Selbstwahrnehmung: Wer bin ich?
Es ist eine scheinbar simple und trotzdem bedeutsame Frage: Wer bin ich? Oberflächlich betrachtet ist es verwirrend, sich überhaupt Gedanken darüber zu machen. Keiner kennt einen so gut wie man selbst und natürlich weiß jeder ganz genau, wer er ist. Aber ist das wirklich so? Beim Thema Selbstwahrnehmung können aber gleich zwei Probleme auftreten: Entweder werden sich erst gar keine Gedanken über die eigene Persönlichkeit mitsamt den Stärken und Schwächen gemacht oder die eigene Wahrnehmung ist verzerrt, weil man sich selbst belügt oder eigene Fähigkeiten anders wahrnimmt. Warum Selbstwahrnehmung einen so großen Stellenwert hat und wie Sie lernen können, die Frage Wer bin ich? besser zu beantworten...

Selbstwahrnehmung: Was ist das?

Selbstwahrnehmung ist ein großes Wort mit einer wichtigen Bedeutung, doch die Definition wirkt auf den ersten Blick relativ simpel: Es bedeutet, sich selbst zu kennen, die eigenen Stärken ebenso wie die Schwachstellen, seine Gefühle einordnen und verarbeiten zu können und zu verstehen, wie man selbst auf andere wirkt.

Noch einfacher lässt sich die Selbstwahrnehmung als Gegenstück zum Fremdbild verstehen. All das, was wir bei der Fremdwahrnehmung bei einer anderen Person bemerken, angefangen von offensichtlichen Dingen bis hin zu kleinen Details - nur eben auf die eigene Person bezogen.

Entscheidend für eine ausgeglichene Selbstwahrnehmung ist es dabei, sich nicht auf Positives oder Negatives zu beschränken. Ein vollständiges Bild der eigenen Person kann nicht entstehen, wenn man - bewusst oder unbewusst - einen großen Teil außen vor lässt und sich beispielsweise nur auf seine Stärken und besonderen Fähigkeiten konzentriert. Genau hier liegt aber ein großes Problem der Selbstwahrnehmung: Es ist schwer, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein, sich Schwächen und Fehler einzugestehen und zu verstehen, warum diese uns selbst nicht zu einer schlechteren Persönlichkeit machen. Oft ist es der einfachere Weg, sich selbst zu belügen, doch eine auf diese Weise verdrehte Selbstwahrnehmung bringt auch viele Risiken mit.

Wie unser Author Christian Müller in seinem Blog schreibt:

Echter, nachhaltiger Optimismus und eine positive Grundhaltung entstehen nicht aus Schönreden oder der rosa roten Brille. Sie sind die Folge einer achtsamen Selbstwahrnehmung, eines hohen Bewusstseins für die eigenen Stärken, Ecken und Kanten und einer klaren Entscheidung für die positive Sichtweise.

Warum sollte man sich mit seiner Selbstwahrnehmung beschäftigen?

Wer es mit der Selbstwahrnehmung nicht so genau nimmt, vertritt gerne den Standpunkt, dass es gar nicht so wichtig sei, sich selbst so gut zu kennen. Hinzu kommt das Argument, dass ausgeprägte Selbstwahrnehmung auch zu Verunsicherung führen kann. Nicht jeder kann sofort damit umgehen, wenn ihm bewusst wird, was er nicht kann, worin andere ihn übertrumpfen und welche Fehler er möglicherweise bisher verdrängt hat.

Die Auswirkungen einer ungesunden Selbstwahrnehmung können jedoch weitaus schlimmer sein. Betroffene haben das Gefühl, keinen Sinn in ihren Handlungen finden zu können, sind häufig niedergeschlagen und demotiviert und können sogar Depressionen entwickeln.

Wichtig zu beachten ist auch, dass es leichter ist, sich mit seiner Selbstwahrnehmung auseinanderzusetzen, bevor man durch äußere Umstände darauf gestoßen wird. Zwar kann man versuchen, sich davor zu schützen, doch spätestens wenn man von jemand anderem darauf aufmerksam gemacht wird, dass die Fremdwahrnehmung absolut nicht mit der Selbstwahrnehmung in Einklang zu bringen ist, entsteht ein Widerspruch, der unangenehm ist und sich nur durch ehrliche Betrachtung der eigenen Person auflösen lässt.

Selbstwahrnehmung verbessern: So kann es funktionieren

Kichigin/shutterstock.comWill Ihnen auf die Frage Wer bin ich? einfach keine gute Antwort einfallen und das einzige, dass Ihnen in den Sinn kommt, ist etwas wie: Ich bin eben ich? Dann sollten Sie etwas an Ihrer Selbstwahrnehmung ändern - und das lässt sich lernen, auch wenn es nicht ganz einfach ist, die Gewohnheiten zu durchbrechen, mit denen man die eigene Wahrnehmung seiner selbst bisher erfolgreich ausgeblendet oder verfälscht hat. Wir haben einige Wege zusammengestellt, die Ihnen helfen können, Ihre Selbstwahrnehmung zu verbessern. Dabei müssen Sie nicht gleich alles auf einmal umsetzen. Suchen Sie die Alternative aus, was am besten zu Ihnen und Ihrer Situation passt.

  1. Reflektieren Sie sich und Ihr Verhalten

    Kaum jemand nimmt sich Zeit, um bewusst die eigene Situation, Gefühle und Gedanken zu hinterfragen. Nur eine solche Selbstreflexion führt jedoch zu einer gesunden Selbstwahrnehmung. Gehen Sie bewusst in sich und beantworten dabei wichtige Fragen: Was beschäftigt Sie? Was denken Sie über Ihre aktuelle Lage?

  2. Schreiben Sie wichtige Dinge auf

    Ein Tagebuch bietet die Gelegenheit, wichtige Erkenntnisse aufzuschreiben, Gedanken oder auch Gefühle festzuhalten und zuzuordnen, wann diese auftauchen. Viele Dinge, die sonst in Vergessenheit geraten würden, können aufgeschrieben und zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal gelesen werden. So können Sie lernen, was Ihnen wichtig ist, welche Bedürfnisse Sie haben, aber auch, woran Sie möglicherweise noch arbeiten müssen.

  3. Sein Sie aufmerksam

    Nicht immer ist es nötig, tief in sich selbst hineinzuhorchen, um das eigene Selbstbild zu verbessern. Auch der aufmerksame Umgang mit anderen Menschen kann dazu beitragen. Bitten Sie Personen, denen Sie vertrauen, um eine Einschätzung Ihrer Stärken und Schwächen - ohne eine ehrliche Antwort übel zu nehmen. Vergleichen Sie diese mit Ihrer Selbstwahrnehmung und fragen Sie sich, woher die Unterschiede kommen können.

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