Belästigung-am-Arbeitsplatz-Nötigung
Totschweigen, ist genau das, was Sie bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz auf keinen Fall tun sollten. Ob Sie nun als Mann oder – was wahrscheinlicher ist – als Frau belästigt werden (zwei Drittel alles Frauen geben an, schon einmal im Job sexuell belästigt worden zu sein): Entscheidend ist, dass Sie reagieren – umgehend, energisch, selbstbewusst. Das heißt aber auch: Auf keinen Fall sollten Sie dabei ausrasten. Erstens, weil Sie das subtil zum Opfer macht (und genau das bestärkt manchen in seiner Obsession); zweitens, weil Sie dann leicht als zickig oder frigide abgestempelt werden können. So reagieren Sie richtig auf sexuelle Belästigung...

Sexuelle Belästigung: Definition

Laut Definition tritt der Fall der sexuellen Belästigung schon durch ein unwillkommenes Verhalten ein, durch das Sie sich...

  • peinlich berührt,
  • eingeschüchtert oder gar
  • gedemütigt

...fühlen. Dazu zählen:

  • Doppeldeutige oder gar eindeutige Worte
  • Gesten
  • Handlungen
  • Anzügliche Bemerkungen (über Ihr Aussehen oder Privatleben)
  • Anzügliche Witze
  • Das Zeigen von pornographischen Darstellungen
  • Ungewollte Berührungen

Der Unterschied zu Komplimenten oder einem Flirt besteht im Wesentlichen darin, dass es von den Betroffenen als entwürdigend erlebt wird und unerwünscht ist.

Sexuelle Belästigung ist kein Kavaliersdelikt

Sexueller-Übergriff-Grabschen-BelästigungJuristisch können Sie sich über den lästigen Kollegen ohne Weiteres beschweren oder ihn gar anzeigen. Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, seine Beschäftigten vor sexuellen Belästigungen zu schützen.

Für den Täter bedeutet das zugleich einen schweren Imageschaden, womöglich gar das Karriere-Aus. Ändert er sein Verhalten nicht, kann er fristlos gefeuert werden. Das hängt allerdings auch vom Ausmaß der sexuellen Belästigung ab:

  • Grabschen, Fummeln, auf den Po klatschen, eine eindeutige Aufforderung zu einer sexuellen Handlung machen – all das kann eine sofortige Kündigung bereits rechtfertigen.
  • Schon "wer die allgemein übliche minimale körperliche Distanz nicht wahrt, sondern die Betroffene gezielt unnötig und wiederholt unerwünscht anfasst oder berührt, begeht eine sexuelle Belästigung", urteilte das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein (3 Sa 163/06).

Folge: Fristlose Kündigung.

Was aber tun Sie bei erstmaligen anzüglichen Blicken, Hinterherpfeifen oder zotigen Sprüchen?

Neben dem Ignorieren (was meist nicht hilft) oder dem Dummstellen ("Was haben Sie da gerade gesagt? Ich glaube, ich habe Sie nicht recht verstanden...") bleiben Ihnen mehrere mögliche Reaktionen. Alle Ratschläge aber eint eine dreiteilige Strategie:

  1. Lassen Sie sich auf keinen Fall einschüchtern und sprechen Sie den Belästiger umgehend auf sein inakzeptables Verhalten an.
  2. Sagen Sie ihm unmissverständlich, dass er (oder sie) damit sofort aufhören soll und machen Sie ihn darauf aufmerksam, dass sein Verhalten strafbar ist und er (oder sie) damit gegen die Unternehmenskultur verstößt.
  3. Bestehen Sie auf einer Entschuldigung und dem Versprechen, Sie nicht wieder zu belästigen. Nur so stellen Sie sicher, das Ihre Botschaft angekommen ist.

Souveräne Reaktionen auf sexuelle Belästigung

Darüber hinaus ist – insbesondere bei leichteren Fällen – eine der souveränsten Repliken die Reaktion zugleich mit einem Lächeln oder gar Lachen zu garnieren:

  • Irritiertes Lächeln:

    "Ich kann nicht glauben, dass Sie das gerade gesagt haben. Aber zu Ihrem Besten, vergesse ich das wohl besser gleich wieder."

  • Verächtliches Lächeln:

    "Hahaha. In Ihren Träumen vielleicht...!"

  • Ungläubiges Lächeln:

    "Das können Sie unmöglich ernst meinen!"

  • Mitleidiges Lächeln:

    "Sie Ärmster. Sie brauchen wirklich dringend Urlaub!"

  • Ironisches Gelächter:

    "So jemand hat mir gerade noch gefehlt...!"

Lachen unterstreicht Ihre Souveränität und bringt den Nötiger aus dem Konzept. Die von ihm womöglich geplante Attacke oder Offerte verpufft und bekommt eine für ihn überraschende Wendung, die ihn zugleich zum Würstchen degradiert. Gut so.

[Bildnachweis: Edw, bikeriderlondon by Shutterstock.com]