und mit was Sie sich beschäftigen möchten, an einigen Stellen nicht mit der aktuellen Situation zusammen und es entsteht Unzufriedenheit.

Um herauszufinden und zusammenzufassen, was Ihnen wirklich wichtig ist, kann ich Ihnen diese einfache, aber aufschlussreiche Methode nur empfehlen. Der perfekte Tag sollte alle für Sie wichtigen Lebensbereiche abdecken und wird Ihnen dabei helfen, Ihren optimalen Lebensstil konkret vor Augen zu führen.

Stellen Sie sich dazu Fragen wie zum Beispiel:

  • Was tun Sie an diesem Tag?
  • Was lernen Sie?
  • Was erschaffen/kreieren/arbeiten Sie?
  • Welchen Hobbies gehen Sie nach?
  • Mit wem verbringen Sie den Tag?
  • Wo sind Sie?
  • Wie leben Sie?
  • Wie fühlen Sie sich?

Wenn Sie das Bild fertig gezeichnet haben, vergleichen Sie es mit Ihrem aktuellen Alltag. Wie weit oder nah sind Sie heute Ihrem perfekten Tag?

Um langfristig glücklich zu sein, sollten unsere Vorstellungen möglichst zu unserem Alltag passen. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir jeden Tag am Strand liegen wollen. Aber es kann bedeuten, dass wir unbedingt am Meer leben möchten, um oft dort sein zu können.

2. Die Alternativen

Schreiben Sie sich mögliche Handlungsalternativen auf und halten Sie detailliert deren Vor-und Nachteile fest!

Nachdem Sie wissen, was Sie möchten, geht es darum, mögliche Handlungsalternativen zu finden, die Sie Ihrer optimalen Vorstellung näher bringen. Ist Selbständigkeit die Alternative, die Sie am nächsten an diesen optimalen Zustand heranführen könnte? Gibt es weitere Alternativen, die in Betracht kommen - zum Beispiel Teilzeit oder Jobwechsel?

Um ein Beispiel zu nennen: Ich habe mir diese Frage vor rund einem Jahr gestellt. Mir wurde klar, dass ich den Winter zum Großteil in Spanien verbringen möchte, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern und um die hiesige Kälte zu meiden. Dieses Szenario war mit meinem damaligen Job als Berater unvereinbar. Zudem hatte ich damals wesentlich mehr Spaß an der Arbeit mit unserer Firma Ideacamp, die damals schon bestand. Daher war die Handlungsalternative, die mich am ehesten an meine Idealvorstellung brachte, selbständige, ortsunabhängige Arbeit unter anderem in unserer Firma.

Wenn Sie die Handlungsalternativen definiert haben, nehmen Sie sich etwas Zeit, und schreiben Sie pro Alternative die Vor- und Nachteile detailliert auf. Beantworten Sie zudem die Frage, welche der Alternativen Sie Ihrem perfekten Tag am nächsten bringen.

Wenn Sie fertig sind, lesen Sie sich die Punkte bitte nochmals durch und vergleichen Sie: Es sollte nun klar sein, welche der Alternativen am meisten an Ihren optimalen Tag herankommt.

Herzlichen Glückwunsch! Sie haben gerade die Alternative mit dem größten Potenzial identifiziert, die Sie Ihren Zielen am nächsten bringt. Wahrscheinlich ist diese Alternative auch die mit dem größten Risiko. Wie können Sie nun damit umgehen?

3. Das Worst Case Szenario

Stellen Sie sich das absolute Worst Case Szenario vor!

Schritt Nummer drei dient dazu, Ungewissheiten und bedrohliche Annahmen aus der Alternative mit dem größten Potenzial zu nehmen und eine realistischere Einschätzung zu erlangen.

Dazu stellen Sie sich bitte vor, was schlimmstenfalls passieren könnte. Und bitte im Detail. Es geht darum, ein bewusst schlechtes Szenario zu zeichnen für den Fall, dass Sie scheitern. Was wäre das Allerschlimmste, das passieren könnte? Überzeichnen Sie hier ruhig – es darf skurril und unrealistisch wirken.

