Selbstverwirklichung: Tun Sie, was Sie wollen
Selbstverwirklichung ist ein hehres Ziel. Wer träumt nicht davon, sich seinen eigenen Wünschen, Bedürfnissen, Träumen und Zielen zu verschreiben und sich gänzlich auf deren Erfüllung zu konzentrieren. Leider kommt uns oft die Realität dazwischen: Andere Verpflichtungen geraten in den Vordergrund, die Selbstverwirklichung wird durch äußere Einflüsse und Erwartungen überschattet. Von diesen Widerständen sollten Sie sich in Ihrem Streben nicht verunsichern lassen - nicht zuletzt, um sich treu zu bleiben. Wie Selbstverwirklichung gelingt und warum sie weniger mit Egoismus als vielmehr mit Eigenverantwortung zu tun hat...

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Selbstverwirklichung: 4 gute Gründe

Der Ausgangspunkt ist immer dieselbe Frage: Bin ich mit meinem Leben, so wie es jetzt ist, zufrieden? Die meisten Menschen sind es nicht. Der Schuldigen sind dann auch schnell ausgemacht: die Umstände, die anderen. Also streben sie nach mehr Selbstverwirklichung und begeben sich auf eine Reise - bestehend aus Selbstfindung, Authentizität, Achtsamkeit und Flow.

Der Begriff der Selbstverwicklung wird - leider - recht inflationär verwendet. Immer und überall ist davon die Rede, dass man sich doch bitte - beruflich wie privat - selbstverwirklichen solle. Daran ist ja zunächst einmal auch nichts Falsches. Es bedeutet letztlich auch nur, dass man ein Leben führt, das man führen will - und das völlig frei von äußeren Zwängen oder Einflüssen.

Allerdings erfüllt die Selbstverwirklichung auch keinen Selbstzweck - nur weil der Begriff positiv besetzt ist. Die eigene Identität spielt dabei eine entscheidende Rolle:

  • Wer bin ich?
  • Wer möchte ich sein?
  • Was ist mir wichtig?
  • Wie möchte ich leben?
  • Was möchte ich bewirken?

All diese Fragen sind essenziell, um sich selbst verwirklichen und ein erfülltes Leben führen zu können.

Wer nach Selbstverwirklichung strebt, sollte daher auch seine Motive kennen und das Warum beantworten können. Immerhin: Ein paar gute Gründe dafür gibt es...

  1. Sie werden glücklicher.

    Glücksempfinden ist immer individuell und von dutzenden persönlicher Faktoren abhängig. Wer sich aber selbst nicht wertschätzt und seine Bedürfnisse ernst nimmt, kann nicht glücklich werden. Durch den Prozess der Selbstverwirklichung lernen Sie aber Ihre Bedürfnisse kennen und können die Voraussetzungen für Ihr ganz persönliches Glück schaffen, indem Sie ein eigenes Leben nach den eigenen Entscheidungen und Erwartungen leben.

  2. Sie erreichen IHRE Ziele.

    Zwar lassen sich auch ohne Selbstverwirklichung Ziele erreichen, es bleibt jedoch die Frage: Sind das wirklich Ihre oder setzen Sie sich ein Ziel, weil jemand anderes es von Ihnen erwartet? Nicht selten werden Studiengänge oder Ausbildungen begonnen, weil das Umfeld dies für eine gute Idee hält. Das Ziel "Master" mag vielleicht erreicht werden, aber man selbst wünscht sich möglicherweise etwas vollkommen anderes. Für ein selbstbestimmtes Leben, sollten Sie daher prüfen, was Ihre Ziele sind - und diese auch verfolgen. Paul Watzlawick hat das einmal so formuliert: "Wer zu sich selbst finden will, darf andere nicht nach dem Weg fragen."

  3. Sie lernen sich selbst kennen.

    Die Suche nach der eigenen Identität und den individuellen Zielen führt zu den eigenen Stärken. Wer sich mit der Selbstverwirklichung intensiv befasst, wird sich daher immer auch der eigenen Wünsche, Talente und Fähigkeiten bewusster - kann daher auch zunehmend selbstbewusster auftreten.

  4. Sie entwickeln ein Profil.

    Der Prozess der Selbstverwirklichung ist zugleich eine Auseinandersetzung mit den eigenen Werten. Diese führen zu einer klaren Haltung und damit zu einem individuellen Profil, einer Persönlichkeit. Selbstverwirklichung hilft also auch dabei, sich von der Masse abzuheben - nicht nur im Job.

