Gut, die Geschichte ist jetzt schwierig, wenn sie ein Mann erzählt. Eine Frau hätte es an dieser Stelle leichter, sie wäre wohl auch irgendwie neutraler, glaubwürdiger. Weil die als Autorin aber gerade nicht zur Verfügung steht, muss mal wieder die Wissenschaft aushelfen, denn es geht – sagen wir es, wie es ist: um Konkurrenzdenken, um Attraktivität und Sexappeal – und um Frauen. Vor allem um Frauen.

Falls Sie eine Frau sind, dürfen Sie zunächst eine simple Frage beantworten: Wie haben Sie gerade auf das Aufmacherfoto zu diesem Artikel reagiert? Ganz ehrlich: Warum so?

Und das ist jetzt nur ein Foto! Angenommen, Sie sitzen stattdessen gerade mit ein paar Kolleginnen und Kollegen im Raum und plötzlich schneit so ein Rasseweib hinein: lange Haare, vermutlich blond, Highheels, Beine bis zum Boden, die aber kaum bedeckt, die Auslagen gut sichtbar ins Schaufenster gepackt… Sie wissen, was ich meine: Sex pur.

Die eben noch eloquenten Kollegen degenerieren wie durch Zauberhand auf das Sprachniveau eines Troglodyten, samt Grunzlauten und unkontrolliertem Speichelfluss, und Sie… Tja, genau das ist die Frage! Wie reagieren Sie und Ihre Kolleginnen?

Kurze Antwort: Sie reagieren auch – und zwar genauso heftig wie Männer. Nur eben anders: negativ bis feindselig. So jedenfalls ließen sich die Ergebnisse einer Studie von Tracy Vaillancourt zusammenfassen.

Die Psychologin an der Universität von Ottawa testete eine eben solche Situtation mit 86 Studentinnen im Alter zwischen 19 und 23 Jahren. Zunächst gingen ihre Probandinnen davon aus, dass sie gleich an einer wissenschaftlichen Diskussion über das Thema Freundschaft teilnehmen würden. Artig saßen sie in Zweiergruppen in einem Unisaal, dann betrat eine von Vaillancourts Komplizinnen die Szenerie. Einmal war das eine durchschnittliche Erscheinung: graue Hose, blaues Shirt, die Haare zum Zopf gebunden, brav eben. Ein anderes Mal aber war es der Auftritt einer sprichwörtlichen Sexbombe – blonde Wallemähne, enges, tiefausgeschnittenes Top, Minirock, Schaftstiefel… Gnnnhhhrrrrrglg. Entschuldigung. So eine eben.

Jede Komplizin verhielt sich übrigens stets gleich unverfänglich, stellte den Probandinnen eine höfliche Frage und verlies den Raum danach wieder. Das aber reichte völlig.

Denn wie Vaillancourts heimliche Videoaufzeichnungen hinterher bewiesen, war der Unterschied der Reaktionen enorm: Während sich die Probandinnen dem Mauerblümchen gegenüber völlig neutral verhielten, reagierten sie auf den Sexappeal der Zweiten regelrecht zickig, machten ein böseres Gesicht oder sahen sie kaum an und lästerten. Eine raunte etwa, ihre Brüste würden gleich aus dem Shirt kullern, eine andere unterstellte hernach, die sei doch nur auf Sex mit dem Prof aus. Kurz: Sie hassten die Hübsche.

Vaillancourt wiederholte ihre Versuche indes mit Fotos. Diesmal sollten ihre 66 Probandinnen bewerten, ob sich sich vorstellen könnten, mit der Abgebildeten befreundet zu sein. Auch hier dasselbe Bild: War die andere dick oder durchschnittlich durfte sie sich Hoffnungen auf eine Freundschaft machen; hatte sie vor allem Sexappeal, waren die Emotionen bestenfalls frostig.

Die Erkenntnis mag auf den ersten Blick so bahnbrechend nicht sein. Und doch belegt sie etwas, womit vor allem attraktive Frauen im Job immer wieder zu kämpfen haben: Rivalitäten, Feindseligkeiten und Vorurteile von und durch Kolleginnen, die überhaupt nichts mit dem Job oder ihrer Leistung zu tun haben. Und je weniger schöne Frauen ihre Reize verbergen – etwa durch Kleidung – desto härter bläst ihnen der eiskalte Wind der Konkurrenz entgegen.

Schöne Menschen haben es eben auch nicht leicht – und Frau die Wahl zwischen Rivalin oder Gnnnhhhrrrrrglg.