Fragen Sie sich auch, wie Sie es danach schaffen könnten, den aktuellen status quo wieder herzustellen. Könnten Sie beispielsweise in Ihren jetzigen Job zurückkehren oder einen vergleichbaren Job finden? Schätzen Sie an dieser Stelle auch die Zeit, die Sie benötigen würden, um wieder auf die Beine zu gelangen.

Wenn Sie Ihr persönliches Worst-Case-Szenario aufgezeichnet haben sowie Ihre Möglichkeiten aus solch einer Situation wieder herauszufinden, werden Sie feststellen, dass dieser Weg (in der Regel) doch gar nicht so risikoreich aussieht wie zunächst angenommen.

4. Das richtige Timing

Verlassen Sie Ihre Komfortzone!

Die letzte Frage zielt schließlich darauf ab, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um die für Sie beste Handlungsalternative umzusetzen.

Es ist wichtig, sich selbst herauszufordern und die eigene Komfortzone jeden Tag ein kleines Stückchen auszuweiten. Wenn Sie also herausgefunden haben, welcher der richtige Weg ist, empfehle ich Ihnen, sofort zu beginnen und diesen Weg zu gehen.

Das bedeutet nicht, dass Sie sofort Ihren Job kündigen müssen. Jedoch ist es wichtig, mit kleinen Schritten jeden Tag auf sein Ziel zuzugehen. Dies kann bedeuten, dass Sie zum Beispiel nach und nach nebenher etwas aufbauen und sich erst voll auf Ihr neues Business konzentrieren, wenn Sie die ersten Kunden haben.

Nebenher die ersten Schritte zu unternehmen hat den Vorteil, dass Sie frühzeitig wertvolle Erfahrungen sammeln und Selbstsicherheit gewinnen und damit zu einem späteren Zeitpunkt nicht ganz ins kalte Wasser springen.

Viele Menschen glauben, dass es notwendig ist, zunächst einen riesigen finanziellen Puffer aufzubauen, bevor man das Risiko einer selbständigen Tätigkeit eingehen kann. Sollten Sie zu dieser Gruppe zählen, möchte ich Sie gerne ermutigen, zu prüfen, ob der finanzielle Puffer, den Sie glauben zu benötigen, realistisch ist:

Wie lange haben Sie den Zeitraum eingeschätzt, um aus dem absoluten Worst Case Szenario herauszufinden und wieder Geld zu verdienen zu können?

In einem eher realistischen Szenario werden Sie weniger Zeit und damit weniger Geld benötigen. Diese Annahme kann dabei helfen Ihren benötigten finanziellen Puffer realistischer einzuschätzen.

Der zweite Punkt, den Sie in Betracht ziehen sollten, sind die entgangenen Chancen oder wie es im Fachjargon heißt: Opportunitätskosten, wenn Sie eine wichtige Entscheidung für die größere Sicherheit zeitlich verschieben.

Viele Chancen werden erst sichtbar, sobald Sie anfangen, sich zu fokussieren und aktiv über die Idee reden. Manchmal gehen neue Türen erst auf, wenn man alte geschlossen hat. In meinem Fall ist die Idee für ein komplett neues Geschäftsmodell erst entstanden, als ich gekündigt hatte und anfing so zu arbeiten, wie es mir Freude bereitet – ortunabhängig und häufig auf Reisen.

Ich möchte Sie zum Mutigsein auffordern, Risiken realistisch zu bewerten und bewusst und kalkuliert einzugehen. Häufig sind sie nicht so groß, wie wir glauben. Und eine Chance nicht zu ergreifen, ist oft das größere Risiko.

Über die Autorin

Katja-AndesKatja Andes ist Unternehmerin und hilft gemeinsam mit dem Ideacamp-Team, Gründern Ihre Geschäftsidee mit minimalen Kosten und in kurzer Zeit erfolgreich aufzubauen. Daneben baut Katja gerade Sunny Office auf, um gemeinsam mit anderen Gründern und Freelancern im Winter an schönen Orten im Süden zu leben und zu arbeiten.

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