Die Maslow'sche Bedürfnispyramide

Maslow Bedürfnispyramide Grafik

Sie darf in dem Zusammenhang nicht fehlen - die Maslow'sche Bedürfnispyramide. Das Modell hat der amerikanische Psychologe Abraham Maslow entwickelt, als er sich mit den unterschiedlichen Stufen der menschlichen Bedürfnisse befasste. Die einzelnen Stufen der Pyramide bauen dabei aufeinander auf. Oder anders formuliert: Erst wenn die Bedürfnissen der unteren Stufe befriedigt sind, können wir uns den höheren Bedürfnissen widmen.

Dabei bilden die drei unteren Stufen - Grundversorgung, Sicherheit und soziale Bedürfnisse - die sogenannten Defizitbedürfnisse. Erst wenn diese befriedigt sind, wird laut Maslow Zufriedenheit empfunden. Die beiden oberen Stufen werden unter dem Begriff Wachstumsbedürfnisse zusammengefasst. Dazu zählen Individualbedürfnisse, wie Erfolg oder Anerkennung und als letzte Stufe die Selbstverwirklichung, die erst dann relevant wird, wenn alle anderen Bedürfnisse befriedigt werden konnten.

Unter Selbstverwirklichung verstand Maslow das Erkennen und Ausschöpfen des eigenen Potenzials, gleichzeitig ging er aber davon aus, dass die Wachstumsbedürfnisse - also auch die Selbstverwirklichung - niemals komplett befriedigt werden können und ohnehin nur zwei Prozent der Weltbevölkerung diese Stufe auf der Bedürfnispyramide erreichen.

Warum fällt uns die Selbstverwirklichung so schwer?

Wenn aber Selbstverwirklichung für viele so erstrebenswert ist, warum tun sich dann ebenso viele so schwer damit? Überall im Alltag lässt sich beobachten, dass sich die Menschen zwar vornehmen, sich endlich selbst zu verwirklichen, an der Umsetzung aber scheitern.

Die drei häufigsten Gründe dafür:

  • Selbstverwirklichung ist es ein langer, steiniger Weg. Doch nicht alle Menschen besitzen das, was die Wissenschaft Volition nennt - zu deutsch: Biss oder Durchhaltewillen. Sie ist eine der wichtigsten Erfolgsfaktoren überhaupt. Es ist die Kunst, im gesamten Verlauf Willensstärke zu zeigen sowie sich genau zu vergegenwärtigen, warum wir etwas wollen und was uns im Innersten antreibt.
  • So allgemein positiv und wünschenswert die Selbstverwirklichung betrachtet wird - die meisten Menschen messen hier mit zweierlei Maß: Wir selbst können und sollen uns natürlich verwirklichen, tut das aber ein anderer, wirkt das auf uns zuweilen rücksichtslos, egoistisch und eigensinnig. Entsprechend beugen sich dann nicht wenige den gesellschaftlichen Erwartungen und verfallen in Konformismus, um nicht anzuecken oder zu gefallen.
  • Hinzu kommt die eigene Einstellung: Von klein auf lernen wir, dass wir uns an die Umwelt anpassen sollen. Nach jahrelanger Konditionierung durch Verbote und Einschränkungen fällt es uns dann natürlich schwer, die eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund zu rücken und durchzusetzen.

So verändert sich dann an der gefühlten Lebensqualität freilich nur wenig.

Selbstverwirklichung: Tipps für die Umsetzung

Selbstverwirklichung ist allerdings kein finales Ziel oder ein Zustand, sondern vielmehr ein Prozess, den jeder für sich aktiv betreibt und voranbringt.

Oder anders formuliert: Das Wort "Verwirklichung" suggeriert einen fixen und unveränderbaren Zustand, den es zu erreichen gilt. Tatsächlich aber bedeutet Selbstverwirklichung immer zugleich auch permanente Selbstfindung und Selbstgestaltung.

Und diese umfasst zahlreiche Lebensbereiche, die davon beeinflusst werden und vice versa:

Selbstverwirklichung und Selbstfindung: Bereiche in einer Grafik

Falls Sie sich also dazu entscheiden, sich selbst zu verwirklichen, gilt es vor allem, eine Antwort auf die wichtige Frage nach dem Wie? zu finden.

