Große Freiheit? 9 Mythen zur Selbstständigkeit
Selbstständigkeit - schon das Wort klingt für viele Arbeitnehmer nach großer Freiheit, nach Selbstbestimmung, Urlaub oder gar arbeiten am Strand. Die Liste der positiven Assoziationen jedenfalls lang - nicht zuletzt, weil das Gras nebenan immer ein wenig grüner aussieht. Sich selbstständig zu machen, endlich der eigene Chef zu sein, ist jedenfalls für zahlreiche Beschäftigte ein Traum - oft aber auch eine gefährliche Illusion, weil sich hinter der Selbstständigkeit eben nicht nur die große, paradiesische Freiheit verbirgt, sondern leider auch ein paar Mythen und Missverständnisse. Sagen wir es, wie es ist: Es ist nicht alles Gold, was glänzt...

9 Mythen rund um die Selbständigkeit

MythosSelbstständigkeit bringt unbestritten einige Vorteile gegenüber dem klassischen Angestelltenverhältnis. Doch die Arbeit als Unternehmer und Gründer birgt auch Risiken und Nachteile, die einige Arbeitnehmer so nicht kennen oder auch gerne ausblenden und übersehen. Gefährlich! Denn aus dem Grund scheitern später so einige, wenn der schöne Traum von der Selbstständigkeit platzt und der Überlebenskampf beginnt.

Deshalb, daher und darum haben wir im Folgenden neun der häufigsten Mythen rund um die Arbeit als selbstständiger Unternehmer aufgelistet und entzaubert...

  1. Sie können arbeiten, wann Sie wollen.

    Sicher haben Selbstständige mehr Freiheiten bei den Arbeitszeiten als Beschäftigte mit einem geregelten Arbeitsvertrag. Aber wie heißt es so schön: Selbstständige arbeiten vor allem selbst und ständig... Und es ist auch wahr: Bis ein Unternehmen etabliert ist, einen festen Kundenstamm etabliert hat und rund läuft, kann es locker drei Jahre dauern. In der Zeit arbeiten viele Gründer mehr als 60 Stunden in der Woche - am Wochenende meist auch noch. Und je nach Branche - beispielsweise in der Beratung, als Agentur oder Freiberufler - müssen sich viele nach den Wünschen der Kunden richten - und erreichbar sein. Dann arbeiten Sie vor allem mehr - und dann, wenn Ihre Kunden das wollen.

  2. Sie können arbeiten, wo Sie wollen.

    Unterwegs, im Zug oder am Strand den Laptop aufklappen und arbeiten - das ist der Traum vieler Arbeitnehmer. In manchen (internetlastigen) Branchen und Jobs funktioniert das tatsächlich. Sobald aber ein Projekt beim Kunden stattfinden muss, Sie ein Ladenlokal oder ein Büro für Ihre Mitarbeiter brauchen, ist es mit der Freiheit aber in der Regel vorbei - und die Tage am Strand gezählt.

  3. Sie arbeiten nur noch nach eigenen Regeln.

    Der eigene Chef sein, nur nach den eigenen Regeln spielen - schöne Idee. Aber graue Theorie. Zwar können Sie solche Spielregeln definieren - dumm nur, wenn kein Kunde danach mitspielt, Sie aber den Umsatz brauchen. Eher und insbesondere am Anfang ist es umgekehrt: Bei Projekten mit oder für andere Unternehmen spielen Sie nach deren Regeln (auch was Rechnungsstellung und Zahlungsziele anbelangt). Abweichen ist in solchen Fällen keine gute Idee.

  4. Sie können Ihre Kunden selbst wählen.

    Schön, wenn Sie einmal so weit sind. Das ist gewiss ein Ziel, auf das sich hinzuarbeiten lohnt. Wahr ist aber: Die wenigsten Selbstständigen und Freiberufler können es sich - gerade zu Beginn der Selbstständigkeit - leisten, bei ihren Kunden wählerisch zu sein. Im Lauf der Zeit und mit wachsendem Erfolg ändert sich das, doch auch dann ist völlige Wahlfreiheit eine Illusion - insbesondere wenn es um einen wichtigen Großkunden geht.

  5. Sie wählen Ihre Projekte frei aus.

    Bei der Auswahl der Projekte ist es wie mit der Kundenwahl: Mit wachsendem Erfolg erweitern sich die Wahlmöglichkeiten, davor aber lebt die Mehrheit von dem, was kommt und von der Hand in den Mund. Vor allem aber schreiben Sie viele Angebote, von denen nur ein paar wirklich zum Auftrag führen.

  6. Selbstständige verdienen viel Geld.

    Es stimmt zwar: Als Unternehmer sind die Aussichten, es zu großem Wohlstand zu bringen, größer als bei einer Karriere als Angestellter. Allerdings ist brutto hier nicht gleich netto: Selbstständige brauchen ebenfalls eine Krankenversicherung und müssen zudem überlegen, wie sie privat fürs Alter vorsorgen. Hinzu kommen eine Vielzahl an Steuern und Abgaben: Gewerbesteuer, IHK-Beiträge, Umsatzsteuer, eventuell Körperschaftssteuer, diverse Versicherungen und und und. So bleiben von jedem verdienten Euro am Ende weniger als 50 Cent übrig. Um davon leben zu können, muss man also erst einmal viel verdienen - und das bitte auch jeden Monat regelmäßig.

  7. Sie haben keine nervigen Kollegen mehr.

    Selbstständige, die alleine arbeiten, bleiben von solchen Horrorkollegen verschont, das stimmt. Das heißt aber nicht, dass Geschäftspartner und Kunden nicht genauso auf den Nerven La Paloma spielen könnten... So mancher Kunde meint, er könne ständig mehr verlangen, ruft mitten in der Nacht an oder bezahlt die Rechnung einfach nicht. Entspannung geht jedenfalls anders. Außerdem ist das Arbeiten als Ein-Mann- oder Ein-Frau-Unternehmen nicht für jeden optimal. Manche brauchen einfach ein Team um sich herum, um produktiv und motiviert zu bleiben - auch wenn das zeitweilig nerven kann.

  8. Sie können Urlaub machen, wann Sie wollen.

    Und auch solange sie wollen. Theoretisch: ja. Praktisch: Nur wenn Sie es sich leisten können. Denn im Urlaub verdienen Sie unter Umständen nicht nur nichts - er kostet auch noch Geld. Überdies ist es eben noch so ein Mythos, Unternehmer könnten nach Lust und Laune in den Urlaub gehen. Auch den müssen Sie an den Bedürfnissen und Deadlines der Kunden ausrichten. Und manchmal gibt es auch so was wie Zwangsurlaub - dann etwa, wenn es keine Aufträge gibt. Entspannt sind solche Betriebsferien nur dann, wenn es Anschlussaufträge gibt. Sonst sorgt der Leerlauf eher für Panikattacken.

  9. Selbstständige arbeiten in ihrem Traumjob.

    Viele Unternehmer machen sich selbstständig, um ihren Traum oder ihre Vision zu verwirklichen. Das ist erst einmal richtig. Doch ob die Praxis später mit den eigenen Wünschen und Vorstellungen übereinstimmt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Selbstständigkeit kann, muss aber nicht zum Traumjob führen. Manchmal ist es nur eine andere Form des Broterwerbs.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]