Selbstverwirklichung ist kein einfaches Unterfangen. Es erfordert ebenso anhaltende Motivation wie die Disziplin, an sich zu arbeiten, und manchmal auch ein dickes Fell. Früher oder später werden Sie mit Kritik und Gegenwind umgehen müssen. Wie Ihnen die Selbstverwirklichung - trotz Widrigkeiten und Widerstand - gelingen kann, haben wir in den folgenden Empfehlungen zusammengefasst:

  1. Erkennen Sie, was Sie wirklich wollen.

    Bevor Sie sich überhaupt Gedanken über die Verwirklichung machen können, müssen Sie zunächst herausfinden, was genau Sie wirklich wollen. Jeder Mensch hat andere Potenziale, Ziele und Wünsche. Seien Sie daher ehrlich zu sich selbst und hören Sie vor allem auf sich selbst. Lassen Sie sich dabei nicht von Erwartungen und Druck von außen beeinflussen.

  2. Tun Sie, was Sie wollen.

    Nachdem Sie erkannt haben, was Sie erreichen wollen, ist es an der Zeit, diesen Weg einzuschlagen. Anfangs wird dies vermutlich einige Überwindung kosten, doch nur so können Sie am Ende Ihr Ziel auch erreichen. Erinnern Sie sich an Ihre Motivation und wagen Sie den Sprung ins kalte Wasser.

  3. Stehen Sie zu Ihren Wünschen.

    Rechnen Sie damit, eher früher als später auf Kritik zu stoßen. Jemand wird Ihnen erzählen, dass Ihre Ziele nicht zu erreichen sind oder dass Sie einen Fehler gemacht haben. Ignorieren Sie diese Kritik nicht gänzlich, sondern fragen Sie sich, ob eventuell ein Stück Wahrheit darin steckt. Sollten Sie tatsächlich einen Fehler gemacht haben, ist es Zeit für eine Korrektur. Denn auch das gehört zur Selbstverwirklichung: Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen. Erst so handeln Sie wirklich selbstbestimmt.

  4. Geben Sie nicht vorschnell auf.

    Auch wenn es Rückschläge gibt, sollten Sie nicht gleich aufgeben. Wie heißt es so schön: Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Denken Sie immer daran, dass Selbstverwirklichung kein Sprint, sondern ein Marathon ist. Überall im Leben gehören Fehler und Rückschläge dazu. Lernen Sie daraus und bleiben Sie Ihrem Weg treu.

Die Gefahren der Selbstverwirklichung

Extra-Tipp-IconNeben all den positiven Effekten und Vorzügen der Selbstverwirklichung, soll an dieser Stelle allerdings auch erwähnt werden, dass diese durchaus auch Gefahren birgt. Am ehesten wird dies durch ein Beispiel klar:

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein begeisterter Maler, können aber aufgrund Ihres Vollzeitjobs Ihrer Passion nur unregelmäßig nachkommen. Also fassen Sie einen folgenreichen Entschluss: Sie werden sich selbst verwirklichen und sich zu 100 Prozent der Kunst verschreiben.

Sie ahnen, worauf das Beispiel hinausläuft: Sie kündigen also Ihren Job, beschäftigen sich tagein tagaus mit der Malerei, besuchen zusätzliche Workshops, bieten Ihre Bilder im Internet an und telefonieren herum, um Galerien zu finden, in denen Sie Ihre Kunstwerke ausstellen können. Leider bleiben die Aufträge aus. Weder findet sich jemand, der Ihre Bilder präsentieren möchte, noch gibt es eine nennenswerte Nachfrage im Internet.

Über kurz oder lang werden die Ersparnisse nicht mehr ausreichen, um die brotlose Kunst zu finanzieren. Was jedoch in vielen Fällen noch schwerer wiegt, als die finanzielle Belastung, ist der psychische Druck: Wer sich selbst verwirklichen möchte, macht oft sein gesamtes Glück von dieser Entscheidung abhängig. Allerdings besteht dabei immer die Gefahr, dass es ganz anders läuft, als Sie sich das vorgestellt haben und Sie auf ganzer Linie mit dem Vorhaben scheitern.

Wie oben beschrieben, sollte man nicht bei jeder ersten Schwierigkeit aufgeben. Manchmal aber ist es besser, nicht weiterzumachen, sondern umzudenken und auch einen Traum zu beerdigen - um nicht Opfer des Concorde-Effekts zu werden. Denn je höher die Kosten beziehungsweise Verluste, die wir bereits erlitten haben, desto stärker halten wir manchmal an solch fragwürdigen Zielen fest, Motto: Jetzt habe ich da schon so viel reingesteckt... Get Rich - Or Die Tryin'!

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